Die Kirche von Kloster Osegg (Osek) wird endlich saniert. Für Besucher bleibt der Komplex auf lange Sicht geschlossen.

Die ersten Statuen wurden schon entfernt, weitere werden noch zwischengelagert. Der Fußboden ist schon abgedeckt und das Chorgestühl verhüllt, während sich das Gerüst an den Seiten und in die Höhe ausbreitet. In die Klosterkirche der Zisterzienserabtei von Ossegg (Osek) am Fuße des Erzgebirges sind die Bauarbeiter eingezogen. Und das auf sehr lange Zeit. Auf den Webseiten des Infocentrums Ossegg heißt es, dass ab sofort keine Führungen mehr möglich sind. „Die Kirche ist gesperrt wegen Bauarbeiten und die übrigen Teile des Klosters brauchen wir für die Baustellenleitung, als Lager- und Pausenräume“, sagt Jindřich Koska vom Freundeskreis Kloster Ossegg und aktuell Verwalter des Klosters. Das Bauprojekt ist gewaltig. Restauriert, saniert und modernisiert wird beinahe der gesamte Innenraum der Kirche: „Dach, alle Holzkonstruktionen, Elektroinstallation, Beschallung, Fresken, Stuck, Ausmalung, alle Seitenaltäre und Kapelle, das komplette Mobiliar, der Fußboden und die Grünanlagen rund um die Kirche“, zählt Koska auf, der auf dieses Großprojekt über Jahre hingearbeitet hat. „Es hängt eigentlich alles davon ab, wie gut man ein Projekt beantragt und ob man dann das nötige Geld dafür bekommt.“ Und umgekehrt muss auch gerade das richtige Förderprogramm aufgelegt sein, in das das Projekt hineinpasst.

Nun hat es also endlich geklappt. Umgerechnet insgesamt fünf Millionen Euro fließen in den Bau, davon kommen 85 Prozent von der Europäischen Union, 10 Prozent aus dem tschechischen Staatshaushalt und 5 Prozent steuert die Abtei bei. Koska hofft, dass bei dem Geldsegen auch noch Mittel zur Restaurierung der Orgel abfallen. „Wenn nicht, veranstalten wir eine Geldsammlung“, schaut er schon voraus. Geplant ist aber auf jeden Fall die Digitalisierung der Kirche und die Schaffung eines 3-D-Modells. Was den Termin für den Abschluss der Arbeiten angeht, ist Koska vorsichtig: „Geplant ist Juni 2021.“

Kloster Ossegg Außenansicht Steffen Neumann web

Über zwei Jahre werden Besucher nun also auf den Blick ist das Barockgebäude verzichten müssen. Es ist ein Werk des Baumeisters Octavio Broggio, der als Sohn eines italienischen Baumeisters in Leitmeritz (Litoměřice) aufwuchs und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Region mit seinen Bauwerken prägte. In Ossegg sorgte er für die Barockisierung des gesamten, heute über 800-jährigen Ensembles. Es beeindrucken die großartigen Dimensionen der Kirche, ihre Ausmalung und Ausschmückung. Wie wird das erst nach der lange überfälligen Restaurierung sein? Einige Arbeiten wurden auch in der Vergangenheit geschafft, wie die Restaurierung des Chorgestühls und der Deckenmalerei über dem Altarraum. „Das ist jetzt aber die größte Sanierungsaktion im Kloster seit 30 Jahren", sagt Koska

Davor hatte das Kloster bekanntlich unter der Kirchenfeindlichkeit der sozialistischen Tschechoslowakei zu leiden. Die Klöster wurden geschlossen, Nonnen und Mönche interniert. Wie es Ende 1989 hier aussah kann man bis heute an den Wirtschaftsgebäuden sehen, die immer noch verfallen und für die es angesichts der Größe des Komplexes keine Gelder gibt. Verwalter Koska ist froh, dass in eines der Gebäude vor Jahren wenigstens eine kleine Brauerei eingezogen ist.

Der Betrieb mit Schwarz- und Hellbierausschank hat dem Kloster zu einem kleinen Aufschwung verholfen. 2010 war der erste Abt nach der Samtenen Revolution und zugleich bisher der letzte, gestorben. Bernhard Thebes verkörperte für viele die Hoffnung auf ein echtes Konvent. Doch neben ihm gab es nur noch einen regulären Mönch, der später abgezogen wurde. Seit dem Tod von Bernhard ist das Kloster ohne Mönche.

Doch das heißt nicht, dass in dem Kloster nichts passiert. Der Freundeskreis ist sehr aktiv. Fünfmal im Jahr werden Arbeitseinsätze im Klostergarten organisiert. Der nächste findet Mitte Mai statt. Verwalter Koska bemüht sich auch für die Erneuerung des einzigartigen Gartens, Fördermittel zu erhalten.

Ob nach der Fertigstellung der Kirche wieder Mönche in das Kloster einziehen, muss der Zisterzienserorden entscheiden. „Wenn sie Kraft und Willen aufbringen, könnten sie sofort wieder einziehen“, sagt Jindrich Koska. Doch ob mit oder ohne Mönche: „Ein geistliches Zentrum war Ossegg in der Vergangenheit, ist es noch heute und wird es auch immer bleiben“, ist Koska überzeugt.

Kontakte zum Kloster Osek hier.


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