Die Sprache ist der Schlüssel zur Kultur. Diese Erfahrung durfte ich auch in einer tschechischen Bank machen.

Zur Vorgeschichte: Ende 2017 hatte ich an meiner Universität in Düsseldorf einen Sprachkurs für Tschechisch belegt, um dann im Frühjahr 2018 für ein Auslandssemester nach Prag zu gehen.

Ungefähr zur Mitte des Prag-Semesters bekamen die Studierenden der EU-Länder dann die freudige Mitteilung, dass sie eine finanzielle Unterstützung von der Tschechischen Republik bekommen. Diese sollten sie als Barauszahlung in einer Bankfiliale abholen.

An einem sehr warmen Frühsommertag machte ich also einen Spaziergang durch die Prager Innenstadt und ging beim Wenzelsplatz in ein angenehm kühles Bankgebäude. Am Schalter musste ich kurz warten, weil vor mir ein scheinbar wortkarger junger Mann in meinem Alter bedient wurde. Ich vermutete, dass er auch ein ausländischer Student an der Karlsuniversität war.

Schließlich kam ich an die Reihe, hinter dem Schalter wartete eine ältere Dame mit grimmigem Gesichtsausdruck. Auf Englisch und mit einem Lächeln erklärte ich ihr, warum ich gekommen war. Sie riss mir brüsk den Zettel aus der Hand und verschwand ohne ein Wort oder wenigstens einem Nicken zu ihren Schränken im hinteren Teil der Bank. Nach einiger Zeit kam sie wieder und hielt mir wiederum Zettel und Stift unter die Nase. Anscheinend sollte ich unterschreiben. Ich nahm das Papier und sagte mit höflichem Ton: „Dekuju.“

Dieses kleine und einfache Wort hatte eine große Wirkung! Auf dem vormals düsteren Gesicht erschien ein Lächeln und die nun folgenden Handlungen der Dame waren sanfter und ruhiger. Ich warf noch einige weitere Male ein tschechisches Danke ein und verabschiedete mich mit den Worten „Na shledanou, hezký den!“. Nun war der Gesichtsausdruck der Bankangestellten nahezu glückselig. Und auch ich freute mich, dass meine erworbenen Kenntnisse, die ich nicht oft im „freien Feld“ ausprobieren konnte, so gut ankamen.

Friedericke Aschhoff in Prag / Foto: privatUnd nun bin ich wieder im schönen Prag, diesmal für ein viermonatiges Praktikum beim LandesEcho. Ende letzten Jahres schon hatte ich begonnen, eine Packliste zu schreiben. Ganz oben stand: Tschechisch-Lehrbücher.


Friederike Aschhoff (21), ist Studierende der Geschichtswissenschaften sowie Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Von April bis Ende Juli 2019 ist sie Praktikantin beim LandesEcho.


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...wünsche ich mir meinen Akzent zurück!