Vom 25. bis 29. Mai fand in Leipzig der 100. deutsche Katholikentag statt, zu dem das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und das Bistum Dresden-Meißen eingeladen hatten.

Die Geschichte der Katholikentage reicht bis 1848 zurück. In der Regel finden sie alle zwei Jahre statt, immer in einer anderen Stadt, vor zwei Jahren z.B. in Regensburg. Immer gingen von ihnen Impulse aus, etwa für die Entwicklung einer katholisch-sozialen Bewegung oder für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Zuletzt prägten zahlreiche Teilnehmer mit ihrem Eintreten für Frieden und Umweltschutz sowie für ökumenische Fragen die Treffen.

„Die Katholikentage sind ein Ort im Leben unserer Kirche, an dem zehntausende Frauen und Männer zusammenkommen, um sich zu ihrer christlichen Verantwortung für unsere Kirche und Gesellschaft zu bekennen, um mit Repräsentanten aller gesellschaftlichen Bereiche die Fragen unserer Zeit zu erörtern und gemeinsam ihre Anliegen vor Gott zu tragen. Debatten und Gebete, Begegnungen und Erfahrungen werden auch Leipzig prägen“, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg zum Auftakt.

Bei der Suche nach Antworten auf die drängenden Fragen und Herausforderungen in Politik und Gesellschaft soll der Mensch im Mittelpunkt stehen. Dafür stand auch das diesjährige Motto „Seht, da ist der Mensch“, die deutsche Einheitsübersetzung des bekannten Ausspruchs „Ecce homo“ aus der Vulgata, nach dem Johannesevangelium. Schwerpunktthemen auf dem Jubiläumstreffen waren die Solidarität und das Miteinander von Menschen. Es ging um Fragen zu Wert und Würde des Menschen und um unsere Verantwortung für zukünftige Generationen.

Mit einem Festakt in der Leipziger Oper begann der Katholikentag. Auf dem Markt feierten 10 500 Gläubige eine fröhliche Eröffnungsparty. „Staat und Gesellschaft sind dankbar für den selbstlosen Einsatz vieler katholischer und evangelischer Christen für das Gemeinwesen in Deutschland. In der Aufnahme und Hilfe für die Flüchtlinge ist das wieder einmal sehr deutlich geworden“, sagte Bundespräsident Joachim Gauck in seinem Grußwort. Unter großem Jubel wurde die in einem Video gesandte Botschaft von Papst Franziskus gezeigt. Er wünsche allen, die in Leipzig versammelt sind, dass sie in ihrem Leben der Stimme der Armen und Zerschlagenen immer mehr Raum geben. Am Abend der Begegnung stellten sich die fünf Ostbistümer und die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens vor. Kunst, Kultur und regionale Leckereien erwarteten die Gäste aus der gesamten Bundesrepublik und dem Ausland. Insgesamt 34 000 Teilnehmer, darunter 1000 aus dem Ausland, mit Dauerkarte sowie 6000 Tagesgäste wurden gezählt. Rund 1400 Medienvertreter waren akkreditiert.

Gemeinsame Verantwortung

Ganz im Sinne der gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft beteiligte sich auch die Ackermann Gemeinde am Katholikentag. Am Freitag veranstaltete sie mit der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände Mittel- und Osteuropa (AKVMOE) und der Musikgruppe „KaPři“ aus Stephansruh (Přichovice) einen Versöhnungsgottesdienst in der Bethanienkirche. Die Messe zelebrierten Weihbischof Reinhard Hauke, Kardinal Miloslav Vlk, Monsignore Dieter Olbrich und Pfarrrer Heinrich Bohaboj.

Ebenfalls großen Zuspruch fand am Freitagvormittag ein Gespräch mit Kardinal Vlk im Wagner-Foyer der Oper zum Thema „Vom Fensterputzer zum Kardinal“. In kaum einem Staat des sogenannten Ostblocks wurde die katholische Kirche während der kommunistischen Ära so schwer verfolgt wie in der Tschechoslowakei. Kirchengüter und Kirchen wurden enteignet und verwüstet, Priester und Ordensleute interniert, Gläubige bedrängt oder benachteiligt, kirchliches Leben war zum Teil völlig zum Erliegen gekommen. Der 1932 in Südböhmen geborene Kardinal ist ein Zeitzeuge dieser Ära. Die Verfolgungen und Benachteiligungen hat er am eigenen Leib erfahren. Viele Jahre hatte er Berufsverbot, seinen Lebensunterhalt bestritt er unter anderem als Fensterputzer. Nur sein tiefer Glaube an Gott habe ihn davor bewahrt, seine Berufung als Priester aufzugeben, konstatierte Vlk. Erst nach der Wende konnte er seinen Glauben wieder frei ausleben und wurde 1991 von Papst Johannes Paul II. zum Prager Erzbischof ernannt. Die Bundesrepublik Deutschland verlieh ihm 1999 das große Bundesverdienstkreuz, 2001 erhielt er den tschechischen Tomáš-Garrigue-Masaryk-Orden.

Die Junge Aktion der Ackermann-Gemeinde führte unter der Leitung von Maria Beilmann, Natascha Hergert und Hanna Bernardová am Donnerstagnachmittag im Weber-Foyer der Oper Werkstattgespräche zum Thema „Menschen sehen, Geschichten hören, Verständnis schaffen. Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte“ durch.

Breites Programm

Mit über tausend Veranstaltungen lud der Katholikentag Christen und Nichtchristen zu Workshops, Ausstellungen, Konzerten, Gottesdiensten und Führungen ein. Auf Podien und bei Gesprächsrunden wurde zu Themen wie „Den Glauben leben und verantworten“, „Die Zukunft gestalten in Politik und Gesellschaft“, „Biblisch-Geistlicher Bereich“, „Christlich-jüdischer Dialog/Christlich-islamischer Dialog“, „Leben mit und ohne Gott“, „Dialog mit Wissenschaft und Recht, Familie und Generationen“, „Frauen und Männer“, „Globale Verantwortung“, „Jugend“, „Kirche vor Ort – Kirche bei den Menschen“ und „Ökumene“ debattiert.

Das katholische Hochfest Fronleichnam wurde am 26. Mai mit einer Eucharistiefeier und einem liturgischen Schluss am Abend gefeiert. Auf der Kirchenmeile konnte man die Vielfalt des kirchlichen Lebens und Engagements in Verbänden, diözesanen Laiengremien, Orden, Gemeinschaften und kirchlichen Institutionen kennenlernen.

Mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel ging der 100. Katholikentag in Deutschland zu Ende. 25 000 Gläubige hatten sich dafür auf dem Augustusplatz vor der Oper eingefunden. Vor der Kulisse der Universität nahmen auch alle fünf ostdeutschen katholischen Bischöfe daran teil.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx forderte in seiner Predigt eine Asyl- und Flüchtlingspolitik, die sich an den Menschenrechten orientiert, rief die Katholiken auf, sich der Not der Menschen zuzuwenden. ZdK-Präsident Sternberg plädierte für eine Stärkung Europas: „Wir sagen nein zu einem ausgrenzenden Nationalismus, der schon so viel Leid über die Welt gebracht hat. Lasst uns Europas Tugenden wie Demokratie, Offenheit, Dialogbereitschaft verteidigen“.

Der nächste Katholikentag in Deutschland findet vom 9. bis 13. Mai 2018 in Münster statt.

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