Was haben gelb-schwarz gestreifte Insekten und Musiker gemeinsam? In der Regel nicht viel, bis auf eine Ausnahme – Karel Gott. Heute feiert der tschechische Sänger, der auch in Deutschland wohlbekannt ist, seinen achtzigsten Geburtstag.

Es ist eine der ersten Fragen, die man als Deutscher in Tschechien gestellt bekommt: „Kennst Du Karel Gott?“ – „Aber sicher doch. Wer kennt ihn nicht?“ Die Jüngeren unter uns sind mit der Kinderserie „Biene Maja“ schließlich aufgewachsen. Die Älteren kennen seine glockenklare Stimme auch aus den Liedern „Babička“ oder „Fang das Licht“.

Das Titellied der „Biene Maja“, das ich persönlich mit dem Schlagersänger in Verbindung bringe, entstand damals aus einer Kooperation zweier tschechischer Genies: des Komponisten Karel Svoboda und des Sängers Karel Gott. In meiner Kindheit habe ich bei jeder neuen Folge das Titellied mitgesungen. Es fiel mir gar nicht auf, dass es sich bei dem Interpreten um einen Tschechen handelte. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Gott lernte bereits ab den 1950er Jahren Deutsch. Seine Tante aus Hessen hat ihm zu dieser Zeit regelmäßig deutschsprachige Zeitschriften zugeschickt.

Schon 1966 nahm er erste Aufnahmen in westdeutschen Tonstudios auf und erwarb sich dort ein hohes Ansehen. Bereits im Jahr 1975 gründete sich in Wuppertal der erste deutsche Karel-Gott-Fanclub, im gleichen Jahr, in dem auch „Biene Maja“ zum ersten Mal im TV ausgestrahlt wurde – allerdings zunächst nur in Japan und mit Musik von Takashi Ōgaki. Man könnte meinen, es stört einen Künstler, vorwiegend mit einem Lied in Verbindung gebracht zu werden. „Biene Maja“ sah Gott trotzdem immer als einen Segen an, denn mit einem einzigen Lied konnte er mehrere Generationen erreichen und stets Freude verbreiten.

Die internationale Tätigkeit des Tschechen zeigt sich auch darin, dass Karel Gott Hits in 15 Sprachen auf allen Bühnen dieser Welt zum Besten brachte. Von Las Vegas bis Dubai, Gott hat die ganze Welt gesehen. Am erfolgreichsten war er jedoch immer in Deutschland und Tschechien. Von sich selbst behauptet der Sänger, er habe parallel in Deutschland und Tschechien gelebt – in seinem Geburtsland als Entertainer, in Deutschland als Schlagersänger.

Gänzlich unumstritten ist der erfolgreiche Künstler dann aber doch nicht. Teilweise wurde ihm vorgeworfen, sich nicht genug von dem diktatorischen Regime der Tschechoslowakei abzugrenzen. Er hat zum Beispiel die „Anticharta“ unterzeichnet, eine ablehnende Reaktion auf die Menschenrechte einfordernde „Charta77“. Gott begründete sein Vorgehen später damit, dass er sonst nicht mehr hätte auftreten dürfen.

Oft wurde er auch gefragt, warum er in den 1970ern nicht im Westen geblieben ist. Seine Begründung war, dass er seinem Publikum in Tschechien treu bleiben wollte. Außerdem kam noch die Sorge um seine Familie und Freunde hinzu. Trotz dieser Treue zur Tschechoslowakei konnte er dennoch keine Narrenfreiheit genießen. So wurde das Lied „Ich süße meinen Kaffee“ zensiert, weil Zuckerknappheit herrschte. In der DDR wurde ihm nahegelegt, den Hit „Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld …“ nicht zu singen. Und zu kommunistischen Zeiten wurde der Sänger auch nicht gerade reich, denn das Geld für seine Auftritte floss in die Hände des Staates. Der Künstler bekam Coupons zum Einkaufen im Tuzex, in dem man Westprodukte kaufen konnte.

Nachdem er eine schwere Krankheit überstand ist der Schlagersänger auch trotz seines Alters heute wieder im Musikgeschäft tätig. Zuletzt nahm er im Mai mit seiner 13-jährigen Tochter das Lied „Srdce nehasnou“ (dt.: „Auch wenn der Stern erlischt“) auf. Gegenüber dem Magazin Stern sagte er: „Eher sehe ich dieses Lied als Botschaft, den nachfolgenden Generationen etwas zu hinterlassen – Erfahrungen, Weisheiten. Meinen Töchtern und allen, die ihr Leben erst vor sich haben. Als junger Mensch hat man Träume, wenn man älter wird, werden Träume zu Erinnerungen.“ Seine letzte Kooperation mit einem deutschen Künstler fand im Jahr 2008 statt, er sang mit dem Rapper Bushido das Lied „Für immer jung“. Genau das wünschen wir ihm auch zu seinem 80. Geburtstag.


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