Aktuelle Seite: StartseitePolitiknicht kategorisiertIhre LandesZeitung 3/4 erscheint heute

Hochspannung zwischen Nachbarn

Ausbau der Stromnetze wird zum Sorgenkind des deutschtschechischen Dialogs.

 

 

Über die tschechische Energieversorgung wird auch in Deutschland entschieden. Dort wachsen die Proteste gegen den geplanten Ausbau der Stromtrassen. „Irgendetwas läuft hier nicht richtig“, schimpft Malte Graf von der Bürgerinitiative „Unter Hochspannung“, die seit Beginn dieses Jahres im östlichen Schleswig-Holstein gegen neue Strommasten kämpft. „Die Netzentwicklung wird vollkommen der Privatwirtschaft überlassen und die hat sicherlich ihre eigenen Interessen, nämlich den Profit“, sagt Graf. Er glaubt, dass die geplante deutschlandweite Netzerweiterung von 4 200 Kilometern überdimensioniert ist. „Dazu kommt auch die Angst der Menschen, die in der Nähe der Trassen leben. Und allein diese Angst kann krank machen“, meint Graf. Im Osten Schleswig- Holsteins sei man von den Windparks verschont geblieben, so Graf, der als überzeugter Atomkraftgegner die deutsche Energiewende begrüßt hat. Jetzt fürchtet er, dass 60 Meter hohe und 30 Meter breite Stahlgittermasten die Landschaft zerstören könnten. „Wir sollten hier lieber den Tourismus fördern und uns unsere Vogelvielfalt erhalten“, erklärt Graf.

Auf wenig Gehör fallen solche Sorgen in Tschechien. Hier fürchtet man sich eher vor dem großen Blackout. Seitdem der deutsche Atomausstieg zu einem Ausbau der Windenergie in Norddeutschland führte, wird immer mehr Strom durch den böhmisch-mährischen Kessel geleitet.

"Entweder es gibt einen Blackout in Tschechien, oder es gibt einen Blackout ohne Tschechien"

Direkte Stromautobahnen von Nord- nach Süddeutschland sind nämlich noch in der Planungsphase. Windet es gehörig an der Nordsee, müssen in Tschechien Kraftwerke abgeschaltet werden. Sonst könnten die Stromleitungen ähnlich wie eine überlastete Sicherung aus ihren Nähten platzen. Und die Lichter ausgehen. Nicht nur für Stunden, sondern für Tage. Ein GAU, der realistischer ist, als man glauben möchte: Allein in diesem Jahr ist Tschechien schon mehrere Dutzend Mal knapp an einem Blackout vorbeigeschlittert.

Wille ohne Weg

Damit das Katastrophenszenario nicht tatsächlich eintrifft, hat die tschechische Regierung dem staatlichen Netzbetreiber ČEPS jetzt erlaubt, im Bedarfsfall das tschechische Stromnetz vom deutschen abzukoppeln. Keine besonders helle Perspektive für Deutschland, das sich zu einem gewissen Grad auf seine Windenergie verlassen muss. „Wir haben die Wahl“, meint der tschechische Bevollmächtigte für Energiesicherheit, Václav Bartůška: „Entweder es gibt einen Blackout in Tschechien oder es gibt einen Blackout ohne Tschechien“, erklärte er auf der Jahressitzung des deutsch-tschechischen Gesprächsforums, das Anfang November in Ostrava (Ostrau) stattfand. Das sei zwar dramatisch, sagte Bartůška, weise aber auf die Situation hin, in der sich beide Nachbarn momentan befänden. Allerdings, versuchte er zu beruhigen, sei die Überlastung nicht nur ein deutsch-tschechisches, sondern ein gesamteuropäisches Problem. Zusammen mit seinem deutschen Partner, Stephan Auer, dem Beauftragten des Auswärtigen Amtes für Energie- und Klimapolitik, arbeite er intensiv an einer Lösung.

Die ist allerdings eher langfristig zu erwarten. Während die Drähte zwischen Deutschland und Tschechien heiß laufen, ziehen sich die Verhandlungen um einen Stromnetz-Ausbau in die Länge. „In Deutschland wird seit zehn Jahren über den Bau der fehlenden Stromtrassen verhandelt“, weiß Bartůška. „Am guten Willen mangelt es dabei nicht, eher an der Fähigkeit, Lösungsvorschläge durchzusetzen“, sagt er. Kein Wunder: Knapp zwei Drittel der Deutschen, so fand eine Studie des Bundesumweltministeriums heraus, sind dem Bau neuer Hochspannungsleitungen gegenüber skeptisch eingestellt.

 

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

Bertolt Brecht
Bertolt Brecht: „Ich rate, lieber mehr zu können als man macht, als mehr zu machen als man kann.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.