Die Hórnik-Bibliothek befindet sich im Herzen Prags und gilt als größte Bibliothek für sorbischsprachige Literatur außerhalb der Lausitz. Die Domowina, die Interessenvertretung der Lausitzer Sorben, setzt sich seit vielen Jahren für den Erhalt der Bibliothek ein. Nun erhält sie zu diesem Zweck auch eine Unterstützung vom sächsischen Freistaat.

 

Viele der Bücher der Bibliothek bedürfen einer fachgerechten Restaurierung - Foto: Tomáš RandýsekDie Bibliothek im Lausitzer Seminar wurde erstmals 1784 schriftlich erwähnt und fungierte einst als Seminarbibliothek für Studenten der Theologie. Benannt wurde sie erst später nach dem sorbischen Schriftsteller, Sprachwissenschaftler und geistlichen Würdenträger Michał Hórnik, welcher selbst im 19. Jahrhundert in dem Gebäude wohnte und dessen Bibliothek nutzte. Während der Zeit des Nationalsozialismus mussten die Bücher zwischenzeitlich in Bautzen gelagert werden und erst nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten die meisten der Werke wieder in die tschechische Hauptstadt zurück. Die Bibliothek umfasst aber nicht nur einen sehr großen materiellen, sondern auch ideellen Wert. Laut Oliver Schenk, Chef der sächsischen Staatskanzlei, handelt es sich bei der Bibliothek um ein „wichtiges Stück sorbischer Kultur und Identität“.

Die Hórnik-Bibliothek befindet sich im gleichen Gebäude wie das Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen und der Sitz der Prager Freundesgesellschaft „Společnost přátel Lužice“ auf der Prager Kleinseite. Sie umfasst heute rund 10 000 Bände und zählt somit zu den bedeutendsten sorabistischen Bibliotheken. Durch das Hochwasser der Moldau im Jahr 2002 nahmen jedoch viele der Buchbände Schaden. Diese sollen nun restauriert und auch digitalisiert werden. Dafür hat der Verein Domowina unter dem Vorsitz von Dawid Statnik Anfang dieses Jahres Finanzmittel beim sächsischen Freistaat beantragt.

Statnik selbst sagte anlässlich der jetzigen Übergabe eines Zuwendungsbescheid des Freistaates Auch große Bestände der bis heute erscheinenden Zeitung Serbske Nowiny werden in Prag aufbewahrt - Foto: Tomáš RandýsekSachsen über 80 000 Euro an die Domowina, die Bibliothek sei für die Sorben weit mehr als ein Raum voller Bücher, sie sei im kulturellen Gedächtnis seines Volkes tief verankert. Auch Staatsminister Schenk betonte, die Bewahrung der sorbischen Sprache, Kultur und Traditionen seien wichtige Anliegen der sächsischen Staatsregierung.

Von tschechischer Seite wohnte der stellvertretende Kulturminister Vlastislav Ouroda der Veranstaltung bei. Es sei ein Zeichen von aufrichtiger Freundschaft, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, um das gemeinsame europäische Kulturerbe zu schützen, sagte er in seinem Grußwort. Man könne so auch als Beispiel für andere Regionen in der Welt gelten.

Die Hórnik-Bibliothek wird von der Prager Freundesgesellschaft Společnost přátel Lužice betreut, einem Mitgliedsverein der Domowina und befindet sich in der kleinen Gasse „Zum Lausitzer Seminar“ (U Lužického semináře). Sie ist für jedermann donnerstags von 13.00-15.00 Uhr sowie nach Absprache zugänglich und beherbergt mitunter auch Unikate, die es nicht einmal in einer der Lausitzer Bibliotheken zu finden gibt.


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Die staatliche Förderung bleibt notwendig. Im Laufe der Jahre wurde klar, dass keine Minderheit, seien es die Sorben in der Lausitz, oder die Slowaken in Prag, ohne öffentliche Hilfe überleben kann.