Der slowakische Literaturwissenschaftler Peter Zajac erhielt auf der Prager Burg aus den Händen von Staatspräsident Miloš Zeman den Internationalen Adalbert-Preis für Frieden, Freiheit und Zusammenarbeit in Europa.

„Er gehört zu den großen Persönlichkeiten der friedlichen Revolution“, meinte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Hans Süssmuth. Peter Zajac gehörte 1989 zu den Gründern des slowakischen Oppositionsbündnisses „Öffentlichkeit gegen Gewalt“ und zu denen, die die Demonstrationen im November 1989 mitgestalteten. Er sei eigenen Worten nach keines der Gesichter der Revolution auf der Bühne gewesen, sondern habe mit Martin Bútora die politischen Programme und die Programme der Treffen entworfen.

Ein weiterer slowakischer Preisträger František Mikloško hielt bei der Preisverleihung für Zajac die Laudatio. Er betonte, dass Professor Zajac sich besonders in den letzten 30 Jahren außerordentlich für eine demokratische Slowakei eingesetzt habe. Auch an der Kerzendemonstration am 25. März 1988 nahm er teil. Sie war die erste große antikommunistische Demonstration in der Tschechoslowakei. Nach der Zarten Revolution blieb Zajac immer politisch aktiv als Vorsitzender der Demokratischen Partei und später der Konservativ Bürgerlichen Partei. Zwischen 1998 und 2001 sowie noch einmal von 2010 bis 2012 war Zajac Abgeordneter im Nationalrat der Slowakischen Republik, dem Parlament. Bis heute ist er eine der wichtigsten Intellektuellen, der sich regelmäßig zur aktuellen politischen Entwicklung nicht nur in der Slowakei äußert.

Zajac machte sich auch sehr um die Verbreitung und Erforschung deutscher Literatur verdient. Der Germanist studierte in den 1960er Jahren mehrere Semester im süddeutschen Tübingen und unterrichtete ab 1996 als Professor für Bohemistik und Slowakistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2011 wurde er emeritiert.

Bereits Ende der 1970er Jahre engagierte er sich dafür, dass die slowakischen Schriftsteller einen eigenständigen PEN-Klub erhalten. Er wurde dann auch nach der politischen Wende dessen erster Präsident. „Peter Zajac hat mehrere Artikel und Bücher geschrieben, die für immer bezeugen werden, welche Entwicklung die Slowakei in den letzten 30 Jahren durchlaufen hat“, betonte František Mikloško. Wenn man auf die Namen der anderen Preisträger wie Péter Györkös oder Karl Fürst zu Schwarzenberg schaue, sehe man, „dass das alles Personen sind, die im November 1989 wussten, wo ihr Platz ist.“ Peter Zajac ist der 14. Preisträger. Vor ihm wurden bereits u.a. Václav Havel, Petr Pithart, Tadeusz Mazowiecki und Hana Suchocka mit dem Preis ausgezeichnet.

Der Adalbert-Preis trägt den Namen des Heiligen Adalbert, Bischofs von Prag (956-997). Er wird in jenen Ländern vergeben, auf deren heutigen Territorium Adalbert einst aktiv war und sich für eine europäische Einigung einsetzte. Sie sind mit den Staaten Polen, Slowakei, Ungarn und Tschechien identisch, die auch als Visegrád-Staaten bekannt sind. Alle zwei Jahre wird der Preis von der in Krefeld ansässigen Adalbert-Stiftung an eine Persönlichkeit vergeben, die sich in hervorragender Weise um ein dauerhaftes Zusammenwachsen ganz Europas und um die Vertiefung und Pflege nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen den west- und mitteleuropäischen Völkern verdient gemacht hat. 


Das könnte Sie auch interessieren:

"Wir waren auf dem Weg zu einer Zivilgesellschaft"

In der Nacht auf den 21. August vor 50 Jahren beendeten die Armeen von fünf Bruderstaaten den Prager Frühling. Als Angehörige der berühmten 36er-Generation, zu der auch Václav Havel gehörte, erlebte Alena Wagnerová den Reformprozess aktiv mit. Im Gespräch spricht sie über die Entstehung des Prager Frühlings, sein gewaltsames Ende und was wir heute aus den Ereignissen lernen können.