Eine Ausstellung blickt auf das Werk der Architektin Eva Jiřičná.

 

Ihren 80. Geburtstag nahm das Prager Zentrum für Gegenwartskunst DOX (Centrum současného umění DOX) zum Anlass, um die Architektin und Designerin Eva Jiřičná mit der großen Ausstellung „Jiřičná“ zu feiern. Die aus dem mährischen Zlín stammende und bereits seit einem halben Jahrhundert in London lebende Architektin ist durch ihre moderne Auffassung von Architektur berühmt geworden. Zum tragenden Material ihrer ikonischen Bauten, seien es Luxushotels, Privathäuser oder Brücken, wurden Stahl und Glas.

Die Glaswendeltreppe im Londoner Geschäft Joan & David - Foto: KatsuGlastreppe als Ausstellungsobjekt

Den weltweiten Durchbruch brachte der zierlichen und bescheiden auftretenden Dame eine Glastreppe, die gleichzeitig zum größten Ausstellungsexponat der Prager Retrospektive im DOX zählt. Insgesamt hatte Eva Jiřičná rund fünfzig dieser Treppen geschaffen. Das ausgestellte Treppenhaus zierte einst die Pariser Zweigstelle des Schuhgeschäfts Joan & David. Doch als das Unternehmen nach vier Jahren Bankrott ging, musste die Treppe aus dem Gebäude entfernt werden. In einer Blitz Rettungsaktion wurde das Werk auseinander geschnitten und nach Tschechien transportiert, wo es zwanzig Jahre im Keller der Firma Techo lagerte. Anlässlich der Jubiläumspräsentation wurde das Treppenhaus nun zusammengebaut und ausgestellt. Es hängt an vier Stahlseilen, einen Meter über dem Boden, so dass es dem Ausstellungsbesucher interessante Blicke aus mehreren Perspektiven bietet. Man kann darauf zwar nicht emporsteigen, dafür jedoch aus nächster Nähe die Technologie bewundern.

Der ovale Konzertsaal in Zlín

Die vielen Arbeiten von Eva Jiřičná werden in der Ausstellung in Form von zahlreichen Fotografien und Modellen gezeigt. Alle Vorhaben, an denen sie beteiligt war, wie Gebäude, Sanierungen oder Innenausbau, wurden auf eine Zeitachse an der Wand übertragen. Man kommt dabei auf die unglaubliche Zahl von 700 Einträgen.

Die erste Etage im DOX konzentriert sich auf Modelle der höchsten Bauten Jiřičnás, zu denen das runde, modernistische Gebäude des Kongresszentrums in Zlín zählt, das Jiřičná mit einem ovalen Konzertsaal ausstattete. Das war bereits wegen der Akustik eine enorme Herausforderung, doch auch damit ist sie zurechtgekommen, wie das Lob der Musiker zeigte.

Arbeiten für Václav HavelEva Jiřičná - Foto: Matej Slávik

Ein besonderer Abschnitt ihrer professionellen Laufbahn war die Sanierung und der Umbau der Prager Annenkirche, heute bekannt als Pražská křižovatka (Prager Kreuzung), für den damaligen tschechoslowakischen Präsidenten Václav Havel. Den säkularisierten gotischen Kirchenbau, der seitdem der Stiftung VIZE 97 von Dagmar und Václav Havel gehört, hat die Architektin mit ihren sensiblen Eingriffen erneut zum Leben erweckt. Zu ihren weiteren Arbeiten zählen die Orangerie im Königsgarten der Prager Burg oder das Tomáš-Baťa-Universitätszentrum in Zlín.

Die Ausstellung zeigt natürlich auch das Werk der Architektin, das seit ihrem Gang ins Londoner Exil in den 1970er Jahren entstanden ist. Sie beteiligte sich am Umbau des Hafens von Brighton, wobei sie mit dem Architekten Richard Rogers zusammenarbeitete, der als Autor von Centre Pompidou in Paris bekannt wurde. Gemeinsam gestalteten sie später den Sitz des Versicherungsgebäudes Lloyd’s in London. Hier richtete sie 1984 ihr eigenes Architekturstudio ein. Vor zwanzig Jahren eröffnete sie gemeinsam mit dem Architekten Petr Vagner auch das AI Design in Prag. Ihre langjährige Tätigkeit auf dem Gebiet der Innenarchitektur zeigen Dutzende Innenräume von Modegeschäften in London, Paris, New York oder Los Angeles. Ihre Arbeit schätzte übrigens auch Steve Jobs, der sie einlud, für ihn zu arbeiten. Doch das Projekt scheiterte an den megalomanen Vorstellungen des Unternehmers.

Für ihr Werk wurde Eva Jiřičná mit mehreren Auszeichnungen bedacht, darunter der Orden des Britischen Empire oder die Medaille für lebenslange Verdienste in der Architektur, die sie letztes Jahr in London entgegennahm. Auf ihre außergewöhnliche Laufbahn blickt Eva Jiřičná selbst sehr nüchtern zurück. Sie charakterisiert sie als einen „langen Weg, auf dem mehr oder weniger deutliche Spuren bleiben“. Gleichzeitig betont sie, dass Architektur immer Teamarbeit ist. Auch wenn sie sich längst zur Ruhe setzen könnte, hat sie nicht vor, ihr Arbeitstempo mit 80 Jahren zu drosseln.

„Jiřičná“
Centrum současného umění Dox,
Prag 7 – Holešovice
noch bis zum 12. August 2019
Mehr Informationen auf: www.dox.cz


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