Aktuelle Seite: StartseiteKulturModerne deutsche Literatur in Prag und Brünn

Tanz und Dialog

Festival zum Mitmachen

Tanzen ist mehr als Sport oder Bestandteil einer Party. Dass Tanz eine Ausdrucksform, eine Art der Kommunikation ist, zeigt das ProArt-Festival, das unter dem Motto „Körper als Stimme – Wort als Bild“ noch bis zum 3. August in Prag gastiert. Das Besondere an diesem Festival: Der Besucher ist hier nicht nur Zuschauer.

 

Die Kafka-Trinität

Die drei Kafkas der Karlstruppe - Foto: Karlstruppe

 

Um keinen Schriftsteller reißt man sich im deutsch-tschechisch-österreichisch-jüdischen Kontext so sehr wie um Franz Kafka. Es gibt ihn als Buch, als Verfilmung, auf Kaffeetassen und T-Shirts. Es wurde schon so viel über ihn geschrieben und gesagt, dass es vielleicht einmal Zeit war, Kafka selbst zu Wort kommen zu lassen.

 

Alltagsdeutsch im Wandel

 KarottenmigrationBereits in der zehnten Runde befindet sich das Projekt „Atlas der deutschen Alltagssprache“ der Universitäten Lüttich und Salzburg. Seit 2003 erstellen die beiden Universitäten in enger Kooperation Umfragen zum Sprachgebrauch in Deutschland, Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, Südtirol, Ostbelgien und Luxemburg. Dabei kommt es den Forschern nicht auf das Hochdeutsch an, sondern auf die ortsübliche Alltagssprache an fast 500 Ortspunkten, die sie vergleichen.

 

Schwejks neueste Abenteuer im Osten

schwejkTschechien exportiert viele Dinge nach Russland, von Autos bis zu unerlässlichen Komponenten für Atomkraftwerke. Der kulturelle Austausch hängt dem etwas hinterher, mag man meinen. Einen Vertreter der tschechischen Kultur aber kennen vor allem die älteren Russen noch sehr gut: den braven Soldaten Schwejk. Jaroslav Hašeks Figur hat als Warnung vor der Absurdität des Krieges ihren Einzug in das kulturelle Bewusstsein des größten Landes der Welt gehalten. Das mag auch mit Hašeks Zeit als Politkommissar der Roten Armee zu tun haben, die es wohl erst ermöglichte, dass sein Roman – wenn auch um diverse Vulgaritäten bereinigt – in der damaligen Sowjetunion veröffentlicht werden konnte. Wie sehr der Eindruck der Irrungen und Wirrungen des „behördlich anerkannten Idioten“ Schwejk im Ersten Weltkrieg nachwirkt, zeigt nun die Stadt Samara an der Wolga. Dort wurde nämlich gerade letzten Freitag feierlich ein neues Denkmal für die Romanfigur enthüllt: Ein bronzener Schwejk sitzt mit verschmitztem Gesichtsausdruck und Pfeife rauchend auf einem Pulverfass Pyroxylin mit einem Spitz zu seinen Füßen. Die Bildhauer Alexander und Nikolai Kuklew sind aber nicht die ersten Künstler, die Schwejk in Russland verewigt haben. Eine lebensgroße Statue steht auch in St. Petersburg. Auch im polnischen Sanok, das früher eine k.u.k.-Garnisonsstadt im Karpatenvorland war, schwejksanokhat man dem braven Soldaten, der weder brav noch sonderlich soldatisch ist, ein Denkmal gebaut. Die Ukraine hat den Schwejk-Stoff sogar in Zusammenarbeit mit dem englischen Autor und Regisseur Robert Crombie als Animationsfilm (tschechischer Trailer auf youtube: hier) umgesetzt. In Tschechien steht noch kein Denkmal für Hašeks berühmteste Schöpfung, dafür hat der Tschechische Rundfunk in diesem Jahr zum 130. Geburtstag des Autors mit dem Schauspieler Oldřich Kaiser eine 20-teiligen Schwejklesung aufgenommen und ausgestrahlt (frei zu hören beim Tschechischen Rundfunk: hier). Die echten Fans halten aber auch die 13-teilige Radioserie aus dem Jahr 1956 mit Jan Pivec in Ehren (hier). Von den unzähligen Filmen ganz zu schweigen. Vielleicht gelingt es ja dem südböhmischen Städtchen Putim (Butin), das auch im Roman Erwähnung findet, doch noch eine Statue aufzustellen. Der Wille ist da, doch ganz Schwejk-typisch fehlt es an Geld - man sammelt noch.

 

She She Pop und 40 Jahre Schubladen

akzent2013Noch bis Montag (18.11.) läuft in Prag das Theaterfestival „Akcent 2013“ (wir berichteten). Johanna Freiburg und Ilia Papantheodorou, die mit dem Theaterkollektiv She She Pop und dem Stück „Schubladen“ am Festival teilnehmen, haben uns kurz vor ihrem Auftritt am Samstag ein paar Fragen beantwortet.

