„Entscheidend ist, was hinten rauskommt", dozierte einst unfreiwillig komisch Deutschlands Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl auf einer Pressekonferenz. Dieser Satz gehört mit Sicherheit zu denen, die ihn überleben werden, wenngleich der Kabarettist Dieter Hildebrandt Jahre später noch über Kohl spottete: „Dieser Mann hat auf geradezu lachhafte Art absolut keinen Funken Humor." 

 

 

Manchmal ist, was hinten rauskommt, aber wirklich mehr als nur ein großer Haufen Mist. Bei Elefanten beispielsweise. Zwar riechen die Elefantenäpfel wie ein großer Haufen Mist, aber sie lassen sich als Grundstoff für etwas unanrüchig Blütenweißes benutzen - feinstes Papier.

Die wundersame Verwandlung ist keine ganz neue Erfolgsstory. Herausgefunden hat man das in Sri Lanka, wo es reichlich Elefanten gibt, die entsprechend auch reichlich Kot produzieren. Der Prager Zoo liefert seit einiger Zeit seinen Elefantendung in die Papiermühle von Velké Losiny (Groß Ullersdorf) in der Nähe von Šumperk (Mährisch Schönberg), wo aus ihm Papier hergestellt wird. Die Exkremente werden gründlich gewaschen und getrocknet, dann einen ganzen Tag gekocht und wieder getrocknet. Danach lassen sich Pflanzenfasern aus dem Kot herauslösen und schneiden. Das Zeug durchläuft weitere Wasch- und Trocknungsprozeduren gemeinsam mit Papieremulsionen und Papierrückständen, wird dabei jedes Mal ähnlich wie Büttenpapier von Hand mit einem Sieb geschöpft - bis es fertig ist. Der 50 Kilogramm schwere große Haufen Mist, den ein Elefant im Durchschnitt täglich hinterlässt, reicht für immerhin 200 Blatt Papier.

Künftig sollen die Besucher des Prager Zoos selbst aus Sch.... Papier machen dürfen. Wie eine Sprecherin des Tierparks sagte, wolle man dazu auf dem Gelände noch in diesem Jahr eine spezielle überdachte Manufaktur errichten. Zoo-Direktor Miroslav Bobek ergänzte: „Unsere Besucher sollen selbst Hand anlegen und das Papier aus Elefanten-Dung herstellen können." 

Die Stadt Prag, der der Zoo untersteht, hat umgerechnet knapp 100 000 Euro für die Manufaktur zugesichert. Gut möglich, dass die Oberbürgermeisterin im Gegenzug auch etwas von dem Papier abbekommt und dann auf schicken Einladungen vermerken kann: „Dieses Dokument wurde zu 100 Prozent aus Elefanten-Dung hergestellt." Da kann man sich dann doppelt glücklich schätzen, wenn man zu den Empfängern gehört.

 

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