Aktuelle Seite: StartseitePolitik

Felix Germaniae

Der deutsche Bundestags-Wahlkampf ist zum Gähnen. Der wahre Bär steppt nicht an der Spree, sondern an der Moldau, wo ebenfalls Wahlen anstehen.

Von Hans-Jörg Schmidt

Die schwarz-gelbe Bundesregierung ist die unbeliebteste seit 1949, obwohl sie beständig das Gegenteil behauptet. Die Umfragen sind aber deutlich. Nur noch sechs Prozent Zustimmung hat das Kabinett. Kein Wunder: ein Sparprogramm folg...t dem anderen. Schon gibt es keine Löcher mehr im Gürtel der Normal-Sterblichen zum Engerschnallen. Jede Entscheidung des Kabinetts Merkel wird von mächtigen Lobbyisten gesteuert. Die rufen vor jeder Abstimmung im Bundestag per Handy an, um die Order des Tages auszugeben. Die angerufenen Abgeordneten nicken per Stimmkarte die Entscheidung ab, die im Hintergrund gefällt wurde.

Die Kanzlerin zeigt sich in der Öffentlichkeit noch seltener als sonst schon mit ihrem Ehemann Joachim Sauer. Die Bilder für die Öffentlichkeit gaukeln nur eine vermeintlich heile Welt vor. In Wahrheit hat Merkel ein Verhältnis mit ihrem Bürochef (keine empörten Leserbriefe jetzt bitte, ich weiß, sie hat eine Bürochefin). Der Bürochef spannt, obwohl dazu in keiner Weise berechtigt, den militärischen Abschirmdienst ein, um Herrn Sauer zu überwachen. Der läuft angeblich Gefahr, zu den Zeugen Jehovas überzulaufen. Die Reputation der Regierungschefin steht auf dem Spiel. Angie wird erpressbar. Das geht nun gar nicht.

Wochen später: Während Angie noch gegen Mitternacht im Kanzleramt Arbeit vortäuscht, tatsächlich aber mit der Vorzimmerbesatzung und ihrem Büroleiter einen Cognac nach dem anderen kippt, klingelt es heftig an der Pforte. Zwei Angehörige einer Spezialeinheit der Polizei begehren Einlass. Sie sind vermummt, können sich aber ausweisen. Merkel wird blass. Die Polizisten registrieren das interessiert, während sie alle Schubladen in Schreibtisch und Schränken durchwühlen. Am Ende nehmen sie den Büroleiter der Kanzlerin vorläufig fest. Angie ist fassungslos. Sie mag jetzt nicht nachhause gehen, ist aufgewühlt, könnte ihrem Joachim nicht in die Augen sehen.

Zwar hatten beide BILD gesteckt, dass sie in Scheidung leben. Aber von einem „Anderen“ im Herzen der Kanzlerin war ausdrücklich nicht die Rede. Bei Joachim sowieso nicht. Der ist dazu zu brav.

Merkel spürt während der Bürodurchsuchung, dass hier mehr auf dem Spiel steht. Hier geht es ans Eingemachte, ans Politische. Verdammt, flucht sie in sich hinein: Weshalb habe ausgerechnet ich die Sicherheitsorgane des Staates ermutigt, schonungslos bei jedem Verdacht gegen jeden ohne Ansehen der Person vorzugehen?

Die Ermittler sind in der Tat schonungslos: neben dem Büroleiter Merkels nehmen sie drei frühere Abgeordnete der Union vorläufig fest. Die hatten der Kanzlerin bei einer Abstimmung über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer die Gefolgschaft verweigert. Das stehe so nicht im Parteiprogramm, wetterten sei. Einer der Rebellen stellte sich selbst als Gegenkandidat zu Merkel auf dem CDU-Parteitag auf. Er verlor zwar; aber Tage später, noch vor der Abstimmung über die Mehrwertsteuererhöhung, geben er und die zwei anderen Renegaten ihr Abgeordnetenmandat zurück. Nicht zufällig: der Büroleiter der Kanzlerin hat ihnen lukrative Posten in staatlichen Unternehmen zugeschanzt. Als fette Entschädigung. Merkel gewinnt in der Folge die Abstimmung im Bundestag. Gewohnt lächelnd. In der ARD-Sendung „Was nun, Frau Merkel?“ erklärt sie todesmutig, sie habe alles im Griff.

Doch sie irrt. Die Feder führende Staatsanwaltschaft in Castrop-Rauxel hat sie längst am Haken. Die drei Ex-Abgeordneten wandern in den Knast. Sie hätten sich bestechen lassen, lautet der Vorwurf. Darauf stehen 12 Jahre. Angies Büroleiter atmet auch gesiebte Luft. Dem droht eine noch längere Abwesenheit von Freiheit wegen Bestechung und Amtsmissbrauch wegen Einschaltung des militärischen Abschirmdienstes. Inhaftiertung wegen Verdunklungsgefahr, heißt es. Die Kanzlerin schläft sehr schlecht. Allein, ohne geliebten Büroleiter, schon gar nicht neben Joachim, der darüber mittlerweile nicht mal mehr sauer ist.

