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Bewegung im deutsch-tschechischen Fernreisemarkt

Foto: Flixbus und Regiojet-Bus in Prag - Bild: LE/tra

Immer wieder versuchen tschechische Firmen, in Deutschland Fuß zu fassen und scheitern oft an einem gesättigten Markt. Joint Ventures mit deutschen Unternehmen sind dann meist das Mittel der Wahl, um doch noch beim nördlichen Nachbarn mitspielen zu können. Einen etwas anderen Weg beschreitet seit Mitte August das Transportunternehmen Leo Express aus Prag.

In Tschechien ist der Anbieter von Zug- und Busreisen längst etabliert und erreicht mit bis zu 80 Prozent auf seinen Strecken eine hohe Zugauslastung, auch wenn er seit Beginn seiner Tätigkeit im Jahre 2010 rote Zahlen schreibt und von seinen Eigentümern querfinanziert werden muss.

Leo Express hat sich mit Locomore einen deutschen Zuganbieter ins Portfolio hinzugekauft, der eine Ausnahmeerscheinung im Transportsektor ist. Das Unternehmen existierte zwar bereits seit 2007 als Beteiligungsgesellschaft, die sich auf Bahnverkehr spezialisierte, einen eigenen Zugbetrieb stellte Locomore jedoch erst Ende 2016 auf. Das Kapital dafür kam zu einem Teil aus einer Crowdfunding-Kampagne von vielen Kleinanlegern. Diese ließen sich von dem Konzept einer günstigen Verbindung zwischen Berlin und Stuttgart überzeugen, die zudem mit Themenabteilen zur Unterhaltung der Reisenden aufwarten konnte.

Nach Verzögerungen und mit weniger Wagen als geplant startete der Betrieb auf der Locomore-Strecke im Dezember 2016. Bis April 2017 konnten neue Wagons für den Zug beschafft und die Verbindung öfter bedient werden, auch die Auslastung bewegte sich auf einem guten Niveau. Das reichte jedoch nicht, um die Verbindlichkeiten des Unternehmens zu bedienen und so musste es im Mai Insolvenz anmelden. Das rief viele Interessenten auf den Plan, die in den bereits bestehenden Locomore-Strukturen den perfekten Einstieg in den deutschen Fernverkehrsmarkt erkannten.

Es folgten lange Verhandlungen, in denen sich Leo Express durchsetzen konnte. Seit dem 24. August fährt nun der Locomore-Zug mit acht Wagons wieder auf seiner ursprünglichen Strecke zwischen Berlin und Stuttgart, mit seinem ursprünglichen Personal und derzeit noch unter seinem ursprünglichen Namen. Neu sind der Eigentümer und auch der Bereitsteller des Fahrkartenverkaufssystems. Dafür hat sich Leo Express den deutschen Busanbieter Flixbus mit ins Boot geholt.

Deutscher Platzhirsch

Bis 2013 galt in Deutschland eine strenge Regulierung des Fernbusverkehrs, die zugunsten des Bahnverkehrs inländische Verbindungen fast ausschloss. Nach der weitgehenden Lockerung dieser Regeln strömten unzählige Anbieter auf den Markt und lieferten sich einen teilweise ruinösen Preiskampf um die besten Strecken. Von dutzenden Anbietern sind nach Fusionen und Pleiten heute einige wenige übrig geblieben, darunter Flixbus. Durch zahlreiche Zukäufe und Fusionen ist Flixbus mittlerweile mit über 90 Prozent Marktanteil deutscher Marktführer.

Die Fahrten wickeln für Flixbus etwa 250 lokale Busunternehmen ab – davon 150 in Deutschland. Flixbus verwaltet mit diversen Tochterfirmen für sie das Streckennetz, die Buchungen und den Betrieb. Dieses franchiseartige System hat für die Firma Flixbus, der selbst nur ein einziger Fernbus gehört, viele Vorteile. Bei der Einstellung von Verbindungen müssen beispielsweise weder eigenes Eigentum abgewickelt noch eigene Fahrer entlassen werden. Die Subunternehmer tragen das Risiko auch bei den Kampfpreisen, mit denen Flixbus seine marktbeherrschende Stellung hält.

Für die Fahrgäste ergibt sich daraus jedoch auch eine gewisse Unvorhersehbarkeit bei den bereitgestellten Bussen. Im Gegensatz zu Unternehmen mit eigenem Fuhrpark, schwanken Typ, Ausstattung und Komfort der Busse teils beträchtlich. Die Fahrer bei grenzüberschreitenden Verbindungen sind oft billigere Arbeitskräfte aus dem Ausland.

Verlockung Tschechien

Nun verstärkt Flixbus auch seine Präsenz auf dem tschechischen Fernbusmarkt. Man hat den hiesigen Anbietern, allen voran Regiojet, den Kampf angesagt. Mit niedrigeren Preisen und einem ausgebauten Streckennetz soll auch hier eine Marktdominanz erreicht werden. Zunächst hatte Flixbus die Flotte von Regiojet übernehmen wollen, was den tschechischen Anbieter jedoch 30 Prozent seiner Einnahmen gekostet hätte. Nachdem dieses Vorhaben geplatzt war, wurde der Ausbau eines eigenen Netzes in Tschechien beschlossen.

Die strategische Partnerschaft mit Leo Express bei Locomore könnte hier in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Das Hauptgeschäft von Leo Express sind die Zugverbindungen von Prag über Ostrau (Ostrava) nach Kaschau (Košice) und von Prag über Mährisch Weißkirchen (Hranice na Moravě) nach Altstadt bei Ungarisch Hradisch (Straré Město), die an ihren Endbahnhöfen an Leo Express-Busverbindungen anschließen. Flixbus konzentriert sich hingegen bislang auf Busverbindungen und macht jetzt erste Erfahrungen mit der Bahn. Ob und wie diese Synergien in Zukunft zur Stabilisierung der Einkünfte von Leo Express genutzt werden können, bleibt abzuwarten – Flixbus vertraut bei seiner Expansion auf finanzstarke Fonds, die das Unternehmen stützen.

Radim Jančura, Eigentümer des Bus- und Bahnanbieters Regiojet, sagte dem Internet-Fachmagazin zdopravy.cz, ein Flixbus-Preiskampf mit dem leicht profitablen Regiojet-Busnetz könne den darüber querfinanzierten Ausbau seines Zugnetzes stagnieren lassen. Sollte Flixbus sich auch in Tschechien durchsetzen, wolle Jančura seine Busflotte nach Deutschland schicken, um dort gegen die anziehenden Flixbus-Preise anzugehen.

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