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Wiener Roulette

Foto: Roulette - Bild: Wikipedia/Ralf Roletschek

Ein wahrer Wirtschaftskrimi spielt sich derzeit in Österreich ab. Es wird hoch gepokert. International. Auf dem Spiel steht die österreichische Glücksspielgesellschaft Casino Austria. Als ein heiße Favoriten im Bieterrennen gelten zwei Tschechen: Karel Komárek und Jiří Šmejc.

 

 

 

Die beiden gehören in ihrer Heimat zu den Top Ten der Superreichen, gelten als risikofreudig und, dank ihrer Anteile in anderen europäischen Lotterien, der tschechischen Sazka und der griechischen OPAP, als glücksspielerfahren. Mit ihrem Konsortium, der Austrian Gaming Holding A.G. (AGH) haben die beiden Mitte September einen strategisch wichtigen Zug getan: Sie kauften von der Donau Versicherung, die zur Vienna Insurance Group (VIG) gehört, 11,34 Prozent der Casinos Austria und hoff en auf weitere Anteile, die ebenfalls zum Verkauf stehen.

„Den Zuschlag haben wir den Tschechen aus zwei Gründen erteilt“, erklärt der Sprecher der Donau Versicherung, Wolfgang Haas, gegenüber dem LandesEcho. Zum einen sei das preisliche Angebot bei weitem das Beste gewesen, zum anderen habe die AGH ein Strategiepapier vorgelegt, in dem sie verspricht, den Standort Österreich zu erweitern. „Und sie haben auch ein klares Bekenntnis abgelegt, in Österreich gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, zum Beispiel durch die Unterstützung lokaler Vereine oder anderer zivilgesellschaftlicher Aktivitäten“, sagt Haas.

Technisch gesehen verkauft die Donau Versicherung ihre indirekten Anteile an den Casinos Austria durch den Verkauf ihrer 100-Prozent- Tochter Came Holding GmbH an die Austrian Gaming Holding a.s. Die Came Holding hält über die Medial Beteiligungs-GmbH (Medial) indirekt 11,345 Prozent Anteile an den Casinos Austria.

„Korrupte Betrüger und Gangster“

In europäischen Sicherheitskreisen sieht man mit großer Sorge auf den österreichisch-tschechischen Deal. Komárek und Šmejc gelten als, so unter anderem Interpol, wirtschafts- und sicherheitspolitisches Risiko. Ein Bericht der britischen Firma Hakluyt, der enge Verbindungen zum britischen MI6 nachgesagt werden, liest sich, laut Medienberichten, „wie das Script eines Gangsterfilms. Der Bericht nennt Komárek und seinen Vater, der nach der Wende 1989 das Firmenimperium begründet hat, „unerreicht korrupte Betrüger und Gangster, die bereit seien, alle, die ihnen im Weg stehen, ermorden zu lassen.

Komárek fackelte nicht lang und zog gegen die schottische Firma Ramco Energy, die den Bericht in Auftrag gegeben hatte, wegen Verleumdung vor Gericht. Die Klage wurde abgewiesen, Komárek zur Zahlung einer Geldstrafe von 300 000 Pfund verdonnert.

Das Grundkapital von Karel Komárek und Jiří Šmejc stammt aus dem Vermögen ehemaliger Wirtschaftsfunktionäre der ČSSR und den seinerzeit Devisen erwirtschaftenden Außenhandelsunternehmen. Der Begründer des Komárek-Imperiums, Karel Komárek Senior, war vor der Wende ein führender Außenhändler der ČSSR, mit entsprechenden Beziehungen zur Staatssicherheit. Mit genügend Beziehungen und Know-How ausgestattet gelang es den einstigen Begünstigten des kommunistischen Regimes, diese Gelder in den Wirren der Wende dem Staatshaushalt zu entziehen und über Steueroasen und verbündeten Strohmännern im westlichen Ausland zu verstecken. Bis heute ist die Familie Komárek, die das Familienunternehmen nach Unstimmigkeiten im Jahre 2010 aufteilte, mit vier Stiftungen in Liechtenstein verbunden. Bei jenen Treuhändern und Anwälten, die bereits das ČSSR-Vermögen verwalteten.

Mit der so genannten Kuponprivatisierung, in der ab 1991 Staatsbetriebe über ein ausgeklügeltes Voucher-System verhökert wurden, kamen die Gelder in den Einsatz. Den Komáreks fiel ein ganz besonderes Filetstück zu, die Moravské naftové doly (MND), die Ölfelder in Südmähren verwaltet.