Jetzt wird der Bundespräsident aktiv. Joachim Gauck ist erstmals direkt vom Volk gewählt (nicht schon wieder Leserbriefe, bitte!) und fühlt sich stark. So richtig stark. Was wäre eigentlich, befragt er sich in ebenfalls schlaflosen Nächten, wenn wir aus der parlamentarischen Demokratie eine präsidiale Demokratie machen würden, in der allein ich das Sagen habe? So wie dieser Franzose, dessen Namen ich immer vergesse, oder wie der Obama?

Nach drei unruhigen Nächten ergreift Gauck die Initiative: „Die Merkel hat zwar noch eine Mehrheit im Bundestag. Aber was soll’s: ich ernenne meine eigene Regierung, aus meinen Kumpeln aus alten DDR-Zeiten. Natürlich sind die ‚sauber‘ oder ‚naja, fast sauber‘, ich kenne ja ihre Akten“, lacht er sich ins Fäustchen. Die Parteien im Bundestag protestieren, sind außer sich, sehen die Demokratie in Deutschland in Gefahr. FAZ, Süddeutsche und Die Welt schäumen, von BILD ganz zu schweigen, SPIEGEL, Zeit und Focus erscheinen nicht mehr wöchentlich, sondern Dank Internet täglich mit neuen Dossiers über das Ende des Abendlandes.

Gauck aber grinst nur: „Alles Amateure, ich bin hier der einzige Profi!“ Interviews zu seinen nächsten Schritten gibt er nur der unter seiner Fuchtel stehenden „Ostseezeitung“, die großen Blätter schneidet er absichtlich. Derweil ist der Bundestag ratlos. Er verweigert immerhin der von Gauck eingesetzten Regierung Schorlemmer das Vertrauen. Aber der Wittenberger Pfarrer kann dennoch munter weiter regieren. Dass Grundgesetz erlaubt das. Schorlemmer erfüllt, aus alten Zeiten mit Gauck zutiefst verbunden, dem Bundespräsidenten jeden Wunsch, erhöht als erstes den Mindestlohn für alle. Das Volk jubelt. Fällt jetzt auch Hartz IV, fragen die bürgerlichen Medien erschrocken? Derweil fordert der Staatsanwalt den Bundestag auf, die Immunität der Kanzlerin aufzuheben. Sie habe nicht nur von den „Schweinereien“ ihres Büroleiters gewusst, sondern die auch selbst angewiesen. Merkel wird fuchtig: „So läuft der Betrieb nun mal in einer Demokratie. Eine Hand wäscht die andere. Und überhaupt, mein Büroleiter bekommt im Knast nicht mal Badesalz. Skandal!“

Ja, gut, der Bundestag könnte sich mittlerweile selbst auflösen und den Weg für Neuwahlen frei machen. Aber die FDP verhindert das. Erst im zweiten Anlauf gelingt es. Doch Gauck hat damit gerechnet. Er legt den Tag für vorgezogene Wahlen auf eine langes Wochenende. Da sind, so weiß er, die meisten Wähler auf Achse, weil der Altweibersommer ins Freie lockt. Das hilft seiner Partei der Dissidenten, die unter Honecker nie eine Datsche abbekamen. Am Ende kommt es zu einem Erdrutschsieg der Gauck-Anhänger. Angie ist weg vom Fenster. Die SPD eh. Die AfD allerdings auch. Der Euro bleibt. Immerhin.

Aber vor allem ist Gauck künftig der große Macker. Seine Kumpel haben eine überwältigende Mehrheit der 20 Prozent teilnehmenden Wähler gewonnen. Das reicht locker, um Deutschland politisch gänzlich umzumodeln, ganz nach dem Willen des übermächtigen Präsidenten, der nun keine ernst zu nehmenden Widersacher mehr hat. Gauck wird zum zweiten Putin.

Kommt Ihnen seltsam vor, aberwitzig? In Deutschland vielleicht. Das total ausgedachte Szenarium stammt auch nicht von der Spree. Es ist Realität an der Moldau. Angie heißt in Wahrheit Petr Necas. Merkels geliebter Büroleiter ist in Wahrheit Necas‘ geliebte Büroleiterin Jana Nagyova. Der Bundestag ist in Wahrheit das tschechische Parlament. Und der Präsident heißt auch nicht Joachim Gauck (Verzeihung, Herr Bundespräsident, vor allem für den Vergleich mit Putin), sondern Milos Zeman. Ansonsten spielt sich das alles in Mitteleuropa ab, hinter unserer Grenze, ganz dicht vor unserer Haustür.

Zum Schluss noch die zwei bislang aufregendsten Wahlparolen im heißen Wahl-Herbst der Nachbarstaaten: in Tschechien: Rettet die parlamentarische Demokratie vor ihrer Umwandlung in eine autokratische Demokratie unter dem Putin-Azubi Zeman. In Deutschland: einmal in der Woche fleischlos essen.

Glückliches Deutschland, das keine anderen Probleme hat.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

Lucius Annaeus Seneca
Lucius Annaeus Seneca: „Niemand irrt für sich allein. Er verbreitet seinen Unsinn auch in seiner Umgebung.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.