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Aufstand an der Grenze

Mitten in einem Naturschutzgebiet im Erzgebirge soll auf der tschechischen Seite ein neuer Windpark entstehen. Sehr zum Ärger der deutschen Nachbarn.

 

 

Michael Eilenberger sitzt auf der Bank, wo früher eine alte Zollstation stand, auf dem Erzgebirgskamm an der tschechisch-deutschen Grenze. Die Sicht ist gut und der Blick geht über die Bergwiesen weit ins sächsische Osterzgebirge hinein, aber auch hinüber nach Böhmen. Eilenberger liebt  diesen Ort. Doch seit einiger Zeit beunruhigt ihn der Blick in die böhmische Idylle. Die tschechische „Energetický a průmyslový holding“ (EPH) will nämlich genau hier einen Windpark mit 18 Windrädern errichten.


Für Michael Eilenberger ein Alptraum. „Wir haben in den letzten 20 Jahren einen sanften Tourismus aufgebaut, der den Naturschutz respektiert. Dieser Windpark würde alles zunichte machen“, befürchtet  Eilenberger, der sich selbst als Heimatschützer versteht.

Denn der neue Windpark soll inmitten eines europäischen Natur- und Vogelschutzgebietes entstehen, das von der EU als „special protected area“ kategorisiert wird. Etwa 140 seltene oder vom Aussterben bedrohte Lebensformen sind hier zuhause. Um auf die drohende Zerstörung der Natur aufmerksam zu machen, schmiedete Eilenberger eine Koalition aus  Naturschützern und Touristikern und gründete die Bürgerinitiative mit dem passenden Namen „Gegenwind“. „Diese Wiesen sind ein Geschenk. Sie sind Heimat seltener Pflanzen und Tiere. Vor allem das Birkhuhn wäre durch die Windräder bedroht. Es braucht nämlich die Wiesen für seine Balz“, sagt Eilenberger. Die Bürgerinitiative begann, um Aufmerksamkeit zu werben, verteilte Flugblätter, schrieb Protestpostkarten, fuhr mit  dem Fahrrad bis nach Prag und organisierte eine Petition. Eilenberger sprach sogar beim Europäischen Parlament in Brüssel vor.


Auch die sächsischen Städte Pirna und Freiberg haben sich dem Protest angeschlossen. „Ich bin auch für erneuerbare Energien. Aber das darf nicht zu Lasten des Naturschutzes passieren“, wehrt sich Eilenberger gegen den permanenten Vorwurf, immer nur dagegen zu sein. Zuletzt organisierte er  mit Gleichgesinnten aus Tschechien eine Demonstration durch den angrenzenden tschechischen Ort Moldava.

 

Wind bringt Hoffnung

 

Der stellvertretende Bürgermeister des Ortes, Tomaš Tvrdík, ärgert sich in seinem Büro noch heute beim Gedanken an die Demonstration.  Inzwischen hat er mit seiner Gemeinde dem Bau der Windräder zugestimmt. „Ich empfinde die Proteste als Einmischung in die Angelegenheiten eines fremden Staates“, sagt er. Wenn er die Argumente seiner Gegner hört, kann er nur mit dem Kopf schütteln. „Deutschland steigt doch gerade aus der Atomenergie aus. Wo wollen die denn ihre Windräder bauen, wenn nicht im Erzgebirge?“ fragt er und fügt hinzu: „Ich prophezeie Ihnen, dass hier bald ganz viele Windräder aus dem Boden schießen“.

Tvrdik kann den großen Widerstand gegen das Bauvorhaben nicht verstehen. Jahrzehntelang wurde der Erzgebirgswald schließlich durch böhmische Kohlekraftwerke zerstört. Die Windräder hinterm Dorfrand sind ihm deshalb lieber. „Wir haben ja auch etwas davon“, rechnet Tvirdik. „EPH zahlt uns zehn Jahre lang insgesamt drei Millionen Euro. Damit können wir endlich die Häuser an die Kanalisation anschließen und weitere Ideen verwirklichen, um attraktiv für Touristen zu werden". Die meisten Einwohner von Moldava sehen das genauso. Für sie sind die Windräder ein lang ersehnter Hoffnungsschimmer.

Die Hoffnung will aber auch  Michael Eilenberger nicht aufgeben: „Schutzgebiete und Schutzgebietsysteme sind heute wichtiger denn je zuvor. Sie sind für die Erhaltung  biologischer Kreisläufe sowie als Rückzugsgebiete für Tiere und Menschen von extremer Wichtigkeit. Solche Gebiete wurden mit Weitsicht eigens dafür ausgewiesen. Sie sollten deshalb unantastbar sein und mit aller Härte geschützt werden.“

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