Das ostböhmische Grenzland wurde in der Vergangenheit durch die wechselseitigen Beziehungen einschließlich der Kriege zwischen Polen und dem habsburgischen Böhmen geprägt. Es entstanden herrliche Schlösser mit kostbaren Sammlungen, unter anderem der luxuriöse Adelssitz Kukus (Kuks), 25 km nördlich von Königgrätz (Hradec Králové) entfernt. Es ist eine an der Elbe gelegene Gemeinde mit 269 Einwohnern im Kreis Trautenau (Trutnov).

Chronik und Blütezeit

Franz Anton Graf Sporck (1662-1738), der Sohn eines Abenteurers aus dem Dreißigjährigen Krieg, machte seine ostböhmischen Herrschaften zu einer Kunstlandschaft besonderer Art. Inmitten einer Waldwildnis, in der abgelegenen Gegend des oberen Elbtals in Kukus, entstand ein Naturpark. Im Jahre 1695 begann er auf einem steilen Abhang über der Elbe, dort wo eine Heilquelle aus dem Boden sprudelte, ein Heilbad zu erbauen, das sich Ende des 17. Jahrhunderts zu einem mondänen Badeort entwickelte. Eine Apotheke wurde eingerichtet, ein ausgedehnter Garten angelegt und ein prunkvolles Schloss errichtet. Hinzu kamen die Kirche der heiligen Dreifaltigkeit mit allegorischen Statuen der Hoffnung und der Liebe im Schild sowie unter der Kirche die Familiengruft. Alles wurde von dem bedeutenden Prager italienischen Architekten Giovanni Battista Alliprandi (1665-1720) in den Jahren 1707 bis 1717 im Barockstil geschaffen. Die Steinmetzarbeiten führte der Hofsteinmetz Giovanni Pietro della Torre durch. Die barocke Pracht fand damals nicht ihres gleichen in Europa. In Prag baute er das Lobkowitz-Palais und weitere Paläste.

Bald begann hier ein reges gesellschaftliches Leben. Während der Badesaison lud Sporck für eine Spielzeit die Oper aus Venedig ein, veranstaltete auf dem Schloss und dessen Umgebung rauschende Feste mit Musik und Böllerschüssen, auf dem Fluss wurden venezianische Nächte und in den Wäldern Hetzjagden mit Pferden und Hunden für seine Freunde abgehalten. Der Glanz verblüffte die Gäste und verschaffte dem Schlossherren hohes Ansehen. Franz Anton Sporck war ein Mensch voller Widersprüche, einerseits stets ein unzufriedener prozesssüchtiger Querulant, andererseits ein Anhänger des Jansenismus und Verfechter der Glaubenstoleranz. Deswegen geriet er häufig mit der Kirche, vor allem aber mit den Jesuiten im benachbarten Zirec (Žíreč) in Konflikt.

Bei einem Hochwasser im Jahre 1740 wurde ein großer Teil des Gebäudekomplexes zerstört. Nach seinem Tod 1738 diente dann das Badehaus bis 1938 als Hospital der barmherzigen Brüder für Hunderte verdiente Soldaten, dann als Altersheim für Bedürftige. Nach 1900 wurde das Schloss abgerissen.

Das Werk eines der bedeutendsten Schöpfer des böhmischen Barocks

Im Lapidarium sind die allegorischen Skulpturen zu sehen, die die zwölf Tugenden und zwölf Laster darstellen - Foto: Foto Margit ŘehoříkováAll die Eigenschaften des Auftragsgebers spiegeln sich auch in den dreißig Statuen von dem berühmten Mathias Bernhard Braun (1684-1738) wider, die der aus Tirol stammende Bildhauer von 1715-1718 schuf und zu den bedeutendsten Werken des tschechischen Barocks gehören. Die Themenwahl, die Konzeption und künstlerische Umsetzung seiner Plastiken entsprachen den Wünschen und Vorstellungen seines Auftraggebers. Ebenfalls ließ er von Braun riesige Plastiken aus dem Felsen schlagen, so zum Beispiel den Christus am Jakobsbrunnen, die heilige Maria Magdalena, die heiligen Onuphrius und Gavinus und das Relief von der Vision des heiligen Hubertus. Die allegorische Statuenreihe stellt auf der linken Seite die Tugenden und auf der rechten Seite die Laster dar. Diese sind im Lapidarium zu sehen und wurden schrittweise restauriert. Das monumentale Naturdenkmal Bethlehem ist ebenfalls sein Werk. In Prag schuf Mathias Braun zum Beispiel die St. Luitgard-Statuengruppe auf der Karlsbrücke und gestaltete die Ausschmückung der St. Clemenskirche.

Kukus – heute ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt

Die barocke Anlage ist heute nationales Kulturdenkmal und wird jährlich etwa von 50 000 Touristen aus dem In- und Ausland besucht. Zwischen 2013 und 2015 wurde das gesamte barocke Gebäudeensemble, die Gärten und anliegenden Wirtschaftsgebäude aufwendig saniert. Im Rahmen des längsten Rundgangs sind die Räumlichkeiten des Hospitals, die Dreifaltigkeitskirche mit der Sakristei und das Pharmazeutische Museum mit seiner kostbaren historischen Apotheke zu besichtigen, ebenfalls das Lapidarium mit dem allegorischen Zyklus. Sehenswert sind auch der aus fünfzig Gemälden bestehende Zyklus zum Thema „Der Tanz des Todes“ und der das Hospital umgebende Garten mit seinen Obstbäumen, wo auch Kräuter und Heilpflanzen angebaut werden.

Für Besucher stehen Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten bereit.