Aktuelle Seite: StartseiteForum Hultschiner Begegnungszentrum in Gefahr

Babylonfest in Brünn

Brünn (Brno) feiert seine kulturelle Vielfalt.

 

 

Gerade fand in Brünn „Das Babylonfest“ statt, auf dem sich jedes Jahr die hier lebenden Minderheiten treffen. Der Name „Babylonfest“ – Babylon als Symbol für die Existenz der Christen in der Fremde und Zerstreuung – ist wohl die Analogie zu einer Stadt, in der schon vor mehr als zwei Jahrtausenden durch kulturelle Vielfalt und deren freie Entfaltung ein Zeichen für Toleranz und Freiheit gesetzt wurde.

 

In diesem Jahr wurde das viertägige Festival bereits zum fünften Mal organisiert und neben dem üblichen Festumzug in schönen Trachten und Kleidern gab es diesmal auch Arbeitskreise zu verschiedenen Themen.

 

Bereits am Mittwoch begann ein Workshop für Fotografie. Jan Symon, einer der bekanntesten Fotografen der Stadt, verriet nicht nur Tipps und Tricks für ein gutes Bild, sondern stellte auch bekannte tschechische Fotografen vor. Einige gingen in den sechziger Jahren ins Ausland, denn die Fotografie sei damals eine nahezu verbotene Kunst gewesen, so Symon. Die Fotografen kamen bei ihrer Arbeit auch manches Mal in Konflikt mit ihrem Gewissen. Nämlich, wenn sie befürchten mussten, dass die Personen auf ihren Aufnahmen mit unangenehmen Folgen durch die Staatssicherheit rechnen mussten.

 

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen von Literatur und Musik. Moderne Musiktraditionen wie zum Beispiel griechische Popmusik konnten die Teilnehmer des Festes erleben. Zuvor gab es allerdings Gelegenheit, an einer von der russischen Volksgruppe organisierten Literaturwerkstatt teilzunehmen, die zeigte, wie Poesie und Prosa in vielen Sprachen der Welt klingen. Ljubov Vondroušková, aktive Chefin des Verbandes und selbst bekannte Lyrik-Autorin, lud Menschen ein, Poesie in englischer, französischer und deutscher Sprache vorzutragen. So hörte man die Verse Jan Skácels, des mährischen Dichters, in deutscher und russischer und natürlich in tschechischer Sprache.

 

Viele hörten auch zum ersten Mal, wie Esperanto klingt. Der ehemalige Vorsitzende des Clubs der Esperantisten erzählte bewegt, wie die Kommunistische Partei in den Sechzigern versuchte, den Verband der Esperantisten aufzulösen.

 

Symbolische Bäume

 

Der Freitagnachmittag war einer ganz besonderen Angelegenheit gewidmet. Die Stadt Brünn wird ab diesem Jahr für jede Volksgruppe ihren typischen symbolischen Baum pflanzen: Auf dem Spielberg wurden nun eine Platane, der Tradition nach der ungarische Baum, und eine Eiche, Symbol der deutschen Volksgruppe, gepflanzt. Diese Bäume haben eine uralte Symbolik. Die musikalische Untermalung und ein zauberhafter Platz am Spielberg gaben der Zeremonie einen ganz besonderen Rahmen.

 

Am Samstag gab es beim festlichen Umzug wunderschönen Trachten, traditionelle Tänze und durchweg hübsche Mädchen, die sich trotz Kälte und Regen ihre gute Laune nicht nehmen ließen. Auch kulinarisch präsentierten sich die Kulturgruppen mit ihren typischen Spezialitäten.

 

Die lange vorbereitete Ausstellung über die in Brünn lebenden Volksgruppen in der Statthalterei eröffnete Frau Monika Fazekas, die Vorsitzende des ungarischen Verbandes. Viel Geduld sei nötig gewesen um die vielen einzelnen Informationen zu sammeln. Das Plakat der Deutschen wird in Prag bei der Großveranstaltung zu sehen sein.

 

Das mehrtägige Fest schloss mit einem Gala-Abend, auf dem landestypische Auftritte in schönen farbenfrohen Trachten die Traditionen aufl eben ließen. Den Anfang machten die Kleinsten: Die Schulkinder der Brünner Schule Antonínská führten, in Zusammenarbeit mit dem Begegnungszentrum, eine lustige Seereise in deutscher Sprache auf, die in Hamburg beginnt und auf ihrer Reise Kinder aus ganz Europa mitnimmt – mit all ihren landestypischen Gepflogenheiten. Zum Abschluss der Gala gab der aus Innsbruck stammende und in Brünn lebende Martino Hammerle-Bortolotti in Zusammenarbeit mit dem KV Brünn Lieder aus dem österreichisch-italienischen Melodienreich zum Besten.

 

Es waren sehr schöne und interessante Tage, in denen wir uns trotz unterschiedlicher Kulturkreise, Nationalitäten und Gepflogenheiten nähergekommen sind. Und vergessen wir nicht, das Babylon-Fest ist der Initiative und aktiven Förderung einer modernen Stadt und ihres Magistrats zu danken. Wir nennen das gelebte Völkerverständigung.

 

Die Autorin ist Leiterin des BGZ in Brünn.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

Jean Paul Sartre
Jean Paul Sartre: „Jugend will, daß man ihr befiehlt, damit sie die Möglichkeit hat, nicht zu gehorchen.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.