Ein Kochbuch vereint beliebte Gerichte der bis 1945 im Isergebirge ansässigen deutschsprachigen Bevölkerung. Dies war einst im Lager entstanden, als die Menschen hungerten und sich an ihr früheres Leben erinnerten, zu dem auch diese Speisen gehörten. Das LE verlost 5 Exemplare des Kochbuchs (siehe Ende des Beitrags).

Gerade noch rechtzeitig für den weihnachtlichen Gabentisch erschien jetzt ein zweisprachiges Buch, dass in mehrfacher Hinsicht Beachtung verdient. Herausgegeben wurde es vom „Haus der tschechisch-deutschen Verständigung“ in Gablonz (Jablonec nad Nisou), dessen Leiterin Petra Laurin gleichzeitig auch die Autorin ist. Es handelt sich um ein Kochbuch, und zwar um ein ganz besonderes, denn es ist verbunden mit einem der schmerzhaftesten Kapitel in der gemeinsamen deutsch-tschechischen Geschichte. Unter dem Titel: „Rezepte der Deutschen aus dem Isergebirge“ präsentiert Petra Laurin, die selbst einer deutschstämmigen Familie entstammt, eine Sammlung von beliebten Gerichten der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Isergebirge ansässigen sudetendeutschen Bevölkerung. Aber nicht nur mit den Rezepten, sondern auch mit der Sammlung selbst hat es seine besondere Bewandtnis. Deren Ursprung liegt im damaligen Sammellager Reinowitz (Rýnovice), heute ein Stadtteil von Gablonz, in dem die Menschen voller Angst und Ungewissheit auf ihre Abschiebung warteten.

Das Sammellager Reinowitz

Das Reinowitzer Sammellager fasste bis zu 1 500 Personen. Es befand sich bei der Weißen Neiße, auch Reinowitzer Neiße, unweit des heutigen Einkaufzentrums Rýnovka. Das Areal bestand aus sieben Holzbaracken, auf denen man in Holz- und Eisenbetten auf schäbigen Strohmatratzen voll Ungeziefer schlief. Fleisch gelangte so gut wie nie auf den Tisch der Lagerinsassen. Die Deutschen galten als politisch unzuverlässig und wurden dementsprechend schlecht behandelt. Die Lebensmittelknappheit der Nachkriegszeit traf die Menschen in den Lagern besonders schlimm. Die täglichen Essensrationen waren sehr eingeschränkt, monoton, ohne Fleisch, Milch und Fett. Die Unterernährung hatte tragische Auswirkungen und die körperliche Verfassung der Deutschen im Lager war katastrophal. Um nicht ganz der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu verfallen, kamen einige Insassen auf die Idee, irgendeine Erinnerung an ihr bisheriges Leben festzuhalten. So begann zum Beispiel Lina Löw, deren Großvater Josef Pfeffer dereinst Erster Bürgermeister von Gablonz an der Neiße war, in einem kleinen Heftchen alle ihr noch bekannten Rezepte zu notieren.

Kulinarische Vorlieben der Sudetendeutschen

Es grenzt fast an ein Wunder, dass diese, in der alten deutschen Kurrentschrift, mitunter sehr verblichenen Zeilen, schließlich bei Petra Laurin gelandet sind. Schon bald war klar: „Das muss erhalten bleiben.“ Und zwar für Deutsche und Tschechen gleichermaßen. Doch das war leichter gesagt als getan. Schon das Entziffern der Texte erwies sich als schwierig. Wer konnte das wohl noch lesen? Unermüdlich war die Autorin auf der Suche, und zum Glück fand sie nicht nur willige, sondern auch sachkundige Helfer.

Das nun vorliegende Buch zeigt deutlich, dass sich die Sudetendeutschen in ihren kulinarischen Vorlieben von ihren Nachbarn unterschieden. Sie sammelten zum Beispiel keine Pilze, auch bauten sie keinen Mohn an, für den sie keinerlei Verwendung hatten. Die sudetendeutsche Küche wurde wesentlich von der Küche der Habsburger Monarchie beeinflusst. Wohlhabende Familien beschäftigten eine tschechische Köchin, deren Rezepte selbstverständlich von selbst in die Speisefolge mit einfloss. Die von Petra Laurin präsentierte Sammlung enthält einen bunten Querschnitt all dessen, was man zu jener Zeit bevorzugte. Dabei wird man auch auf einige Dinge wie Flusskrebse stoßen, die selbst heute als Luxus gelten, damals aber durchaus als „normal“ in der gutbürgerlichen Gesellschaft galten. Die Sammlung erstreckt sich inhaltlich von Fleischgerichten über Eintöpfe, Fisch und Meerestiere, Getränke, Knödel aller Art, Spezialitäten aus dem Isergebirge bis hin zu Süßspeisen. Leider seien letztere etwas zu kurz gekommen, bedauert die Autorin. Immerhin gehörte gerade dieses Ressort zu den bevorzugten Erinnerungen der Vertriebenen. Ob daraus vielleicht noch ein Folgebüchlein entstehen könnte? Warten wir es einfach ab. Doch schon die jetzige Sammlung ist für jeden Liebhaber deftiger und feiner Speisen in jedem Falle empfehlenswert. Es ist inzwischen sowohl im SZ-Treffpunkt Zittau, Neustadt 18, als auch im Buchhandel erhältlich.

Zum Buch:

Titel: „Recepty Němců z Jizerských hor – Rezepte der Deutschen aus dem Isergebirge“

Autorin: Petra Laurin

Herausgeber: „Haus der tschechisch-deutschen Verständigung“ Jablonec nad Nisou

ISBN: 978-80-270-7121-0


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