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Breaking News: Die tschechische Sprache soll stark vereinfacht werden

Als ich begann, Tschechisch zu lernen, träumte ich davon, die folgende Meldung in den Nachrichten zu lesen:

 „Wissenschaftliche Untersuchungen ergeben: Das Tschechische enthält eine Vielzahl an überfl üssigen Worten und grammatikalischen Raffi nessen.
Elf Jahre hat sich das International Institute For Language- Based Effi ciency (IILBE) mit der tschechischen Sprache auseinandergesetzt, hat Wörterbücher gewälzt, grammatikalische Nachschlagewerke durchforstet und über 100 000 schriftliche Äußerungen aus allen Bereichen der zeitgenössischen tschechischen Sprache untersucht. Das Ergebnis, das nun in Form einer 3 000-seitigen Studie veröff entlicht wurde, ist verheerend: Die tschechische Sprache ist zu komplex, sperrig und ineffi zient.“
Ein Hauptgrund hierfür seien die sieben (!) Fälle, die das Tschechische aufweise. Professor Simon Bubble, leitender  Wissenschaftler von IILNBE, erklärt die fatalen Folgen dieser grammatikalischen Besonderheit: „Andere Sprachen kommen mit fünf oder gar drei Fällen aus – und das bei gleicher Verständlichkeit und Genauigkeit.“ Im Tschechischen könnten, so Bubble, drei Kasus ohne Probleme ersatzlos gestrichen werden.

Auch das tschechische Zahlensystem ist mangelhaft in Sachen Effizienz: „Hundert heißt sto, zweihundert dvě stě,  dreihundert tři sta und fünfhundert pět set. Eine ähnlich unverständliche Häufung an unterschiedlichen Begriff en gibt es auch für die Zahlwörter Tausend und Million“, erklärt Bubble und rät: „Worte mit inhaltlich sehr ähnlicher Funktionsollten in Schreibweise und Genus aneinander angepasst werden. Das gilt auch für die Wochentage. Mir fällt beileibe keine rationale Begründung dafür ein, dass Montag und Dienstag neutral, Donnerstag und Freitag hingegen maskulin und Mittwoch, Samstag und Sonntag feminin sind – mit allen daraus erwachsenden Konsequenzen für die Deklination. Eine Vereinheitlichung wäre ein großer Schritt hin zu sprachlicher Effizienz.“

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsarbeit war die Untersuchung des Vokabulars. Auch hier weist das Tschechische  große Defizite auf: „Es gibt bei den Verben für jede Bedeutung zwei unterschiedliche Worte, die gelernt werden müssen. Die Differenzierung zwischen perfektiven und imperfektiven Handlungen, die durch diese Doppelbesetzung erreicht wird, rechtfertigt nur begrenzt diesen riesigen Mehraufwand.“

Die Vorsitzende des nationalen tschechischen Tourismusverbandes kann die Ergebnisse des Institutes bestätigen: „Die  Erfahrung hat gezeigt, dass sich Tschechienreisende mit der Sprache sehr schwer tun. Will man etwa einen einfachen  Kaf ee mit Milch und ohne Zucker bestellen, muss man vorher einen mindestens dreiwöchigen Intensivsprachkurs  absolviert haben. Um Konversationen mit höherem intellektuellem Anspruch, wie etwa das Mieten eines Leihwagens,  erfolgreich bestehen zu können, kommt man um ein Studium der Bohemistik nicht herum“, erläuterte sie auf der gestrigen Pressekonferenz.

Mitglieder aus allen Ressorts der Regierung zeigen sich über die Studie bestürzt. Der tschechische Wirtschaftsminister erklärte: „Wir alle sind von den Ergebnissen des IILBE überrascht und werden daraus natürlich so schnell wie möglich Konsequenzen ziehen. Schließlich könnte die Schwierigkeit unserer Sprache abschreckend wirken auf Unternehmen oder  qualifi zierte Fachkräfte, die sich in Tschechien niederlassen wollen. Hier gilt es, gezielt Zeichen zu setzen für Offenheit  und Internationalität. Eine Vereinfachung könnte der tschechischen Wirtschaft neuen Auftrieb bringen.“ Der Rest der  Ansprache liegt uns leider noch nicht vor, da sich die Übersetzungsarbeiten äußerst schwierig gestalten.

Am Montag triff t sich das Kabinett, um über einen ersten Gesetzesentwurf zur Vereinfachung des Tschechischen zu beraten. Ein entsprechender Antrag soll noch rechtzeitig zum St. Nimmerleinstag auf den Weg gebracht werden.

 

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