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Das ist auch gut so

Dauerbaustelle Berlin - Foto: tra

Klaus Wowereit tritt am 11. Dezember nach über 13 Jahren als Regierender Bürgermeister der deutschen Bundeshauptstadt ab, ließ er heute verlauten. In all diesen Jahren hatte man öfter das Gefühl, man hätte es mit einem B-Promi zu tun, der am liebsten auf roten Teppichen unterwegs ist und mit einem Glas Prosecco in der einen und einer Einweihungsband-Schere in der anderen Hand den Fotografen zulächelt. Wahrscheinlich hatte Berlin das sogar eine Zeit lang nötig, aber jetzt gibt es wahrlich wichtigere Probleme.

 

 

 

Wowereit hatte seinerzeit den eher biederen Eberhard Diepgen im Amt beerbt, dessen CDU-Regierung mit einigen Skandalen zu kämpfen hatte, darunter auch einige Verwicklungen um die Berliner Landesbank, die wohl nie ganz schlüssig aufgeklärt werden dürften. Der charismatische und dynamische Wowereit, der mit seinem öffentlichen Bekenntnis zu seiner Homosexualität „Ich bin schwul – und das ist auch gut so“ viele Sympathien gewinnen konnte, war da ein willkommenes Gegenprogramm. Dementsprechend hoch war seine Beliebtheit bei den Berlinern, die den SPD-Mann seit 2001 allen Spitzenkandidaten der Konkurrenz vorzogen. Bei den letzten Wahlen war es jedoch schon merklich knapper geworden und die Grüne Spitzenkandidatin Renate Künast hatte zeitweilig in Umfragen sogar vor Wowereit gelegen.

Das lag nicht unbedingt an dem überzeugenden Programm der Grünen für Deutschlands Hauptstadt, sondern an den Pannen der SPD, die in Koalitionsregierungen mit den Grünen, später den Linken und dann der CDU ein Desaster nach dem anderen zu verantworten hatte. Statt dem notorisch klammen Berliner Haushalt eine Verschnaufpause zu gönnen, wurden Großprojekte gestartet, Wahlen teuer über mehrere Termine verteilt, der Nahverkehr mit über vier Millionen Fahrgästen pro Tag wurde von der Deutschen Bahn als Sparobjekt bis zum Kollaps ausgeblutet, teure Image-Kampagnen verliefen im Sand und dann kam auch noch der Finanzsenator Thilo Sarrazin dazu, der einkommensschwachen Familien ihre angebliche Verschwendungssucht vorwarf. Sarrazin wurde später übrigens auf einen sehr gut bezahlten Posten bei der Bundesbank hochgelobt, zu dem er sagte: „Als Bundesbanker war die Arbeit dienstags getan.“ Da war dann natürlich auch noch genug Zeit übrig, um seine politisch-genetisch-kulturellen Thesen in Buchform zu gießen und über der Menschheit auszuschütten. Der ein oder andere Knacks davon ist bis heute noch spürbar.

Wowereit wusch seine Hände in Unschuld und zeigte sich weiter gern auf gesellschaftlichen Ereignissen von Bundespresseball bis Bambi-Verleihung. Politik war woanders. Diese Art des Aussitzens kennt man schon von anderen Erfolgspolitikern, die gerne anderen ihr vollstes Vertrauen aussprechen und sie dann fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Wowereit überstand diverse Krisen, galt sogar als heißer Kandidat für den SPD-Bundesvorsitz, bevor aber das Debakel um den Berliner Flughafen BER dazwischenkam, das auch an ihm nicht spurlos vorübergehen konnte. Als Aufsichtsratschef der Berliner Flughafengesellschaft war er zusammen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Brandenburgs, Matthias Platzeck – auch SPD, direkt für die blamablen Fehlleistungen der Planer, Bauer und Ausrüster des BER verantwortlich. Das Projekt liegt mittlerweile so weit außerhalb des Zeitplans, dass sogar die Deutsche Bahn ihre Strecke zum Terminal längst fertiggebaut hat und leere Züge durch die Tunnel schicken muss, damit sie durchlüftet werden. Von den Mehrkosten ganz zu schweigen.

Wowereit geht, bevor man ihn abwählen könnte. Das ist politisch clever, aber Berlin nützt das nicht viel. „Arm aber sexy“ hatte er die Hauptstadt einmal genannt. Für die Berliner, die mit kaputten Straßen, mangelndem Winterdienst, knappem Wohnraum und Gentrifizierung leben müssen, blieb und bleibt der beschworene Sexappeal aber eher ein Gerücht für Touristen und frisch Zugezogene. Es bleibt zu hoffen, dass auf den Showman nun ein Verwalter folgt, der das Chaos in den Griff bekommt, bevor man die Stadt wegen Unregierbarkeit an Schwaben zwangsversteigern muss.

 


 

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