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Landesblog - Kuttenberg zum Abschalten und Entdecken

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Wer sich an Prag satt gesehen hat und etwas Ruhe von dem Touristenansturm oder Abwechslung braucht, dem sei ein Tagesausflug in das rund 20 000 Einwohner zählende Städtchen Kuttenberg (Kutná Hora) zu empfehlen.

Nach einer Anreise von weniger als einer Stunde mit dem Zug aus Prag, erwartet einen in Kuttenberg eine historisch imposante Stadt, die durch dutzende alte Bauten, eine gemütliche Altstadt und viele preiswerte Restaurants zu überzeugen weiß.

Beginnend beim Kuttenberger Hauptbahnhof kann man sich zu Fuß in die Stadt aufmachen, wo man als erstes entweder zuerst auf die Kirche Mariä Himmelfahrt oder in meinem Fall auf das Sedletz-Ossarium (Kostnice Sedlec) trifft. Das Ossarium, auch genannt Beinhaus, trägt diesen Namen aus dem einfachen Grund, da dort um die 40 000 menschliche Skelette in dem Klosterfriedhof gelagert sind. In der Allerheiligen Kirche blickt man auf Berge voller Knochen und Totenköpfe und staunt über die zum Teil künstlerisch verarbeiteten Gebeine. Denn in Kirche hängen Wappen, Wandverzierungen und ein riesiger Kronleuchter, die allesamt ausschließlich aus menschlichen Knochen bestehen.

Der Grund für diese Ansammlung an Knochen ist der Legende nach ein gewisser Heinrich, seinerzeit Abt des Zisterzienser-Klosters Sedletz, den um 1278 König Ottokar II. Přemysl von Böhmen mit einer Botschaft nach Jerusalem entsandt haben soll. Auf seiner Rückreise brachte der Abt eine Handvoll Erde vom Kalvarienberg mit und verteilte diese über den Klosterfriedhof, der dadurch zu heiligem Boden wurde. So wurde während der Pestepidemien in der Mitte des 14. Jahrhunderts und der Hussitenkriege im 15. Jahrhundert der heilige Boden als „Lager“ genutzt, da es unmöglich war diese Menge an Toten einzeln zu begraben.

Nach einem kurzen Fußweg talabwärts vom Beinhaus gelangt man zur Klosterkirche Mariä Himmelfahrt die zwischen 1280 und 1320 im gotischen Stil durch Zisterzienser erbaut wurde. Innerhalb des Gebäudes wird durch meterhohe Gemälde die Geschichte der Kirche beschrieben, unter anderem wie sie 1421 niedergebrannt wurde oder nach dem Dreißigjährigen Krieg ihre Blütezeit erfuhr. Nach Aufhebung des Klosters wurde ein Teil des Gebäudes ab 1812 als Tabakfabrik betrieben, die auch zu besichtigen ist.

Laufliebhaber können von dort aus in 30 bis 40 Minuten das Stadtzentrum von Kuttenberg erreichen, wo man auf die nächsten Sehenswürdigkeiten der Kleinstadt trifft und sich in eines der zahlreichen Restaurants mit typisch tschechischen, reichhaltigen Speisen und einem Erfrischungsgetränk seine Kraftreserven auffüllen kann. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit sich durch einen Bus direkt von der Klosterkirche Mariä in 5 Minuten in die Innenstadt fahren zu lassen.

Kuttenberg ist nach Prag die wohl älteste Stadt in Tschechien und wurde im 12. Jahrhundert als Bergmannsiedlung gegründet. Sie entwickelte sich zu einer der lebhaftesten Städte in Böhmen, was vor allem durch den Silberbergbau und die berühmte Prägung der Prager Groschen hervorgerufen wurde. Der „Böhmische Groschen“ diente zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert als gängige Zahlungsmethode im Raum Böhmen. Dieses besondere Merkmal ziert in Form von Bemalungen und Einkerbungen an Hausfassaden die ganze Stadt.

Nachdem die Altstadt-Mitte mit dem steinernen Brunnen, dem steinernen Haus und der historischen Pflasterung am Welschen Hof durchforstet wurde, empfiehlt es sich entlang des Jesuitenkollegs (Jezuitská kolej) zum Dom der heiligen Barbara (Chrám svaté Barbory) zu gehen. Durch Geldmangel und Kriege zog sich der Bau dieser gotischen Kirche insgesamt über 500 Jahre, bis sie im Jahre 1905 letztendlich vollendet wurde. Sie befindet sich auf der Weltkulturerbe-Liste und gilt als eine der außergewöhnlichsten gotischen Kirchenbauten in Mitteleuropa.

Neben den märchenhaft spitzen Türmchen und zierlichen Anbauten zeichnet sich der Dom mit wertvollen Kunstschätzen aus verschiedenen Stilepochen, darunter ein Altar des Meisters des Dreifaltigkeitsaltars, der um 1480 geschaffen wurde, zahlreiche Statuen, Fenster- und Wandgemälde sowie ein im Original erhaltenes gotisches Chorgestühl aus.

Mit all diesen historischen Bauwerken und der altertümlichen Altstadt gehört Kuttenberg zu einem absoluten Muss, sollte man sich für längere Zeit in Prag aufhalten. Ein Ein-Tages-Ausflug nach Kuttenberg ist absolut zu empfehlen.

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