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Posthume Ehrung eines unbekannten tschechischen Helden

Der Name Antonín Kalina mag in Tschechien kaum jemandem bekannt sein. Seit kurzem prangt er jedoch auf der Ehrenmauer im „Garten der Gerechten“, der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

 

Eine späte Ehrung für einen unbesungenen Helden der Shoah, dessen Geschichte noch heute Gänsehaut verursacht: Mitten im Konzentrationslager Buchenwald rettete Kalina 900 jüdischen Kindern das Leben. Unter ihnen der spätere Nobelpreisträger Elie Wiesel.

 

Viel bekannt ist nicht über Kalina. Geboren 1902 im mährischen Städtchen Třebíč zog es Kalina schon in jungen Jahren zur Kommunistischen Partei. Nach dem deutschen Einmarsch in Prag im März 1939 war Kalina mit einer der ersten tschechischen kommunistischen Funktionäre, die von den Nazis inhaftiert und ins Konzentrationslager Buchenwald, nahe der thüringischen Stadt Weimar, verschleppt wurden. In Buchenwald sollte Kalina bis zu seiner Befreiung 1945 bleiben. Trotz all der unmenschlichen Bedingungen, die in Buchenwald, das den Nazis als KZ hauptsächlich für politische Gefangene diente, herrschten, gelang es Kalina, viele junge Leben zu retten.

 

Als Ende 1944 die Rote Armee die Deutschen immer weiter gen Westen zurückdrängte, begannen die ihre Vernichtungslager im Osten zu liquidieren. Ihre Insassen schickten sie, noch immer besessen von der„Endlösung“, auf Todesmärsche in Richtung Deutschland. Allein im KZ Buchenwald kamen so in den letzten Kriegsmonaten über 100 000 Menschen hinzu.

 

Wer ein Leben rettet, rettet die Welt

Ein Chaos, dass Kalina mit einer großen Prise Chuzpe zu nutzen wusste. Als so genannter Funktionshäftling war er für die Abläufe im Block 66 zuständig, einer Baracke für Infektionskranke. Sie lag tief im Quarantänebereich des KZs, den die SS-Aufseher lieber in hohem Bogen umgingen. So groß war dieAngst der KZ-Aufseher vor einer Ansteckung, dass sie die Insassen von Block 66 größtenteils in Ruhe ließen. In Ruhe vor Appellen und Arbeit. Es war hier in diesem Block, dass Kalina rund 900 jüdische Jungs versteckte, die mit den Todesmärschen aus dem Osten nach Buchenwald gekommen waren, die meisten von ihnen zwischen 12 und 16 Jahren alt.

 

Dennoch: Einen Tag vor der Befreiung Buchenwalds wies die SS an, dass alle Juden des Lagers sich versammeln sollten, um sie auf einen weiteren Todesmarsch zu schicken. Kalina verweigerte diesen Befehl und sagte seinen Jungs, sie sollen im Block bleiben. Als die SS kam, um den Block zu kontrollieren, erklärte Kalina forsch und mit Hilfe gefälschter Listen, in Block 66 gebe es keine jüdischen Kinder. Am nächsten Tag wurde Buchenwald von den Alliierten befreit. Kalina kehrte zurück in die Tschechoslowakei und lebte dort zurückgezogen und bescheiden bis zu seinem Tod 1990. Erst Jahre danach fanden sich ein paar der geretteten Jungs, inzwischen zu Greisen gealtert, zusammen. Sie wollten den Mann ehren, der es ihnen überhaupt ermöglicht hatte, alt zu werden. Letzten Monat wurde dem Kommunisten aus Třebíč in der israelischen Hauptstadt Jerusalem posthum derTitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.

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