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Unterwegs auf der „Via Nova“

Die „Via Nova“ - ein europäischer Pilgerweg der Moderne, der sich abseits von ausgetretenen Pfaden durch Bayern und Österreich bis zur tschechischen Grenze schlängelt.

 

Dies ist der Erfahrungsbericht eines eher beobachtenden Wanderers auf der Suche nach neuen Eindrücken, um dabei Land und Leute einer ihm bisher nur als „Transitregion“ bekannten Gegend auch einmal in Augenschein zu nehmen. Laut ihrer Organisatoren ist die Via Nova „ein spiritueller Weg ins 21. Jahrhundert, ein Zeichen für Hoffnung, Frieden und Umkehr zum Leben.“ Entlang des Weges sind Wallfahrtskirchen und Wegkreuze. Hinein also in eine traditionell gut-katholische Gegend im Naturpark Bayerischer Wald am Übergang zum Böhmerwald, wo sich bei klarem Wetter ein unverbauter Fernblick bis hin zu den Alpengipfeln bietet.

 

Freyung trägt den Beinamen „die kleine Stadt am großen Wald“, sie liegt im Südosten der Grenzregion des Bayerischen Waldes. Von Freyung aus sind es 17 Kilometer bis zur tschechischen Grenze und 27 Kilometer bis nach Österreich. Und dies alles bei einer Höhenlage von 654 bis 860 Meter über NN. Hinzu kommt, dass die Stadt ein staatlich anerkannter Luftkurort, ein Mittelzentrum sowie Hochschulstandort ist.

 

Auch die Bundeswehr hat hier Garnison bezogen und die Kaserne trägt den Namen „Am Goldenen Steig“ in Anknüpfung an den regen Salzhandel zwischen Bayern und Böhmen. Durch Freyung führte Jahrhunderte lang einer der Saumwege, die als „Goldene Steige“ berühmt wurden.

 

In Freyung selbst führt der Via Nova-Pilgerweg direkt am Schloss Wolfstein vorbei hinauf zum Stadtkern, wo das „Wolfsteiner Heimatmuseum“ zu finden ist. Zum Museum gehört ein weitläufiger Garten mit dem seit 2010 angelegten Themenweg zum „Leben am Goldenen Steig“.

 

Weiter Blick

In der „kleinen Stadt“ hat man Großes vor und daher engagiert man sich intensiv in der Vermarktung der Via Nova. Der vier Kilometer lange Freyunger Streckenabschnitt, beschildert mit deutschen und tschechischen Texttafeln, führt mit seinen zehn Stationen um Kreuzberg herum und ist ebenfalls in die Pilgerroute integriert. Hier steht die 1599 gestiftete Veits-Kapelle, geweiht dem Schutzpatron von Böhmen, Prag, Sachsen und Sizilien.

 

Kreuzberg, einst eine selbständige Gemeinde, liegt auf einem 819 Meter hohen Bergkegel und ist das Ziel einer der ältesten St. Anna-Wallfahrten Deutschlands. Ende Juli fand auch in diesem Jahr wieder eine Sternwallfahrt nach Kreuzberg auf den „Anna-Berg“ statt. Dafür kamen selbst aus dem über 20 Kilometer entfernten Spiegelau Wallfahrer mit ihrer Traditionsfahne zur 1517 geweihten St. Anna-Kirche heraufmarschiert. Beim Panoramablick, der sich hier oben bietet, wird das Via Nova-Motto „Den Blick weiten“ besonders deutlich spürbar.

 

Den Stempel für ihren Pass bekommen die Pilger, die auf der Via Nova unterwegs sind, im Gasthof „Lebzelter“ in der Ortsmitte im Schatten der Kirche; ebenso eine gute Übernachtungsmöglichkeit, wo die müden Knochen Erholung finden.

