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Wie zur Rente im Glück?

Gibt es heutzutage überhaupt noch eine sichere Altersvorsorge?


Vor ein paar Tagen saß ich mit ein paar gleichaltrigen Freunden beim Mittagessen. Beim Kaffee fragte eine Bekannte, ob wir alle auch selbst für unsere Rente sparen würden. Wir haben alle ein bisschen dumm geguckt und dann gelacht, dass es wohl noch zu früh für solch eine Frage sei. Im Laufe der Diskussion, wegen der ich fast eine wichtige Besprechung verpasst hätte, hat sich aber gezeigt, dass doch schon jeder von uns wenigstens ein bisschen über die Rente nachdenkt.

So waren wir uns auch alle einig, dass die „Rentenreform“, die das tschechische Parlament vergangene Woche abgesegnet hat, nur eine halbfertige Sache sei. Zudem haben wir uns alle schrecklich über die Bedingung aufgeregt, dass man – sollte man sich dafür entscheiden – nur drei Monate und etwas für den Beitritt in einen privaten Rentenfonds hat. Und wer sich für diesen Schritt entscheidet, kann daran auch nichts mehr ändern. Wenigstens steht es so in dem beschlossenen Gesetz, auch wenn wir uns alle sicher sind, dass die Sozialdemokraten es sowieso ändern oder ganz abschaffen werden, wenn sie mal an der Macht sind. Außerdem, so die optimistischsten Schätzungen, werden nur etwa 15 Prozent der  Bevölkerung eine private Rentenversicherung abschließen. Wie ich gehört habe, ist selbst diese Zahl etwas zu hoch angesetzt. Über die Vorteile einer privaten Rentenversicherung hat sich in den letzten Jahren, in denen diese Möglichkeit diskutiert wurde, fast jeder sein eigenes Bild gemacht.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die letzten Jahre sehr schwer für Europa und die gesamte westliche Welt waren. Die Aktien fallen und Staatsanleihen eines Drittels der  EU-Staaten, für die eine Rezession die einzige Alternative zu einem Staatsbankrott ist, stellen eine sehr unsichere Investition dar. Nur die Geschicktesten schaff en es in solchen Zeiten, überhaupt gewinnbringend zu investieren. Kein Wunder also, dass Rentenfonds heute oft ein Minus verzeichnen. Nicht zu vergessen die Fälle in den USA, in denen firmeneigene Rentenfonds pleite gegangen sind und Hundertausende Amerikaner um ihre lebenslangen Ersparnisse gebracht haben.

Überhaupt ist die gesamte tschechische Rentenreform so etwas wie ein Rettungswagen, der nach der Beerdigung ankommt. Die Regierung Nečas führt sie zu dem Zeitpunkt ein, an dem sich sämtliche anderen postkommunistischen Staaten, die einen privaten Arm der Rentenversicherung schon vor fünf oder zehn Jahren eingeführt hatten, von ihr abwenden. In Ungarn hat Premier Viktor Orbán, der sich selbst als einen großen Bewunderer Václavs Klaus‘ bezeichnet, die gesamte private Rentenversicherung verstaatlicht und erklärt, dass sich fortan ausschließlich der Staat um die ungarischen Renten kümmern werde.

Gold, Haus, Lebensversicherung?

Zur gleichen Zeit, in der Petr Nečas die Tschechen in das Dilemma stürzt, ob es besser sei, sich lebenslang und unwiderruflich privaten Rentenfonds zu verschreiben oder sich weiterhin dem Staat und dem gegenwärtigen Rentensystem auszuliefern, kauen die Slowaken an der genau entgegengesetzten Frage. Die Regierung Robert Ficos versucht, die Slowaken aus den privaten Rentenfonds in die Hände des Staates zu locken. Um sie zu einem Übertritt ins staatliche System zu motivieren, senkte die Regierung den Prozentsatz der Sozialabgaben, der in private Rentenfonds investiert werden darf.

Nun könnte man sagen, Fico macht das halt so, weil er ein Linker und ein Postkommunist ist. Ähnliche Schritte tätigen aber auch die reformfreudigsten Regierungen in unserem Teil Europas. Wie die von Donald Tusk in Polen zum Beispiel, die zu einer der aufgeklärtesten Regierungen Mitteleuropas gehört. Und in Deutschland will kaum jemand überhaupt daran denken, das alte Bismarck‘sche Rentensystem zu ändern.

Um diese Themen ging es also während unserer Diskussion beim Mittagessen. Nur haben wir dann auch begonnen, zu überlegen, wie wir uns eigentlich auf das Alter vorbereiten. Beziehungsweise darauf, es in relativem Komfort zu erleben, wie die jetzige Generation deutscher und tschechischer Rentner. Ein Bekannter erzählte von einem Onkel, der seine Ersparnisse in Gold angelegt hatte. Als er älter wurde, hat er dann die Barren verkauft, immer so, wie er es brauchte. Aber Gold ist in der heutigen Zeit sehr teuer, an seiner Verlässlichkeit lässt sich zudem zweifeln. Im gerade vergangenen Sommer musste der polnisch Goldhändler Amber Fonds Konkurs anmelden und brachte so über 50 000 Polen um ihre Ersparnisse. Eine andere Kollegin meinte, Immobilien seien die beste Altersvorsorge, weil sie nicht an Wert verlieren würden. Die Realität des europäischen Hypothekenmarktes sagt allerdings etwas ganz anderes. Als wir dann zu guter Letzt in unserer Diskussion bei den Lebensversicherungen angekommen waren, einigten wir uns schnell, dass es bestimmt einige Leute gibt, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg Lebensversicherungen abgeschlossen hatten und heute sicher so einiges zu erzählen hätten.

Glücklicherweise brachen wir diese äußerst depressive Diskussion ab, weil wir alle wieder zur Arbeit mussten. Schließlich muss man im Hier und Jetzt froh sein, wenn man überhaupt Arbeit hat. Um die Renten kümmern wir uns dann in 20 Jahren…


Der Autor ist Redakteur der Tageszeitung „Lidové noviny“.

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