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Die Ausstellung „Praha – Prag 1900-1945 – Literaturstadt zweier Sprachen, vieler Mittler“ widmet sich den Vermittlern zwischen deutscher und tschechischer Kultur.

 

 

Dass Jaroslav Hašeks Švejk ein Welterfolg wurde, dass man Franz Kafkas Werke auf Tschechisch und Jaroslav Vrchlickýs Verse auf Deutsch lesen kann, ist das Verdienst von Übersetzern, Sprach- und Kulturmittlern. In der Ausstellung des Adalbert-Stifter-Vereins, die derzeit im Literaturmuseum im Prager Strahov-Kloster zu sehen ist, begegnet man solchen Mittlerpersönlichkeiten wie Friedrich Adler, Max Brod, Paul Eisner, Otokar Fischer, Jan Grmela, Milena Jesenská, Jarmila Haasová-Nečasová und Otto Pick. Sie waren zum Großteil selbst Schriftsteller, doch sie stellten sich auch in den Dienst der Literaturvermittlung. Oft zweisprachig aufgewachsen, wurden sie zu Brückenbauern zwischen der deutschen und der tschechischen Sprache und Kultur.

 

Im Rahmen ihrer journalistischen Tätigkeit lenkten Autoren wie der deutschsprachige Max Brod oder die Tschechin Milena Jesenská die Aufmerksamkeit auf die jeweils andere Kultur. So schlugen sie Brücken – nicht zuletzt sprachliche – zwischen der deutschen und der tschechischen Literatur und ihrem Publikum.

 

Ihr grenzüberschreitender Einsatz sorgte im damals national aufgeladenen Prag nicht selten für gesellschaftliche Spannungen, wie der deutschböhmische Schriftsteller und Übersetzer Otto Pick 1912 seiner Besprechung von Petr Bezručs „Schlesischen Liedern“ in den „Herder-Blättern“ vorausschickt: „Da die deutsche Presse, teils aus Mangel an entsprechenden Informationen, teils aus Gründen, die wir anerkennen, die aber für das einzig durch künstlerische Interessen bedingte Programm unserer Zeitschrift ohne Belang sind, das tschechische Schrifttum als nicht existent zu betrachten pflegt, soll in dieser Rubrik von bedeutenden Erscheinungen einer Literatur Notiz genommen werden, die eben jetzt in einem glücklichen Aufstieg begriffen zu sein scheint.“

 

Otto Pick war es auch, der den Dramen František Langers und Karel Čapeks mit seiner Übertragung ins Deutsche zum Erfolg auf internationalen Bühnen verhalf.

 

In der Ausstellung „Praha – Prag 1900-1945 – Literaturstadt zweier Sprachen, vieler Mittler“ begegnet man auch dem bedeutenden Übersetzer und Linguisten Paul/Pavel Eisner.

 

Sprachgenies und starke Frauen

Paul/Pavel Eisner gilt als einer der wichtigsten tschechischen Übersetzer und es heißt, er habe zwölf Sprachen beherrscht. Neben Deutsch und Tschechisch auch Englisch, Französisch, Isländisch, Italienisch, Ungarisch, Norwegisch, Persisch, Russisch, Serbisch, Spanisch und Tibetisch. 1930 gab er ein Lesebuch für tschechische Gymnasiasten mit dem Titel „Landsleute. Deutsche Prosa aus der Čechoslovakei“ heraus, in der er deutschsprachige Autoren aus Böhmen präsentierte, die zum Teil schon zur Weltliteratur gehörten: Adalbert Stifter, Marie von Ebner-Eschenbach, Rainer Maria Rilke, Max Brod, Franz Werfel und Franz Kafka, dessen Bedeutung Eisner schon früh erkannte: „Franz Kafka, heute in seiner einzigartigen Bedeutung nur Wenigen vertraut, aber vorherbestimmt, in einer nahen Zukunft als ganz große Erscheinung in die gesamtdeutsche Literatur einzugehen“, hieß es im „Lesebuch“. Von Eisner stammt auch eine der ersten Kafka-Übersetzungen ins Tschechische, „Das Schloss“ von 1935.

 

Auch Milena Jesenská bemühte sich früh um Kafkas Werk und übertrug seine Erzählungen ins Tschechische. Vielen nur als „Kafkas Milena“ bekannt, zeigt die Ausstellung sie als engagierte Journalistin und Vermittlerin zwischen der deutschen und tschechischen Kultur. Sie schrieb Reportagen über das Schicksal der deutschen Emigranten in Prag, über die Situation in Europa und reiste als einzige unter den tschechischen Journalisten in den kritischen Monaten des Jahres 1938 in die aufgewühlten Sudetengebiete. Ihre Reportagen gelten als Höhepunkte der modernen tschechischen Journalistik.

 

Auf der Ausstellungseröffnung zeigte sich der Literaturprofessor Kurt Krolop, eine Koryphäe auf dem Forschungsgebiet der Prager deutschsprachigen Literatur, begeistert von dem Projekt: „Es ist ein meisterlicher Überblick über den Gegenstand der Ausstellung. Ich bin sehr beeindruckt.“

 

Die Ausstellung ist noch bis zum 16. September im Božena-Němcová-Saal des Strahov-Klosters zu sehen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.pamatniknarodnihopisemnictvi.cz

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