Durch ein Schüleraustauschprogramm ist Selin zum ersten Mal nach Prag gekommen. In unserem LandesBlog berichtet sie über ihre ersten Eindrücke von der tschechischen Hauptstadt und von den Unterschieden zu ihrer Heimatstadt Hamburg.

 

Ich besuche Prag zum ersten Mal und muss sagen – verliebt habe ich mich in diese Stadt auf den ersten Blick. Dafür gibt es mehr als nur einen einzigen Grund...

Ich heiße Selin Atli, komme aus Hamburg und bin 16 Jahre alt. Für zwei Wochen nehme ich an einem Austauschprogramm meiner Schule in Prag teil. Hier berichte ich von Eindrücken meiner ersten Woche.Die beeindruckende Prager Architektur - Foto: Selin Atli

Zunächst einmal bin ich beeindruckt davon, wie viel Kunst in der Prager Innenstadt zu finden ist. Überall verstecken sich Galerien und Ausstellungen verschiedenster Art. Alleine die Architektur der Stadt selbst empfinde ich als Kunst, noch nie habe ich so viele prachtvolle Gebäude auf so engem Raum gesehen. Und an wie vielen niedlichen, kleinen Cafés und einladenden Restaurants ich schon vorbeigelaufen bin! Besonders die große Auswahl an veganen Restaurants ist mir aufgefallen und hat mich überrascht. Bei einem Spaziergang durch die Prager Innenstadt sehe ich an jeder Straßenecke etwas Neues, was ich mir merken möchte, damit ich dort später noch einmal vorbeigehen kann. Doch bei so einer langen Liste ist es beinahe unmöglich, alles im Kopf zu behalten.

Da ich an einem Austauschprogramm teilnehme und somit bei einer tschechischen Familie wohne, habe ich nicht nur die Möglichkeit, das wahre Leben in Prag mit eigenen Augen zu sehen, sondern dieses auch hautnah selbst zu erleben, abseits des Trubels und der Touristenmassen. Dabei sind mir auch schon einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Deutschland, bzw. Hamburg, wo ich herkomme, aufgefallen.Die Straßenbahn in Prag ist ein praktisches Verkehrsmittel - Foto: Selin Atli

Hamburg ist ebenfalls eine Großstadt und selbst wenn es dort Unterschiede zwischen Innenstadt und Vorstadt gibt, fallen sie sicherlich nicht so gravierend aus wie hier in Prag. Sobald man sich nämlich von der Prager Innenstadt entfernt, erlebt man einen gewaltigen Wandel in der Architektur: Aus den überwältigenden prunkvollen Altbaugebäuden werden plötzlich große, blockartige Apartmentkomplexe und mittendrin stehen mindestens ebenso große, blockartige Wohnhäuser. Obwohl es sich dort, wo ich wohne, meist um einzelne Familienhäuser handelt, sind diese trotzdem auf bestimmte Art und Weise systematisch aneinandergereiht. Man könnte wohl ein Lineal an die Straßen anlegen und alle Gebäude würden auf einer Geraden liegen. Dort wirkt alles eher unscheinbar, verglichen mit dem bunten Treiben in Prags Zentrum fast schon zurückhaltend. Hier sehe ich kaum Touristen, sondern Einheimische: Senioren auf einem Spaziergang durch den Park, Jugendliche auf dem Weg in die Schule, Familien, die im Supermarkt einkaufen. Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, auch diese Seite Prags zu erleben, anstatt nur das, was als Touristenattraktion beworben wird.

Noch dazu ist mir aufgefallen, dass hier in Tschechien einiges definitiv etwas entspannter zugeht als in meiner Heimatstadt. Meine Gastfamilie zum Beispiel nimmt es sehr locker mit den Zeiten. Ich darf in der Regel kommen und gehen, wann ich möchte. Auch die Pünktlichkeit scheint hier nicht an oberster Stelle zu stehen. Wenn man hier zu spät zu einem Termin erscheint, bleibt dies meist unkommentiert, wie meine Freunde und ich erfahren haben, als ein paar unserer tschechischen Austauschpartner über eine Stunde zu spät zu einem Treffen mit der Schuldirektorin auftauchten und die Direktorin sie sogar noch freundlich begrüßte.

Auch der öffentliche Nahverkehr der Stadt hat mich beeindruckt. Um morgens von meinem Wohnort in die Redaktion zu kommen, fahre ich mit dem Bus und der Metro. Meine Angst davor, nicht mit dem Prager Verkehrssystem zurechtzukommen – ich spreche nämlich kein Wort Tschechisch – war unbegründet. Das System hier ist wirklich einfach zu verstehen und bei weitem nicht so kompliziert aufgebaut wie in Hamburg. Dass die Busse, Bahnen und Metros hier manchmal alle 2 Minuten kommen, ist ebenfalls purer Luxus für mich, schließlich bin ich daran gewöhnt, mitunter länger als 20 Minuten auf meinen Bus zu warten. Und Straßenbahnen! Die haben wir in Hamburg nämlich gar nicht, dabei sind sie doch so unglaublich praktisch! Straßenbahnen machen es mir viel einfacher, in der Stadt von A nach B zu kommen und, was noch besser ist: Eine Straßenbahnfahrt durch Prag gleicht einer Stadtrundfahrt, man erhält nämlich eine wunderschöne Aussicht auf die Innenstadt.

Ich habe noch nicht allzu viel gesehen, dazu musste ich erstmal die bisherigen Eindrücke auf mich wirken lassen und mich ein wenig an die Stadt gewöhnen, doch für meine zweite Woche hier sind einige Ausflüge geplant, auf die ich mich schon sehr freue! Sicher werde ich noch mehr Eindrücke festhalten und meine Liebe zu Prag noch weiter vertiefen.


Das könnte Sie auch interessieren:

LandesBlog: Die Kastanie - ein Wunderbaum der Natur

Langsam wird es kühler, morgens liegt der Nebel über Prag und die Luft duftet förmlich nach Herbst. Und Herbstzeit, das weiß jeder, ist Kastanienzeit. Kennen Sie das auch? Wenn einem eine Kastanie über den Weg rollt, kann man nicht anders, als sich zu bücken und sie aufzuheben. Ich kenne niemanden, der das nicht tut, da kann man noch so erwachsen sein.