...wünsche ich mir meinen Akzent zurück!

Mein Leben in Tschechien begann vor dreieinhalb Jahren. Den Duft der Freiheit in der Nase hatte ich direkt nach dem Abitur einen Internationalen Freiwilligendienst in Aussig (Ústí nad Labem) angetreten. Alles war spannend und neu – und ich war spannend und neu für alle anderen. Nach einem halben Jahr hatte ich meine Tschechischkenntnisse ausgebaut und wurde an allen Ecken und Enden gelobt. 

„Kommen Sie aus der Slowakei? Oder aus Mähren?“ Auch wenn sich die vermutete Herkunft meiner böhmischen Wahlheimat stark annäherte, schien mein Tschechisch wohl doch noch ein wenig komisch zu klingen. Nie wäre ich darauf gekommen, dass es einmal unangenehm sein könnte, keinen Akzent zu haben. 

Bis ich neulich in der Apotheke war. Ich wollte Hustensaft kaufen. Normalen Hustensaft. „A je tam hlen?“ Was weiß ich, was ‚hlen‘ ist. Husten habe ich! „A je tam hlen?“ Ein wohlgeformter Akzent hätte mir an dieser Stelle zu einer ausführlichen Erklärung des Wortes ‚hlen‘ oder mindestens einer kurzen pantomimischen Vorstellung verholfen. 

Nachdem die Apothekerin, die mich mittlerweile für sehr beschränkt halten musste, ihre Frage dreimal im exakt gleichen Wortlaut wiederholt hatte, antwortete ich einfach „ano“. Vor der Apotheke verriet mir mein Smartphone, dass es sich um das Wort ‚Schleim‘ handelte. Sehr schade, dass mir die Pantomime dazu entgangen ist.

Vielleicht sollte man sich ja doch ein Stück seines Akzentes erhalten, so für alle Fälle? Sonst ist „undercover“ aber auch gut.


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