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Autorenlesung mit Philosoph Stangl und Humorist Ospelt

 

In der Mährischen Landesbibliothek trafen am 22. Oktober zwei mehrfach ausgezeichnete Autoren aus Österreich und Liechtenstein zusammen. Österreich vertrat dabei Thomas Stangl und Liechtenstein Mathias Ospelt. Die Veranstaltung fand unter dem Patronat des Österreichischen Kulturforums in Prag und der Österreichbibliotheken im Ausland statt. Diese erste österreichisch-liechtensteinische Gemeinschaftslesung in Brünn wurde moderiert von Christine Fasching von der Masaryk-Universität. Schon 2003 hatte die Österreich-Bibliothek Brünn (wie auch alle anderen Österreich-Bibliotheken im Ausland) ein Liechtenstein-Regal eingerichtet. Diese Kooperation adelte dann im April 2011 der Besuch von Hans Adam II., regierender Fürst von und zu Liechtenstein, und Maria Pia Kothbauer, der neuinstallierten Botschafterin des Fürstenstums, in der Bibliothek. Das Wissenschaftskolleg der Österreich-Bibliothek und die Landeszeitung waren schon damals dabei.

„Der Roman gehört ohne Zweifel zum Besten, was es an neuer deutschsprachiger Literatur zurzeit zu lesen gibt.“ So wird der neueste Roman „Regeln des Tanzes“ des 1966 in Wien geborenen Autoren Thomas Stangl im ORF gelobt. Er führt uns in den Februar 2000 zurück, wo sich in Wien Proteste gegen die neue, rechts-orientierte Regierung abspielten. Stangl nutzt für seine Rückschau drei Blickwinkel. Während Monica Stanek ziellos durch Wien stromert, erlebt ihre Schwester das Gefühl der Zugehörigkeit zur Volksmenge. Die dritte Erzählperspektive repräsentiert Dr. Steiner, der 15 Jahre später zwei Dosen mit Filmrollen findet und entwickeln lässt. Dabei stößt er unter anderem auch auf Fotografien von Monicas Beerdigung. Begeistert folgt er den Spuren der Schwestern. Das Gemeinsame dieser drei Hauptfiguren ist, wie der Leser am Ende feststellen muss, innere Leere und absolute Hoffnungslosigkeit. In den vorgelesenen Ausschnitten konnten die Zuhörer dank Stangls melodischer Stimme den Rhythmus der Sprache und die Wortspiele sehr gut verfolgen.

 

Während in der ersten Hälfte der Veranstaltung auf den Gesichtern der Besucher ein konzentrierter und ernster Ausdruck vorherrschte, versuchten sie in der zweiten Hälfte erfolglos ihr Lachen zu unterdrücken. Kein Wunder, denn Mathias Ospelt versteht sein Metier. Außer sechs Büchern (zum Beispiel „Als Vaduz noch seinen Hafen hatte“ oder „Das Liechtensteiner Gabarett 1994-2006“), zahllosen Kolumnen und Glossen, hat er schon 16 Kabarettprogramme, vier Theaterstücke, drei Festspiele und drei Musical-Libretti auf dem Konto. Er studierte Germanistik und Anglistik in Deutschland und in der Schweiz, arbeitet als Sekretär des PEN Clubs Liechtenstein, ist Mitveranstalter der Liechtensteiner Literaturtage und Mitbegründer des Kleinkunsttheater Schlösslkeller. Diesmal aber widmete er sich auf humorvoll-satirische Weise den Erinnerungen an seine Kindheit und das Leben in Liechtenstein.

Was diese im Grunde doch so unterschiedlichen Autoren verbindet, ist die Beschäftigung mit der jüngeren Geschichte ihrer Länder und die Fähigkeit zur Gesellschaftskritik. Eine seltene Kombination. Die Frage, ob denn viele Liechtensteiner die Fähigkeit zur Selbstreflexion besäßen, beantwortete dann Ospelt auch mit der Bemerkung: Er sei der Einzige.

Veronika Králová

Die Autorin ist Mitglied im Schreibkursteam zum Wissenschaftskolleg Österreich-Bibliothek, Brünn

 

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