Wir befinden uns in einem Kampf gegen die Plastikflut. Immer häufiger erreichen uns in den letzten Monaten Bilder von mit Plastik verschmutzten Weltmeeren und daran verendenden Tieren. So rückt es langsam ins Bewusstsein der Europäer, dass sich an unserem Konsumverhalten dringend etwas ändern muss, zum Beispiel mit der Einführung eines Pfandsystems für PET-Flaschen – auch in Tschechien.

Einwegflaschen bilden einen Großteil der Plastikverpackungen, die Tag für Tag im Müll landen. Mit einem Blick auf Deutschland fällt auf, dass laut der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Jahr 2015 bereits 93,6 Prozent aller PET-Flaschen wiederverwendet wurden. Trugen diese Flaschen außerdem noch ein Pfandzeichen, so belief sich die Recyclingquote sogar auf 97,2 Prozent. Verglichen mit dem tschechischen Markt ist das eine sehr hohe Zahl: Im Jahr 2019 wurden hier nämlich laut der Arbeitsgruppe Zálohujme lediglich 57,5 Prozent der gesamten PET-Flaschen wiederverwertet. Wie kommt dieser Unterschied zustande?

Übeltäter Etikett

Recycling-SymbolIn Deutschland gibt es seit 2003 den gesetzlich vorgeschriebenen Einwegpfand. Flaschen mit dem Einwegpfandzeichen (eine Dose, eine Flasche und ein Pfeil) werden zerkleinert und anschließend wiederaufbereitet. Daneben existiert auch noch ein zweites Pfandsystem, der Mehrwegpfand, bei dem die betreffenden Flaschen gereinigt und anschließend neu befüllt werden. Da der Verbraucher in Deutschland für eine zurückgebrachte PET-Flasche 25 Cent Pfand erhält, besteht auch ein Anreiz, die Flaschen wieder in den Recycling-Prozess zurückzuführen.

Obwohl auch die tschechischen Verbraucher bei der Mülltrennung bereits zu den bewusstesten in Europa zählen, landen hier noch immer 20 Prozent der PET-Getränkeverpackungen auf den Müllkippen. Ein Grund dafür sind die bedruckten Folien, die häufig das Etikett der Flasche bilden. Sie enthalten Chlor und sind daher ungeeignet für den Recyclingprozess. Im Gegensatz zu Deutschland werden in Tschechien die PET-Getränkeflaschen zudem über den Plastikmüll entsorgt. Durch ein fehlendes Pfandsystem für PET-Flaschen fehlt der Anreiz, diese ordnungsgerecht zu recyclen. Dass ein solches Pfandsystem in Tschechien noch keinen Einzug gefunden hat, hat verschiedene Gründe.

Hersteller und Verbraucher uneinig

Noch im Jahr 2007 argumentierte man damit, dass die Einführung eines Pfandsystems für Plastikflaschen eine Beeinträchtigung des bisher solide funktionierenden Mülltrennungssystems zur Folge hätte. Gleichermaßen stimmen aber auch die Hersteller der Verpackungen sowie die Händler gegen die Einführung, da in dem Fall weitere Arbeitsplätze oder die Anschaffung entsprechender Automaten für die Annahme der Flaschen erforderlich wären. Die tschechischen Verbraucher wären hingegen längst bereit: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos würden es ganze 86 Prozent befürworten, Pfandflaschen zurück in den Supermarkt zu bringen, sofern das Pfandsystem funktionieren würde. Die meisten von ihnen stellen sich dabei ein Pfandgeld von 5 Tschechischen Kronen vor, das entspräche etwa 20 Cent.

Bis 2030 will die Europäische Union eines ihrer Klimaziele, welches die Wiederverwertung von Plastikverpackungen betrifft, erreichen. Für die EU-Staaten gibt es bis dahin noch viel zu tun, doch jeder kann einen kleinen Teil dazu beitragen, indem er beispielsweise seine Getränkeverpackungen ordnungsgemäß entsorgt oder wiederverwendbare Flaschen benutzt.


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