Aktuelle Seite: StartseiteUnterwegs

Die alte Baude im Blauen Grund

Das Riesengebirge zieht jährlich Millionen Menschen an. Doch jenseits der Touristenströme befindet sich der Blaue Grund mit seinen traditionellen Bauden.

 

„Das hier ist Rübezahls Reich. Da weiß man nie, wie das Wetter wird“, sagt Hynek Špurný entschuldigend. Vor den Fenstern seiner Riesengebirgsbaude „Na Výsluní“ auf 1050 Meter Höhe ziehen Wolkenfetzen vorbei, es regnet schon seit Stunden. Die Hoffnungen auf schönes Wetter im Blauen Grund (Modrý důl) ruhen also ganz auf der wilden Sagengestalt mit dem langen Bart.
Im Schatten des Studniční Hora (Brunnberg) liegt das Seitental zum viel bekannteren Riesengrund (Obri dul) abseits der Touristenströme. Der Hauptgrund dürfte sein, dass hier hinauf weder Sesselnoch Skilifte führen. Einmal abgesehen von dem kleinen Schlepplift und der leicht abfallenden Alm in der Nähe von Hynek Špurnýs Baude, die jedoch höchstens Anfänger zufriedenstellen. Der Blaue Grund ist nur etwas für Naturfreunde. Wer ihn erleben will, ist auf Schusters Rappen angewiesen oder im Winter auf Langlaufski.
Selbst bei Regen behält der Blaue Grund seinen unverwechselbaren Reiz. Und der ist, wie sollte es anders sein, blau. Ende August beginnt in dem Tal der Enzian zu blühen und es ist Heidelbeerzeit. Außerdem ist der Grund Ausgangspunkt für einige der schönsten Wanderungen im Riesengebirge. Zu den Tageszielen, die bequem zu erlaufen sind, gehört auch die Schneekoppe (Sněžka).
Aber zurück zu den Bauden im Blauen Grund, ohne die er nur halb so reizvoll wäre. Zwölf Holzhäuschen reihen sich den Hang hinauf. Gleich vier von ihnen stehen unter Denkmalschutz. Sie kommen dem Original einer Riesengebirgsbaude sehr nahe, was heute selten geworden ist. Zu ihnen gehört auch die Baude „Na Vysluni“, die Hynek Špurný ganzjährig nicht nur als Imbiss betreibt, sondern auch Übernachtungsplätze anbietet. Bis 1945 lebte im Blauen Grund die Meergans-Familie, der auch diese Baude gehörte. Auch die deutsch-tschechische Familie, die danach in dem Haus wohnte, behielt den Gastbetrieb bei, bis sie gezwungen wurde, die Baude dem Staat zu überlassen.

Von der Stadt ins Gebirge
Špurný, eigentlich in der Nähe von Prag geboren, hatte die Baude schon lange im Blick. „Ich wusste, dass die Hütte ein Wunder ist“, lächelt er. Ende der 1970er Jahre entschloss er sich, das Stadtleben aufzugeben und zog mit seiner Familie ins Riesengebirge. Es war kein Zufall, dass er als Verwalter ausgerechnet die Nachbarbaude betreute. Mit der Wende 1989 gelang es ihm, die Hütte zu kaufen und sie unter Denkmalschutz zu stellen. Stück für Stück baute er sie möglichst originalgetreu wieder auf. Dabei gibt es wohl kaum eine Stelle am Haus, an die er nicht selbst Hand angelegt hat. Für Handwerker wäre sowieso kein Geld da gewesen. Und ein bisschen Glück gehörte auch dazu. Die Baude „Na Vysluni“ ist eine der wenigen, in der sich das Originalmobiliar erhalten hat.
Špurný gehört auch zu den wenigen im Riesengebirge, der noch in seiner Baude wohnt. „Viele Besucher fragen, ob ich mich nicht langweile. Aber die Natur hält so viele Überraschungen bereit, wie die vom Aussterben bedrohte Alpen- Mosaikjungfer oder die Ringdrossel, Tiere, die nur hier oben vorkommen“, schwärmt Špurný. Doch Rübezahls Reich ist in  Gefahr. Zwar ist das Riesengebirge schon seit Jahrzehnten Nationalpark, doch gleichzeitig ist sie auch eines der beliebtesten Urlaubsziele in Tschechien. Und beides ist nur schwer miteinander vereinbar. Dabei ist eine intakte Natur Voraussetzung für die Attraktivität des Riesengebirges, weiß Hynek Špurný. Er lebt schon lange vor, was man heute einen sanften Tourismus nennt. Im Imbiss hat eine Wandergruppe Halt gemacht. Hyneks Frau Jaruška serviert den Gästen Heidelbeerkuchen mit Schlagsahne, natürlich aus eigener Produktion. Und draußen sind die Wolken aufgerissen. Rübezahl hat ein Erbarmen.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

Blaise Pascal
Blaise Pascal: „Es gibt zwei gefährliche Abwege: die Vernunft schlechthin abzulegen und außer der Vernunft nichts anzuerkennen.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.