Alte Netzwerke

Unter Regie seines Vaters forcierte Karel Komárek, der während der „Samtrevolution“ 1989 gerade mal 20 Jahre alt war, fortan Geschäfte mit Öl und Gas nach Russland, Georgien und in die Ukraine. Als Türöff ner fungierten die alten Kontakte seines Vaters. Bis heute ist KKCG, so der Name Konzerns mit Sitz in Zypern, unter dem Komárek seine wirtschaftlichen Interessen vereint, erfolgreich auf dem russischen Markt tätig. Dank hervorragender Beziehungen zu Gazprom und die Erschließung von Gasfeldern in der Ukraine, gehört die KKCG-Tochter MND heute zu den vier tschechischen Gasanbietern. Gegenwärtig exploriert die Firma Ölfelder in den Regionen Ulyanovsk und Tyumen

und investiert in der Region Samara. Zurück in Prag macht Komárek unter anderem auch mit einem schicken Neubau auf sich aufmerksam. Seine KKCG baut gerade in Prag 6 ein „multifunktionelles Zentrum“, das aus vier mehrstöckigen Glasbauten besteht. Genau dort, wo am 9. Mai 1945 insgesamt 41 Deutsche brutal von einem tschechischen Mob ermordet wurden. Das Massaker wurde von einem Anwohner filmisch dokumentiert und ist, auch in Deutschland, durch den Film „Töten auf Tschechisch“ bekannt geworden.

„Tiger“ im Hintergrund

 Zum Glücksspiel fand Komárek 2012, als er die tschechische Lotteriegesellschaft Sazka übernahm. Über die Sázka fand sich Komárek mit Jiří Šmejc zusammen, damals Partner des Investitionsfonds PPF, dem Anteile der Sázka gehörten. Šmejc, der bei der Wende 17 Jahre alt war, entstammt ebenfalls aus einer Familie, die zur Riege der ehemaligen kommunistischen Außenhändler gehörte. Bekannt wurde Šmejc in erster Linie durch die Expansion des tschechischen Kreditinstituts Home Credit auf dem russischen Markt. Unter seiner Leitung wurde Home Credit und die dazugehörige Finance Bank zu einer der größten Privatkundenbanken in der Russischen Föderation. Im Jahre 2012 gründete Šmejc seine eigene Investmentgesellschaft, die Emma Group.

Zusammen mit Komáreks KKCG und weiteren Investoren aus der Slowakei und Russland stieg die Emma 2012 bei der griechischen Lotteriegesellschaft OPAP ein. Ihre Erfahrungen in der Branche, vor allem die Beteiligung bei OPAP nutzen die Tschechen nun im Spiel um Casino Austria. „Wir weisen eine Erfolgsbilanz im Führen großer europäischer Glücksspielunternehmen auf und wir sind bereit, mit österreichischen Partnern zu kooperieren“, sagt der Leiter der Investitionsabteilung der KKCG, Štěpan Dlouhý. Man erkenne eine passende und sehr starke strategische Gemeinsamkeit zwischen den Casinos Austria auf der einen Seite und den Aktivitäten mit Sázka und OPAP auf der anderen Seite, so Dlouhý.

Bleibt abzuwarten, ob die OPAP dabei nicht der Schwarze Peter werden könnte. Eine zentrale Rolle in Griechenland spielt der griechische Oligarch Dimitris Melissanidis, ein griechischer Geschäfts- und Ölmagnat, Spitzname „Tiger“, der als weltweit größter Lieferant von Heizöl beschrieben wird. Als 2008 die Finanzkrise in Griechenland begann und die Hilfen der EU abhängig gemacht wurden von Reformen und dem Druck auf griechische Oligarchen ihre Steuern zu zahlen, begann Melissanidis ein Imperium zu schaffen, das es ihm erlaubt. Gelder in großem Stil zu waschen: das Glücksspiel. Zusammen mit Šmejc und Komárek, besitzt er heute über die griechisch-tschechisch-russischen Investmentfirma Emma Delta die griechische Lotteriegesellschaft OPAP, die größte europäischen Wettfirma.

„Ich töte Dich, Deine Frau, Deine Kinder“

Melissanidis gilt als Oligarch mit höchster krimineller Energie, unantastbar, schon wegen seiner großzügigen Art, Parteien zu unterstützen. Seit 2013 läuft ein Verfahren wegen Schmuggel und Fälschung gegen ihn. Gerichtstermine wurden inzwischen viermal verschoben, weil angeblich keine Staatsanwälte anwesend waren. Selbst fürs Grobe ist sich Melissanidis nicht zu schade. Einen Journalisten, der Fall wurde sogar im griechischen Parlament diskutiert, soll er persönlich mit Todesdrohungen schikaniert haben. „Ich töte Dich, Deine Frau, Deine Kinder, alles was Du hast“, soll Melissanidis dem Reporter per Telefon gedroht haben. Als dieser antwortete, er werde die Behörden informieren, entgegnete er höchst vulgär, dass die Behörden ihm nichts können: „Ich bin Melissanidis. Ich werde Dein Alptraum. Die Angst vor mir wird Dich verfolgen.“

Aller Beziehungen und Drohungen zum Trotz ist Melissanidis auch wegen Geldwäsche im Rahmen seiner Glücksspielaktivitäten im Visier der Athener Finanzbehörden. Zusammen mit Šmejc und Komárek will er nun auch das türkische Glücksspiel übernehmen. Denn Österreich ist nur ein Schritt zum gesamteuropäischen Spieleparadies der Oligarchen. Sie träumen von einem europäischen Glückspielriesen, der von Holland in die Türkei reicht.

Dieser Artikel erschien im LandesEcho 9/2015.

 

 

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