In der Reihe „Aktuelle Generation“ stellen sich Vertreter der Deutschen in Tschechien vor. Tomáš Bernard (51) aus Köberwitz (Kobeřice) ist Tischler. Jüngst hat er mit seinem kleinen Unternehmen einen Kredit der Bohemia Troppau erhalten. Dem LandesEcho erzählt er seine Geschichte.

Als Kind hatte ich gar keinen Bezug zum Holz. Ich trieb Sport und habe mich noch nicht damit befasst, was ich wohl werden sollte. Alle meine Vorfahren waren Tischler – das zeigt auch der „preussische Gewerbeschein“. Mein Großvater besaß eine Werkstatt. Die kam in den Fünfzigern zwangsweise in eine Genossenschaft. Opa ist jedoch in der Werkstatt geblieben. In den Siebzigern wurde die Werkstatt dann als sogenannte Gemeindewirtschaft (Místní hospodářsví) der Gemeinde zugeteilt. Opa ist wieder geblieben, dieses Mal als „Angestellter“ der Gemeinde, nach wie vor als Tischler. Dadurch konnte ich immer in die Werkstatt kommen.

Mein Weg zum Holz

Nach der Wende lebte Opa schon nicht mehr, mein Onkel ersuchte erfolgreich um die Rückgabe der Werkstatt. 1993 erlitt jedoch mein Onkel dann einen Gehirnanschlag und die Werkstatt musste mein Vater übernehmen. So kam dann auch ich dazu.

Ich hatte inzwischen bis 1986 die Fachschule für Holzindustrie in Bistritz am Hostein (Bystrice pod Hostynem) absolviert, dem Heimatort der Bugholzmöbel in Böhmen. Nach dem Wehrdienst wurde ich Lagerleiter im Holzkombinat UP in Troppau (Česká Třebová). Ich hatte inzwischen zwei Töchter und musste mehr Geld verdienen. Aber dem Kombinat ging es nach der Wende immer schlechter. Darum gingen mein Vater und ich in eine Montagefirma. Mein Vater machte sich dann 1994 selbstständig. 1998 kamen schon größere Aufträge aus der Umgebung, zum Beispiel die Kirche in Thrön (Třebom). So wurde dann auch ich Gewerbetreibender in der Familienwerkstatt in Köberwitz. 

Auslandserfahrung hatte ich ja auch gesammelt: 2000/2001 arbeiteten wir für eine Firma von Verwandten in Deutschland. Wir haben beim Bau des Familienhauses alle Holzarbeiten und -montagen durchgeführt. Dort hat uns auch unser deutscher Pass geholfen. Damals gab es oft Razzien gegen Schwarzarbeiter. Wir blieben davon verschont.

Preußischer Meisterbrief 1897 / Bild: privat

Mit dem Vater haben damals wir auch kleinere Aufträge angenommen. Ich habe aber festgestellt, dass man so nicht überleben kann. 2015 habe ich die Werkstatt allein übernommen. Ich konzentriere mich auf größere und regelmäßige Aufträge. Gottseidank habe ich einen Stammkunden: eine gemeinnützige Gesellschaft, die Wohnungen für sozial Schwache ausstattet. Ich stelle Küchenmöbel, oft die Möbel für die ganze Wohnung her. Zugeschnitten und vorbereitet wird alles in der Werkstatt, dann bringe ich es nach Prag und baue es zusammen.

Es ist gut, dass ich auch wertvollere Aufträge mit Massivholz habe, zum Beispiel in Jauernig (Javorník). Dort arbeite ich für Herrn Karl Jiřík an der Rekonstruktion seiner Pension am Marktplatz. Er hat mir dann auch von den Krediten der Bohemia Troppau erzählt. Später habe ich erfahren, dass meine Base Mitglied des Verwaltungsrates ist.

Die Lehren der Zeit

Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich sofort nach der Wende als Gewerbetreibender anfangen und nicht erst Zeit als Mitarbeiter verlieren.  Heute und ohne die Familienwerkstatt hätte ich mir das noch mehr überlegen müssen. Von Null anzufangen hieße, über eine Million zu investieren. Der Markt ist hart und die meisten Kunden kaufen billigere, minderwertige Ware bei großen Handelsketten. Ein Elektriker oder Installateur unterliegt nicht so einer harten Konkurrenz wie die Tischler. Es entstehen heute kaum neue Tischlerwerkstätte. Die vier, die es in Köberwitz gibt, sind alle als Familienunternehmen entstanden.

Mit den Ämtern habe ich zwar keine Probleme. Im kleinen Troppau helfen die Beamten, weil sie wissen, dass ich alles alleine machen muss. Aber es ist schwierig, gutes Hartholz zu bekommen! In einem Land, das zu 37 Prozent mit Wald bedeckt ist – kaum zu glauben, aber wahr. Wir haben praktisch nur Nadelwälder.

Ich habe keine Traumziele. Ich will gesund bleiben, noch lange arbeiten und Kunden behalten.

Zum Deutschen-Verein ging mein Vater, ich habe noch keine Zeit dafür. Eine meiner Töchter ist schon in Prag verheiratet, die andere hat auch keinen Bezug zum Handwerk. Ich habe zwar noch Zeit darüber nachzudenken. Aber die Werkstatt zu verkaufen, wäre das Allerletzte.

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