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„Erinnerungen an Buchwald“

Denkmal für eine hochgelegene, untergegangene böhmische Ortschaft.


Im Grenzbereich der beiden Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava-Böhmerwald zieht sich auf der  tschechischen Seite aneinandergereiht eine lange Reihe von neuzeitlichen Wüstungen – dort, wo früher  bewohnte Dörfer gestanden haben. Zu ihnen gehört auch der höchstgelegene Ort des Böhmerwaldes, die frühere Gemeinde Buchwald.

Wer sich über die Region ausführlicher informieren möchte, dem empfiehlt es sich, auf Beschreibungen aus ihren lebendigen Zeiten zurückzugreifen. Darunter die Werke von Karel  Klostermann oder Adalbert Stifter, die zu ihren Tagen die Landschaft durchstreift und dabei ihre Eindrücke  festgehalten haben.

Daneben gibt es aber auch zahlreiche in der „Fremde“ verfasste Heimatbücher oder  Chroniken. Sie stammen von den einstigen Bewohnern selbst, die darin Geschichte, Kultur und einstige  Traditionen und Bräuche der hier lebenden Menschen festgehalten und beschrieben haben. So hat auch der  „Waidler“ Herbert Fastner unter dem Titel „Erinnerungen an Buchwald. Ein Heimatbuch der höchstgelegenen
Böhmerwaldgemeinde“ ein schriftliches Denkmal gesetzt.

Zeugnisse der Vergangenheit

Nachdem die trennende Grenze aufgehoben wurde ist der Raum, bis auf Einschränkungen infolge des Naturschutzes, wieder frei zugänglich. Die Besucher und Touristen fi nden sich dort in einem teils  menschenleeren bzw. nur dünnbesiedelten Raum wieder, in dem sich einstmals Generationen von Menschen für ihren Lebensunterhalt abrackerten. An diese erinnern kaum noch Spuren oder Zeugnisse. Nur gelegentlich ein Gedenkstein oder eine renovierte Kapelle, die meistens von den früheren Bewohnern vor der endgültigen  Vergessenheit bewahrt worden sind.

Das nachbarschaftliche Verhältnis über die Grenze hinweg ist wieder zu  einem Miteinander geworden, das Trennende versucht man zu überwinden, wobei das Tragische aber nicht in  Vergessenheit geraten darf.

Erinnerungsarbeit schließt sehr viele traumatische Komponenten mit ein, auch  Gefühle von Rechtlosigkeit, Angst und Verzweiflung. Diese spiegeln sich dann zumeist auch in den Chroniken oder Heimatbüchern der nicht mehr existenten Gemeinschaften wieder. Denn letztendlich schließen die  schriftlichen Erinnerungen an die „Heimat“ mit dem unfreiwilligen „Weggang“ der Bewohner. Gerade in den Grenzgebieten endet deren Geschichte auch zumeist mit der mutwilligen Zerstörung der „Heimat“. So sind auch die „Erinnerungen an Buchwald“ ein Zeitzeugnis. Mit ihnen versucht Herbert Fastner seinen nicht mehr  existenten Heimatort im Böhmerwald vor dem Vergessen zu bewahren, der am tschechischen Streckenabschnitt der „Via Nova“ gleich hinter der Grenze auf fast 1200 m Höhe bestanden hat. Das Heimatbuch ist ein  Dokument, das an die hier verlorene Existenz Buchwalds und an dessen Bewohner erinnert, und sich dabei auf  historische Quellen und Berichte von Zeitzeugen stützt. Es schildert Zeiten, als die durch den Wald führende  Grenze vielleicht die Staaten voneinander getrennt hat, aber nicht die Menschen.

Böhmisches Ägypten

Wer sich also Kenntnis über Buchwald verschaffen möchte, dessen Häuser nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt lagen, dem sei das Buch von Herbert Fastner ans Herz gelegt. Dem Verfasser ist es gelungen, zahlreiche Fotos und Dokumente für sein Heimatbuch zusammenzutragen, damit Buchwald nicht endgültig der Vergessenheit anheim fällt. Er beschreibt darin ein lebendiges Dorf mit seinen Höhen und  Tiefen durch die Zeiten hindurch.

Trotz aller während der vergangenen Jahrzehnte eingetretenen  Veränderungen und Einschnitte hat sich folgender Umstand aber nicht verändert, wie ihn einst schon der Schriftsteller Karel Klostermann festgehalten hat: „Bist du aber einmal in Buchwald, so bist du auch  gerettet; denn hier findest du zwei recht gute Wirtshäuser, wo du so gut aufgehoben bist, daß du, wenn du  wieder fort, lange an die Fleischtöpfe dieses hochgelegenen Ägyptens denken wirst.  Du stehst gegen 3700  Fuß über der Meeresfläche, und eine prachtvolle Aussicht nach Bayern hinein wird dich reichlich für die  gehabte Mühe belohnen.“

Der weite Panoramablick ist bis heute unverändert geblieben. Allerdings steht in Buchwald, heute Bučina,  nur noch ein Einkehrhaus zur Stärkung der müden Wanderer. Hier finden sie auch ein Bett zum Übernachten nach des Tages langen Mühen. Und eine kleine von den früheren Bewohnern wieder instandgesetzte Kapelle, in der auch auf die Geschichte Buchwalds hingewiesen wird.

Herbert Fastner: Erinnerungen an Buchwald. Ein Heimatbuch der höchstgelegenen Böhmerwaldgemeinde. 3., unveränderte Auflage 1999. 444 Seiten, 34,80 Euro. Morsak-Verlag Grafenau. ISBN:  978-3-87553-252-4

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