 

Handlicher Reisebegleiter

Georg Brunnhölzl, seines Zeichens Pilgerbegleiter auf der Route in Hohenau, hat es sich zum Ziel gesetzt, den Pilgern einen handlichen Begleiter in Buchform mit auf ihren Weg zu geben: „Ich habe als Pilgerbegleiter sehr schöne Zeiten erlebt, die ich nicht mehr missen möchte – und ich versuche nach meinen Möglichkeiten, wieder etwas davon zurückzugeben“, erklärt Georg Brunnhölzl. In seinem gedruckten Wegbegleiterfür den ersten Streckenabschnitt von Vilshofen bis Finsterau hebt Brunnhölzl Orte hervor, wo die tiefe Gläubigkeit der früheren Bewohner des ganzen Waldes zum Ausdruck kommt, wie etwa in Kreuzberg mit seiner Wallfahrtskirche St. Anna. Der dortige „Weg der Besinnung“ fand dabei besondere Hervorhebung, war doch Kreuzberg schon in alter Zeit ein beliebtes und bekanntes „Pilger-Mekka“.

 

Für den Verfasser des Büchleins ist Pilgern auch ein „Beten mit den Füßen“, unabhängig von einer bestimmten Konfessionszugehörigkeit. Als Vorsitzender des Kneippvereins Freyung-Grafenau sieht er das Pilgern auch als Teil der Kneipp‘schen Lehre. „Diese Ordnungstherapie führt den Menschen körperlich und seelisch zu einer natürlichen Lebensordnung gemäß dem Eigenrhythmus von angepasster Anspannung und Entspannung, Bewegung und Ruhe sowie religiöser Bindung“, ist er überzeugt.

 

Menschen wie Georg Brunnhölzl, also ambitionierte Idealisten, machen es eigentlich möglich, ein grenzüberschreitendes Projekt, wie es die „ViaNova“ darstellt, auch mit Leben zu füllen. Sie begeistern andere, in diesem Fall mit einem liebevoll und aufwendig gemachten Buch, übrigens der ersten größeren Publikation zur Via Nova. Geplant für die nächste Zukunft sind zwei weitere Bände – von der böhmischen Grenze nach Příbram und vom Wolfgangsee zur Donau. Laut Georg Brunnhölzl befindet sich der Band von der böhmischen Grenze nach Příbram bereits in Arbeit. Diesen Band möchte er zweisprachig gestalten und möglichst noch in diesem Jahr abschließen.

 

Der Weg ist das Ziel

Der Pilgerbegleiter in Kreuzberg heißt übrigens Wolfgang Matzke. Ihn hat es vor Jahrzehnten hierher verschlagen.Wie so oft sind es „Ortsfremde“, die ihre Wahlheimat besser kennen und zu schätzen wissen, als dies bei den „Urgesteinen“ häufig der Fall ist.

 

So kennt der Pilgerbegleiter Matzke die Wege, Pfade und Steige in der Nachbarschaft um Freyung wie seine Westentasche und weiß auf der Route viel Wissenswertes zu berichten. Die gelegentlich zu leichter Erschöpfung neigenden Wanderer weiß er während der Pausen mit an besonderen spirituellen Plätzen abgehaltenen Meditationen wieder kräftemäßig aufzubauen.

 

Diese Pausen sind bei der zu bewältigenden Strecke – die von Finsterau durch das Reschbachtal mit seinen „Lusengeistern“ und Alpakas, vorbei an Zwölfhäuser, nach Mauth und von hier aus durch Vierhäuser mit seiner Johannes-Kapelle nach Kreuzberg führt – auch unbedingt notwendig. Es ist ein beständiges Auf und Ab im Waldschatten. Dafür gibt es aber auch in Mauth oder Finsterau als Trophäe den Pilgerstempel zum Beweis für die in Kauf genommenen Strapazen.

 

Und wie heißt es bei Gotthold Ephraim Lessing so schön: „Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus denAugen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ohne Ziel herumirrt.“

 

Der Autor ist rasender LZ-Reporter.

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