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Wochenende mit Rollentausch

Foto: Teilnehmer des Planspiels in Mährisch Schönberg bei einer Abstimmung - Bild: Simon Römer

Gelebte Identität als Mitglied einer Minderheit in Tschechien stößt an Grenzen. Manchmal sind es Vorurteile, oft aber auch einfach Unverständnis für das Unbekannte. Die Überwindung solcher Hürden erfordert neben viel Geduld auch Einfühlungsvermögen. Planspiele können dabei helfen, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und fremde Standpunkte nachzuvollziehen. Für das Planspiel „Frau Deutschmannová - wie konnte denn das passieren?!“ verwandelte sich diesmal das Begegnungszentrum in Mährisch Schönberg (Šumperk) in die fiktive Stadt Hradec Husákové.

 

 

 

Bei der bereits dritten Auflage des Planspiels (mehr zur Entstehung und zum Konzept des Planspiels: hier) trafen in Mährisch Schönberg  nicht nur unterschiedliche Charaktere zusammen, sondern auch verschiedene Generationen. Jan Vosáhlo beispielsweise ist 17 Jahre alt und Angehöriger der deutschen Minderheit in Tschechien. Er ging in einen tschechischen Kindergarten und eine tschechische Schule. Die meisten seiner Freunde gehören der Mehrheitsgesellschaft an und für ihn sind seine deutschen Wurzeln oft nicht mehr als die Erzählungen seiner Großmutter und seiner Mutter, mit denen er sich nicht immer identifizieren kann. Dazu kommt, dass sein Vater ein Tscheche ist. Er stellt sich also die Frage, was er eigentlich ist – Tscheche, Deutscher, beides?

Hans Mattis dagegen engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten für die deutsche Minderheit in der Tschechischen Republik, ist fest in die Vereinsstrukturen eingebunden und bemüht sich aktiv um eine lebendige deutsche Identität in Tschechien. In seiner Tätigkeit als Leiter eines Begegnungszentrums setzt er sich tagtäglich für die Belange seiner Minderheit ein. Dabei stößt er immer wieder auf kleine und große Grenzen in der tschechischen Mehrheitsgesellschaft, wenn er sich darum bemüht, die Interessen seiner Verbandsmitglieder zu vertreten. Wie kann er die Rechte, die Ihnen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft zustehen, nach außen äußern?

Eine andere Perspektive

Diese und ähnliche Fragen beschäftigen die Deutschen in Tschechien. Die eigene kulturelle Identität zu verstehen und ein Gespür dafür zu entwickeln, wie man seine Interessen und Rechte der Mehrheitsgesellschaft gegenüber vertritt, waren einige der Ziele des Planspiels, das von der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien in Zusammenarbeit mit dem Civic - Institut für internationale Bildung auf Initiative des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) nun in Mährisch Schönberg vom 14. bis 16. November veranstaltet wurde.

Für ein Wochenende konnten auch Jan Vosáhlo und Hans Mattis in neue Rollen eintauchen und neue Perspektiven entdecken. In einem Planspiel werden komplexe Zusammenhänge plastischer und greifbarer. Zentral dabei sind Handlungsstrategien, Diskussionen und Kompromissfindung. Gleichzeitig sollte auch die junge Generation für die Belange der deutschen Minderheit sensibilisiert werden.

Die Rückmeldungen der Teilnehmer fielen überaus positiv aus. Besonders gelobt wurden die Realitätsnähe des Szenarios und der gelungene Generationendialog. Die erarbeitete Themenvielfalt von Geschichtsaufarbeitung bis hin zu Zukunftskonzepten konnte naturgemäß nicht an einem Wochenende abschließend geklärt werden. Das Planspiel bot aber Lösungsansätze, die für den weiteren Dialog untereinander und mit der Mehrheitsgesellschaft produktiv nutzbar sein werden.

 


 

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