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Ehre den Opfern

Bundespräsident Joachim Gauck stellt in Prag und Lidice Sensibilität unter Beweis.

Es war der emotionalste Höhepunkt eines emotionalen Besuchs beim tschechischen Nachbarn: Bundespräsident Joachim Gauck verneigt sich gemeinsam mit seinem tschechischen Kollegen Václav Klaus vor den Opfern von Lidice. Er trifft Überlebende aus dem mittelböhmischen Dorf, die ergriffen sind, dass erstmals ein deutscher Bundespräsident zu ihnen kommt, um seine Scham und seine Trauer über das mitzuteilen, was andere Deutsche hier angerichtet haben.

 

Gauck hatte seinen Antrittsbesuch in Prag ganz bewusst unter das Thema der tschechischen Opfer gestellt. Deutschland müsse seinen Nachbarn zeigen, dass es ein anderes Deutschland sei als das Deutschland von früher. Es war Gaucks ausdrücklicher Wunsch, nach Lidice zu fahren. Das Massaker an der Bevölkerung dort, aus Rache für das Attentat auf Hitlers Statthalter, Reinhard Heydrich, liegt mittlerweile 70 Jahre zurück. Allzu viele Überlebende, die damals Kinder waren, gibt es nicht mehr. Der Besuch des Bundespräsidenten bei ihnen war vielleicht schon die letzte Gelegenheit, einige von ihnen überhaupt noch anzutreffen. Gauck wurde wie Klaus während des Krieges geboren.Wenn er über diese Zeit spricht, wenn er Beklemmung fühlt, dass da auf dem Vorhof der Prager Burg die deutsche Hymne gespielt wird – weil dort auch ganz andere Lieder aus Deutschland gespielt wurden–, dann ist das glaubhaft. Klaus nickte zu dieser Bemerkung Gaucks auf der gemeinsamen Pressekonferenz denn auch sehr nachdenklich.

 

Geste der Menschlichkeit

 

Schon im Juni hatte Gauck zum 70. Jahrestag des Verbrechens in einem Brief an Klaus tiefe Trauer und Scham darüber bekundet, was in Lidice geschehen ist. Dieser Brief hatte in der tschechischen Öffentlichkeit große Resonanz gefunden, weil er „Menschlichkeit“ ausdrückte. „Ich möchte dem tschechischen Volk versichern, dass wir seinen Schmerz um die Opfer teilen und mit den Überlebenden fühlen, von denen einige noch unter uns sind“, hatte Gauck geschrieben.

 

Zur Geste des Besuchs bei den Überlebenden in Lidice fügt Gauck eine weitere hinzu, für seine Gastgeber. Gauck weigert sich in Prag auch auf Nachfrage von Journalisten, sich zum zweiten Trauma der tschechisch- deutschen Beziehungen zu äußern, zur Nachkriegsvertreibung. Dafür werde später einmal Zeit sein. Es ist die Ehrung der tschechischen Opfer ohne Wenn und Aber, ohne den Verweis darauf, dass sich die Tschechen zu Kriegsende auch nicht mit Ruhm bekleckert haben, die diese Geste so einmalig macht. Gauck ist klug genug zu wissen, dass über das eigene Versagen seit geraumer Zeit die Tschechen untereinander diskutieren. Er wolle sich da nicht einmischen. Aber er fügt indirekt hinzu, wie sehr er diese Auseinandersetzung schätzt: „Ich hab mich mit meinem Land unter anderem auch deshalb versöhnt, weil es offen über Schuld, über Versagen und über Verantwortung gesprochen hat und weil es fähig war, bis in den Kern hinein zu sehen.“

 

Gaucks Gastgeber Klaus hält sich mit Äußerungen zur Vergangenheit vor der Presse eher zurück. Er habe Mitte der 1990er Jahre mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl die tschechisch-deutsche Deklaration ausgehandelt. Nun befürchte er, dass er nicht der Mann sei, „der dazu noch etwas zu ergänzen hat“. Das Thema Vertreibung wird vermutlich bei einem nächsten tschechisch-deutschen Präsidententreffen noch einmal eine größere Rolle spielen. Dann aber schon nicht mehr mit Václav Klaus, dessen Amtszeit zu Ende geht, sondern mit dessen Nachfolger. Gauck hatte wohlweislich in Prag hinzugefügt, er sei nicht der Ansicht, dass schon alles über die Vergangenheit gesagt sei.

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