Dem einstigen Luxus-Kaufhaus Breda-Weinstein in Troppau droht der Abriss. Eine Bürgerinitiative will das verhindern.

Als es vor über 90 Jahren eröffnet wurde, war das Kaufhaus Breda-Weinstein im schlesischen Troppau (Opava) das größte seiner Art in der damaligen Tschechoslowakei. Das Haus mit 1500 Quadratmeter Ladenfläche entwarf der Wiener Architekt Leopold Bauer für den jüdischen Unternehmer David Weinstein. Dessen Partner Max Breda hatte sich bereits 1910 aus der Firma zurückgezogen. Trotzdem firmierte das Luxus-Kaufhaus unter dem Namen Breda-Weinstein und wurde später sogar nur kurz Breda genannt.

Doch der einstige Ruhm ist längst Vergangenheit. Obwohl es unter Denkmalschutz steht, ist inzwischen auch ein Abriss des Gebäudes mit der charakteristischen Fassade mit senkrechten Bändern und großen Fenstern möglich. Das schlägt in der schlesischen Stadt hohe Wellen. Für seine Rettung sind die Troppauer gestern sogar auf die Straße gegangen. Die Organisatoren wollten auf den schlechten Zustand des Gebäudes aufmerksam machen und erhoffen sich, damit einen Investor für das einstige Kaufhaus zu finden. Schon seit über einem Jahr bemüht sich der Konkursverwalter Josef Cupka erfolglos, das Gebäude zum Preis von 55 Millionen Kronen (rund 2,2 Millionen Euro) zu verkaufen. Mögliche Interessenten dürften die hohen Kosten einer Sanierung abschrecken, die auf bis zu 500 Millionen Kronen (fast 20 Millionen Euro) geschätzt werden.

TSCHECHIEN Troppau BredaWeinstein FassadeDetail web Bildrechte Steffen Neumann

Der Niedergang des Kaufhauses erfolgte auf Raten und begann nach der Privatisierung Anfang der 1990er Jahre. Damals kam es in den Besitz einer Firma des Unternehmers Kamil Kolek. Er betrieb das Kaufhaus weiter. Als aber 2004 ein Brand ausbrach, war das der Anfang vom Ende. Vor sieben Jahren musste das Kaufhaus wegen eines Wasserschadens und Störungen in der Elektroanlage geschlossen werden. Seitdem hat sich sein Zustand weiter verschlechtert. Das Gebäude in der Nähe des Oberrings (Horní náměstí) ist von einem Bauzaun umgeben und die Überdachung des Fußwegs schützt vor herabfallenden Fassadenteilen.

Um eine Rettung des Gebäudes bemüht sich auch die Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Tomáš Navratil will sich um Fördermittel bemühen und die Wirtschaftsförderung CzechInvest einschalten, um einen Investor finden. Der Stadt sind aber die Hände gebunden, da ihr das Gebäude nicht gehört. Einen Kauf schloss Navratil vor allem wegen der hohen Sanierungskosten und der fehlenden Nutzungsperspektive aus.

Entscheidend für eine Rettung dürfte sein, wie das Gebäude in Zukunft genutzt wird. „Das Breda könnte zum Verwaltungssitz eines internationalen Konzerns werden. Hier ist es günstiger als in Prag“, nennt OB Navratil eine Idee. Eins dürfte aber feststehen. Als Kaufhaus wird das Breda in Zukunft wohl nicht mehr eröffnen. Die Troppauer und ihre Gäste tätigen ihre Einkäufe längst im gleichnamigen modernen Einkaufszentrum Breda-Weinstein, das direkt hinter das alte Breda angebaut wurde.


Das könnte Sie auch interessieren:

Der Neysseturm ist gefallen

Jetzt ist es also doch passiert. Am Samstag wurde der Turm der Neysseburg, des einstigen Sitzes der humoristischen Schlaraffia-Herrengesellschaft in Gablonz (Jablonec nad Nisou), abgerissen.