Das Prager Moldauufer, auf Tschechisch Náplavka, gilt als einer der schönsten Orte Prags. Menschen aller Altersklassen finden hier einen Ort zum Entspannen und auch kulturelle Veranstaltungen locken die Prager und ihre Besucher regelmäßig an den Fluss. Da es langsam eng wird, sollen nun Cafés in die Kaimauer einziehen. Auch in Pilsen (Plzeň) will man dem Prager Beispiel folgen.

Die Moldaupromenade ist bis in den Herbst hinein eine Flaniermeile der besonderen Art. Kulturbegeisterte kommen dort bei Theaterveranstaltungen oder Konzerten auf ihre Kosten und auf Feinschmecker warten sogenannte Foodtrucks sowie die samstäglichen Bauernmärkte. Auch das traditionelle tschechische Bier mit Blick auf den Hradschin darf natürlich nicht fehlen. Genau an dieser Stelle erfolgte vor rund einem Jahr die erste Veränderung: Bis September letzten Jahres wurden die Getränke nämlich in Einwegbechern aus Plastik verkauft. Doch auch entlang des Moldauufers hat man das Problem der Plastikflut erkannt, weshalb die Einwegbecher nach und nach an allen Ständen durch Mehrwegbecher ersetzt wurden. Diese können die Besucher immer wieder mitbringen und neu befüllen lassen, was den Verbrauch von Einwegplastik am Moldauufer reduzieren soll. Seit neuestem helfen mit der Náplavka verbundene Motive der Künstlerin Nikola Logosová auf den Bechern dabei, diese bekannter zu machen und damit die Idee des Plastiksparens zu verbreiten. Was die Verringerung von Einwegplastik betrifft, ist man an der Uferpromenade sogar schon einen Schritt weiter: Auf den samstäglichen Bauernmärkten können auch wiederverwendbare Taschen und Säckchen für Obst und Gemüse gekauft werden.

Rašínovo nábřeží náplavka z Výtoně ŠJů Wikimedia Commons web

Das ist nicht die einzige Veränderung, denn in nächster Zeit wird sich die Gestalt der Prager Uferpromenade in noch größeren Dimensionen wandeln. Am Rašínova-Ufer auf der Altstadtseite sowie das Hořejší-Ufer im Stadtteil Smíchov sollen in den Kaiwänden hinter riesigen Bullaugen Cafés, Ateliers und weitere innovative Einrichtungen entstehen. Einige davon befinden sich bereits im Ausbau. Sie sollen die dortige Infrastruktur stärken. In den letzten acht Jahren hätten laut einer Pressemitteilung der Stadt Prag die Besucherzahlen der Promenaden so stark zugenommen, dass deren Kapazität nun nicht mehr ausreicht. Die zugelassenen Entwürfe für diese „Zellen“ wurden über ein spezielles Auswahlverfahren festgelegt. Sie sollen einen möglichst großen kulturellen Zugewinn für die Promenaden bringen und die zentralen Stadtteile abseits des Touristenstroms damit lebhafter machen.

Während aber in Prag das Projekt Flussufer boomt, tut sich Pilsen noch schwer damit. Auch dort hatte man Anfang 2018 beschlossen, bis zum Jahresende eine solche Uferpromenade am Fluss Radbuza anzulegen. Genau wie das Prager Gegenstück soll sie als Freizeit- und Erholungsgebiet für die Städter dienen. Schon zu Beginn gab es jedoch kritische Stimmen zu dem Projekt, unter anderem, dass die Pilsener Promenade nur geringfügig genutzt werden würde – Pilsen sei schließlich nicht Prag. Hinzu kamen Argumente wie der mitunter unangenehme Geruch der Radbuza oder die Überflutungsgefahr speziell an dieser Stelle. Wegen Komplikationen beim Bau der Promenade verzögerte sich die Vollendung schließlich. Ende September soll nun mit einigen Monaten Verspätung die Promenade auch in der westböhmischen Universitätsstadt feierlich eröffnet werden. Wie genau sie aber funktionieren und wozu sie dienen soll, weiß man in Pilsen noch nicht genau. Der Architekt Jakub Mareš sagte gegenüber dem Tschechischen Fernsehen, dass es nun vor allem darauf ankomme, wie die Besucher die Uferpromenade annehmen.


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