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Gemeinsam Brücken bauen

Ein Stück Europa in Staufenberg: Im Juli verbrachten hier Jugendliche aus vier Ländern gemeinsam ihre Ferien.

 

 

Vier Städte und eine Freundschaft über Grenzen hinweg: Jedes Jahr kommen Jugendliche aus dem hessischen Staufenberg, aus Mährisch Trübau (Tschechien), Tarján (Ungarn) und Donnerskirchen (Österreich) in einer der Partnerstädte für eine gemeinsame Woche zusammen. In diesem Jahr wurde die internationale Jugendbegegnung vom Städtchen Staufenberg unter dem Motto „Europa gemeinsam bauen – zu Gast bei Freunden“ organisiert.

 

Der „Verband der Deutschen – Regionalgruppe Schönhengstgau“ übernahm die Betreuung der Jugendlichen aus Tschechien. Die Studentinnen Eva Čapková, Monika Manethová und Petra Bergová und der Student Roman Mišák sorgten dafür, dass die jungen Tschechinnen und Tschechen sich wohl fühlten.

 

Die erlebnisreiche Woche begann zunächst mit einem Empfang in der Staufenberger Stadthalle, wo die Jugendlichen aus vier Ländern von den Vertretern der Stadt willkommen geheißen wurden. Altbürgermeister und Partnerschaftsbeauftragter Horst Münch nannte die alljährlichen Jugendbegegnungen eine „wichtige Einrichtung“, die er nach Kräften fördere.

 

Und so gab er schon einen Ausblick auf die kommenden Jahre: 2013 soll das Treffen in Mährisch Trübau und 2014 im ungarischen Tarján stattfinden. Ermöglicht wurde die mittlerweile 22. Jugendbegegnung durch die Unterstützung der Jugendpflege der Stadt Staufenberg, des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien und der Stadt Mährisch Trübau. Münch dankte allen Organisatoren und sagte: „Wenn ihr weint bei der Abreise, dann war’s eine gute Woche“. Die begann am nächsten Tag mit einem Besuch des Aquapark in Marburg.

 

Vom alten Rom...

Am Freitag hieß das Fahrtziel Saalburg. Die Saalburg ist ein auf dem Taunuskamm nordwestlich von Bad Homburg vor der Höhe gelegenes ehemaliges Kastell des römischen Limes.

 

Es gilt als das besterforschte und am vollständigsten rekonstruierte Kastell des Obergermanisch-Raetischen Limes, der seit 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes besitzt. Hier, auf dem römischen Grenzwall zwischen Donau und Rhein, bekamen die jungen Teilnehmer ein anschauliches und lebendiges Bild von der römischen Lebensweise. Und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch: Die Jugendlichen marschierten mit römischen Schilden, zogen sich wie die alten Römer an, schossen mit dem Bogen und schlüpften in die Rolle der römischen Götter – von Jupiter bis Minerva. Nach diesem anstrengenden Tag fielen alle ganz müde in ihre Schlafsäcke.

 

Am nächsten Tag wurde es sportlich. Die Europameisterschaft sorgte für olympische Stimmung. Unter dem Motto „Gemeinsam Europa (er)Leben“ maßen sich die Jugendlichen in Disziplinen wie Volleyball, Fußball, „Wasserballrennen“ und einem Europaquiz. Am Nachmittag und am Abend feierte dann die ganze Stadt Staufenberg mit ihren Gästen die „Europa-Tage“ in der Stadmitte, die auch am Sonntag weitergingen.

 

...ins moderne Europa

Die Jugendlichen gestalteten mit Pfarrerin Jutta Martini einen „Mitten-im-Dorf-Gottesdienst“, in dem sie ein eigens gedichtetes Lied zum Besten gaben.

 

Tags darauf machten sie sich auf den Weg zum „Point Alpha“ an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, den „heißesten Punkt des Kalten Krieges“. Hier wurde europäische Geschichte erlebbar. In direkter Nachbarschaft zur Stadt Geisa, der einst am weitesten westlich gelegenen Stadt des Ostblocks, erfüllte der Beobachtungsstützpunkt „Point Alpha“ bis zum Fall des Eisernen Vorhangs eine wichtige Beobachtungsaufgabe im Verteidigungskonzept der NATO. Auf der anderen Seite der Grenze waren entsprechende Beobachtungspunkte der Staaten des Warschauer Pakts eingerichtet. Der Stützpunkt lag im Zentrum der NATO-Verteidigungslinie „Fulda Gap“ (Fuldaer Lücke), in der die NATO im Ernstfall die Invasion der Truppen des Warschauer Pakts erwartete. Nach der Führung entlang der Grenzkonstruktion fuhr die Gruppe zur nahegelegenen Wasserkuppe, dem mit 950 Metern höchsten Berg Hessens, wo sie auf der Sommerrodelbahn und dem Rhönbob den Nachmittag verbrachte: Faszination Geschwindigkeit, Wind in den Haaren und ein zauberhafter Ausblick.

 

Rasant ging es auch am nächsten Tag weiter: Im Phantasialand in Brühl – zwischen Bonn und Köln gelegen – ließen Achterbahn und Free-Fall-Tower den Adrenalinpegel nach oben schnellen. Etwas beschaulicher konnte man auch durch den Vergnügungspark schlendern und dabei die sieben Kontinente durchwandern. Am Mittwoch wandelten die Jugendlichen in Wetzlar auf den Spuren Goethes. Der Abend gehörte dann der Abschlussparty mit McBacon und DJ Crawallo.

 

Neben Ausflügen, Sport und Freizeitattraktionen standen auch Länderabende auf dem Programm, an denen die Jugendlichen ihre Heimatländer vorstellten und es genug Zeit gab, Freundschaften zu schließen und zu bekräftigen.

 

Am Donnerstag kam schließlich der Tag der Abreise. Für die Jugendlichen war es eine gute Woche, denn wie Altbürgermeister Horst Münch schon vorausgesagt hatte, gab es beim Abschied viele traurige Gesichter. Doch die Jugendlichen freuen sich schon auf ein Wiedersehen, denn sie haben Freundschaften geschlossen und Brücken gebaut. Brücken von Land zu Land und von Herz zu Herz. Und diese Brücke ist die stärkste Brücke, die man bauen kann.

 

Die Autorin studiert Medizin in Hradec Králové und ist Mitglied des Verbands der Deutschen Nordmähren - Adlergebirge.

 

 

 

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