Was verbirgt sich hinter dem Titel „Schubladen“ ?

JF: Für „Schubladen“ haben wir angefangen unsere eigenen Schubladen aufzumachen. Wir haben in Kellern und auf Dachböden nach persönlichem Material gesucht, nach Briefen, Tagebüchern, Schulbüchern und Büchern, die wir gerne gelesen haben. Wir haben uns damit beschäftigt, wie wir aufgewachsen sind, wie wir der Mensch geworden sind, der wir heute sind. Wir haben uns gefragt, wie wir zu den Überzeugungen gekommen sind, die wir heute haben. Wir von She She Pop sind in Westdeutschland aufgewachsen und haben uns für „Schubladen“ drei Gegenüber gesucht, drei ähnliche Frauen im selben Alter, die aber in der DDR aufgewachsen sind. Wir erzählen uns praktisch auf der Bühne gegenseitig unser Leben. Die ersten zwanzig Jahre haben wir in unterschiedlichen Systemen verbracht und die letzten zwanzig Jahre gemeinsam in einem. Es geht also darum, anhand dieser Schubladen das Schubladendenken anzusehen.

IP: Wir schaffen gleichzeitig eine kollektive Autobiographie von 40 Jahren deutsch-deutscher Geschichte aus persönlicher Sicht durch eine Art Polylog mit sechs Frauen auf der Bühne. Dabei steht immer eine Westdeutsche einer Ostdeutschen gegenüber. Wir verfolgen die Idee, dass „Wiedervereinigung“ zwar stattgefunden hat, man sie aber erstmal leisten muss, damit sie auch wahr wird. Man muss den Austausch tatsächlich betreiben und nicht einfach für selbstverständlich nehmen. Deswegen zeigen wir bei „Schubladen“ die Wiedervereinigung als Performance und als Leistung.

JF: Wir begegnen uns mit Distanz und gehen nicht davon aus, dass wir verstehen und wissen. Wir haben uns selbst die Erlaubnis gegeben an jeder Stelle zu sagen: „Erkläre!“, „Definiere!“, „Was heißt das?“, „Was meinst du dazu?“. Wir gucken ein bisschen auf das Eigene wie Fremde oder Anthropologen auf fremde Kulturen. Es ist ein Blick auf die eigene Lebensgeschichte. Man ist eigentlich durch das persönliche Material sehr nah dran und versucht eine Distanz herzustellen in dem Spiegel gegenüber.

 

Junge Löwen

 


Ein Schattendasein führten bislang die Werke deutschsprachiger bildender Künstlern aus Böhmen, Mähren und Schlesien. Die Ausstellung „Junge Löwen im Käfig“ im nordböhmischen Liberec (Reichenberg) will jetzt Abhilfe schaffen. Die Ausstellung, in Zusammenarbeit mit der Bezirksgalerie Liberec, dem Amt für Denkmalpflege und der Technischen Universität Liberec zeigt die Realismen und Expressionismen der Zwischenkriegszeit in der ganzen Bandbreite ihrer heutigen Interpretation. Viele der Exponate wurden von Gruppen aus der damaligen Kunstszene wie zum Beispiel dem Metznerbund, der Gruppe „Die Pilger“, der „Oktobergruppe“, der Gruppe „Junge Kunst“, dem Kollektiv „Prager Secession“ und der Vereinigung deutscher bildender Künstler Mähren und Schlesiens „Scholle“ geschaffen. „Die Ausstellung rekonstruiert die Tätigkeit der Künstlervereine im Zeitraum von 1918 bis 1938 und zeigt zugleich weitere charakteristische Momente und Themen, die mit dem Schaffen des untersuchten Künstlerkreises in Zusammenhang stehen“, sagt die Ausstellungskuratorin Anna Habánová.

Präsentiert werden Malerei, Plastik, Zeichnung, Graphik und Plakatkunst, auch eine wissenschaftliche Publikation zur Ausstellung erscheint in tschechischer und deutscher Fassung. Insgesamt umfasst die Ausstellung etwa 220 Kunstwerke.

Ziel dieses tschechisch-deutschen Begegnungsprojekts ist es, das gegenseitige kulturelle und historische Bewusstsein zu erweitern. In Liberec wird die Ausstellung noch bis zum 31. Dezember zu sehen sein. Danach soll sie durch verschiedene Museen des Landes wandern. Das Rückgrat der Ausstellung bilden Arbeiten aus den Sammlungen der Bezirksgalerie Liberec und des Isergebirgs-Museums, die um Werke aus tschechischem und deutschem Privatbesitz ergänzt werden.

 

 

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