Aktuelle Seite: StartseiteKulturDas Ritual ist Techno und Tapas

Verliebt in Prag

Die Band „Prag“, das sind Nora Tschirner, Erik Lautenschläger und Tom Krimi. Ihr Debüt „Premiere“ erscheint im Januar, vorab stellten sich die drei Berliner schon mal dem Kölner Publikum vor.

 

Wenn eine Band sich wie eine sehr bekannte europäische Hauptstadt nennt, dann ist das erstmal ungewöhnlich. Und wenn sie sich dann eine Stadt aussucht wie Prag, ist das auch ganz schön mutig. Prag ist immerhin die „goldene Stadt“. Und dass eines der Bandmitglieder Nora Tschirner heißt und normalerweise von Kinoleinwänden lächelt wie in „Soloalbum“ oder „Keinohrhasen“, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Zumal wahrscheinlich jeder, der sie kennt, auch schon ein kleines bisschen verliebt in sie war. Dass Prag und „Prag“ aber ziemlich gut zusammenpassen und es sich manchmal doch lohnt, musizierenden Schauspielern eine Chance zu geben, davon konnte sich das Publikum im Oktober in der Kölner Kulturkirche überzeugen.
Bevor im Januar ihre erste Platte „Premiere“ erscheint, haben sich die Musiker aufgemacht, ihre Songs vorab einem Live-Test zu unterziehen. Mit im Gepäck haben sie nebst einer ganzen Entourage von Musikern auch recht originelle Instrumente wie ein Hackbrett oder eine überdimensional große Akkord-Mundharmonika, die das orchestral anmutende Arrangement aus Streichern, Trompete und Schlagzeug klanglich bereichern.
Für ihren Auftritt in Köln haben sich „Prag“ mit der Kulturkirche eine ungewöhnliche aber in Insiderkreisen längst etablierte Location ausgesucht. Wo normalerweise am Sonntag der Gottesdienst gelesen wird, hängt an diesem Abend ein goldener Lamettavorhang und in dem blau und rot ausgeleuchteten Innenraum herrscht fast schon Clubatmosphäre – auch wenn das Publikum sich auf den kärglichen Holzbänken der Lutherkirche herumdrücken muss. Dass hier zum Sitzen eingeladen wird, ist zunächst weniger schlimm, denn bevor es musikalisch richtig losgeht, zeigt ein Film wie das Projekt „Prag“ zu dem geworden ist, was es heute ist.

„Cine-Pop“
So erfährt man, dass der Bandname durchaus Programm ist, immerhin wurde das Album mit dem tschechischen Filmorchester aufgenommen und das erste Video in Prag gedreht. Tschirner, Lautenschläger und Krimi fühlen sich angezogen von der Melancholie und Nostalgie der osteuropäischen Metropole. Prag ist ihr Sehnsuchtsort, ein Ort an dem Vergangenes immer noch lebendig und spürbar ist. Und das spiegelt sich im Sound des Trios wider. Stets ist eine Sehnsucht wahrnehmbar, die mal bedrückend, fast psychedelisch, mal beschwingt und kraftvoll auf den Zuhörer wirkt. Das eine Mal möchte man in Tränen ausbrechen und im nächsten Moment könnte man beglückt von seinem Sitz aufspringen.
Mit ihrer ersten Single „Sophie Marceau“, die sie auf Vinyl mitgebracht haben, appellieren „Prag“ an das Gefühl jugendlicher Schwärmerei, an eine Zeit voller Leichtigkeit und Fantasie. „Sophie Marceau“ hat großes Potenzial die neue Hymne für alle zu werden, die mit Wehmut auf ihre Teenagerzeit zurückblicken á la es war doch so schön damals…
Auch andere Texte wie „Zweiter“ oder „Einfach“ schildern Gefühlswelten, in denen sich jeder wiederfinden kann. Zur Überraschung einiger leiht nicht Tschirner, sondern Lautenschläger den Texten seine Stimme, während sich die Kult-Schauspielerin als Allroundtalent an Hackbrett und Gitarre entpuppt. Nora Tschirner mimt nicht die Rampensau, sondern fügt sich ganz uneitel zwischen den beiden Jungs ein. Da wo sie aber Stimme und Charme einsetzt, ist das ganz wunderbar und ein echter Gewinn. Auch die Bandkollegen zeigen Freude am gemeinsamen Musizieren.
„Prag“ haben ihren ganz eigenen Stil geschaff en, der irgendwo zwischen Chanson und Retro-Pop zu verorten ist, und von den großartigen Filmmusiken Ennio Morricones inspiriert ist. Netterweise haben sich die drei Berliner gleich selbst etwas einfallen lassen, um ihre Musik zu beschreiben: „Cine-Pop“. Dem Kölner Publikum gefällt es sichtlich. Auch wenn die Sitzbänke wohl zu verlockend sind, der Applaus bestätigt es: Heute sind nicht alle verliebt in Nora, sondern in „Prag“.

Die Autorin lebt als freie Journalistin in Bonn.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

Albert Einstein
Albert Einstein: „Der Fortgang der wissenschaftlichen Entwicklung ist im Endeffekt eine ständige Flucht vor dem Staunen.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.