Aktuelle Seite: StartseiteForum

Anzeige

Wirtschaftsuniversität Prag VŠE

Interessant, aber verkannt

Beim Seminar „Otevři oči – Augen auf!“ in Aussig (Ústí nad Labem) wird ein Stadtführer der besonderen Art erstellt.

 

 

Es ist ein heißer Sommertag in Aussig (Ústí nad Labem). An der Purkyně-Universität sitzen rund zwanzig Jugendliche in einem Kreis zusammen. Sie lesen ihre selbstverfassten journalistischen Artikel vor, woraufhin diese gemeinsam besprochen werden. Sowohl auf Deutsch als auch auf Tschechisch.

 

Vier Tage lang sind die jungen Menschen aus Deutschland und Tschechien zum Seminar „Otevři oči – Augen auf!“ zusammengekommen, um eine interaktive Stadtkarte von Aussig zu erstellen. Sie schreiben Artikel und machen Fotos und Videos, die später auf einer Internetseite zusammen veröffentlicht werden sollen.

 

Unterstützung bekommen sie dabei von Bára Procházková, die ihnen die Grundlagen des Schreibens vermittelt, und zunächst Beispieltexte, später auch die Texte über die Stadt Aussig, mit ihnen bespricht. Das macht die perfekt mehrsprachige Journalistin auf Deutsch und Tschechisch, ständig zwischen den Sprachen wechselnd.

 

Denn während viele der tschechischen Teilnehmer zumindest ein wenig deutsch sprechen, können die meisten der angereisten Deutschen kaum oder gar kein Tschechisch. Das schadet jedoch der Kommunikation nicht – ist es doch Konzept des Projektes, in allen Bereichen zweisprachig zu sein.

 

So soll auch jeder Teilnehmer Artikel in seiner Muttersprache verfassen können. Später werden alle Informationen im Internet in beiden Sprachen veröffentlicht werden. „Jeder sollte es in seiner Sprache lesen können“, sagt Lucie Michálková. Sie gehört zu der sechsköpfigen Gruppe des Deutsch-tschechischen Jugendforums, die das Projekt geplant und organisiert hat.

 

„Das deutsch-tschechische Jugendforum ist eine Gruppe Jugendlicher“, erklärt sie weiter. „Jedes Jahr haben wir dreißig neue Teilnehmer, und diese dreißig Teilnehmer machen dann Projekte, in Gruppen von sechs Personen. Immer drei aus Deutschland und drei Tschechen.“ Sie gehört zur tschechischen Seite, studiert Tschechisch und Deutsch auf Lehramt in Prag.

 

Einer ihrer deutschen Teamkollegen ist Philipp Kirchenmaier. Nach seinem Freiwilligendienst beim Collegium Bohemicum suchte er nach Möglichkeiten, mit dem Land in Kontakt bleiben zu können, und stieß auf das Jugendforum. Für ihn ist das Jugendforum „eine tolle Möglichkeit, Dinge auszuprobieren, und zu gucken, was man machen und wie man seine Ideen in Projekte umsetzen kann“.

 

Stadt der Kontraste

Und Lucie fügt hinzu: „Wir haben dieses ganze Projekt selber gemacht, also wir wurden von unserem Forum unterstützt, von den alten Mitgliedern, aber wir haben selber gearbeitet.“

 

Warum ihre Wahl bei der Stadtkarte gerade auf Aussig gefallen ist, begründet Philipp folgendermaßen: „Wenn Deutsche etwas mit Tschechien assoziieren, dann ist es eigentlich fast nur Prag. Und Ústí ist eine Stadt, die auch auf der Zugstrecke zwischen Prag und Dresden liegt. Alle fahren durch, aber keiner hält an.“ Er fügt hinzu, dass die Menschen auf beiden Seiten der Grenze mit Aussig vor allem negative Dinge assoziieren, wie Arbeitslosigkeit und Prostitution, und dass die meisten sich nicht die Mühe machen würden, sich die Stadt mit eigenen Augen anzusehen.

 

Außerdem haben sie die Stadt wegen ihrer Grenznähe und der deutsch-tschechischen Geschichte ausgewählt, so die Organisatoren. „Es ist eigentlich keine schöne Stadt im klassischen Sinne, aber sehr interessant. Es gibt eine gewisse Spannung zwischen neu und alt“, sagt Lucie.

 

Dies kann auch die Seminarteilnehmerin Karolina Bůžek bestätigen. Die Lehramtsstudentin, die das vorige Semester als Erasmusstudentin in Prag verbracht hat, sagt, es gefalle ihr sehr gut in Aussig. „Ich finde es sehr interessant, wie eine Villa direkt neben einem Plattenbau steht, und diese Kontraste mag ich hier sehr. Also Geschichte steht hier in ihren unterschiedlichen Epochen direkt nebeneinander.“

 

Für viele Teilnehmer steht bei dem Treffen vor allem der interkulturelle Kontakt im Vordergrund. Die Tschechisch-Studentin Luisa Gester erzählt, dass sie das Treffen nutzt, um mehr Tschechen kennenzulernen und ihre Sprachkenntnisse anzuwenden. „Ich habe bisher relativ wenig Kontakt mit Tschechen gehabt, weil ich es auch erst seit einem Jahr lerne.“

 

Im Laufe des Wochenendes sind schließlich eine erste Sammlung von Artikeln und eine große Anzahl von Fotos entstanden. „Wir hatten zehn deutsch-tschechische Tandems, die insgesamt zehn Artikel geschrieben haben“, sagt Mitorganisatorin Šárka Navrátilová nach dem Seminar.

 

Die Veranstalter hoffen nun, dass ihre Nachfolger im nächsten Jahr das Projekt weiterführen und vergrößern werden, so dass mehr Artikel zu Aussig, oder auch weitere Karten für andere Städte entstehen können.

 

Die interaktive Stadtkarte soll bis Ende August fertiggestellt werden und wird dann im Internet verfügbar sein.

 

 

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

„Den Bock zum Gärtner machen.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.