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Der mitteleuropäische Tiger

Zwanzig Jahre nach der Teilung der Tschechoslowakei hat sich die Slowakei zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort entwickelt.

 

Laut einer Analyse der Experten von Germany Trade & Invest gehört die Slowakei in diesem Jahr zu den aussichtsreichsten Exportmärkten für den deutschen Mittelstand. Trotz Schuldenkrise und Sorgen um die Weltkonjunktur soll die slowakische Wirtschaft in diesem Jahr um rund zwei Prozent wachsen, für 2013 werden drei Prozent erwartet.

 

Besonders dynamisch entwickeln sich dabei die Handelsbeziehungen mit Deutschland. 2011 stiegen die deutschen Ausfuhren in das Land zwischen Donau und Karpaten um 18 Prozent. Auch in den ersten beiden Monaten von 2012 hielt der positive Trend an, mit einem Plus von neun Prozent exportierte die deutsche Wirtschaft weiterhin rege in die Slowakei. Garant für den Wachstumskurs ist und bleibt die Kfz-Industrie. Die drei großen Automobilwerke von Volkswagen, Peugeot und Kia haben sich blendend von der Absatzkrise anno 2009 erholt und produzieren heute mehr Fahrzeuge denn je. 2012 könnten sogar bis zu eine Million Fahrzeuge von den Bändern rollen.

 

Damit dies gelingen kann, müssen die Hersteller ihre Kapazitäten erweitern und neue Fertigungslinien aufbauen. Volkswagen will eigenen Angaben zufolge bis 2016 in der Slowakei rund 1,5 Milliarden Euro in die Kfz- und Komponentenfertigung investieren. Unter anderem sollen ein neues Stanz- und Schweißwerk am Standort Bratislava entstehen. Kia hat für dieses Jahr Investitionen in Höhe von 110 Millionen Euro angekündigt, um die Produktion des neuen Cee’d aufnehmen zu können. Auch PSA Peugeot Citroën steckt mit einem Volumen von 120 Millionen Euro große Summen in die Herstellung neuer Fahrzeugmodelle.

 

Der Expansionskurs der Automobilhersteller beflügelt zugleich das Geschäft der Zulieferer. Entsprechend sind für die kommenden Monate deutliche Kapazitätserweiterungen geplant. Dazu gehören Werke zur Blechbearbeitung, für Lichtsysteme, Motorenteile oder Bremssysteme. Die rege Investitionstätigkeit in der Industrie zieht Zulieferer der zweiten Reihe und die Importnachfrage ebenfalls nach oben. Gefragt sind vor allem Maschinen und Ausrüstungen, Metallgrundprodukte, Kunststofferzeugnisse sowie elektronische und elektrotechnische Komponenten.

 

Lieferchancen im Umweltsektor

Geschäftsmöglichkeiten bietet nicht nur die Privatwirtschaft, auch der öffentliche Sektor zeigt sich dank der Verfügbarkeit von EU-Fördermitteln in mehreren Bereichen überaus investitionsfreudig. Das meiste Geld steht für den Ausbau der Infrastruktur bereit. Den Straßenbau und die Erneuerung des Schienennetzes lässt sich die Regierung in diesem Jahr knapp 1,9 Milliarden Euro kosten. Allein 900 Millionen Euro sollen bis 2016 in den anspruchsvollen Autobahnabschnitt Lietavská Lúčka – Dubná Skala inklusive dem Tunnel Višňové fließen. Der Baustart ist für Mitte 2012 geplant. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll mit der Errichtung eines S-Bahn-Netzes in der Hauptstadt Bratislava begonnen werden. Dieses Großprojekt ist mit einem Volumen von 424 Millionen Euro dotiert.

 

Weitere Lieferchancen bieten öffentlich geförderte Projekte im Umweltsektor. Rund vierzig Prozent der in diesem Bereich verfügbaren EU-Gelder sind noch nicht gebunden. Ungeachtet dessen ist der Nachholbedarf groß. Vorhaben sind für die Beseitigung ökologischer Altlasten, den Hochwasserschutz, die Trinkwasserversorgung und die Abfallwirtschaft geplant. Gerade Letztgenanntes weist interessantes Potenzial auf. Zum einen wird ab 2013 für alle Kommunen die Trennung biologisch abbaubarer Abfälle verbindlich, zum anderen nimmt die Slowakei mit einer Verwertungsquote von weniger als zwanzig Prozent (jährliches Abfallaufkommen: 10,8 Millionen Tonnen) unter allen 27 EU-Ländern einen der letzten Plätze ein und strebt nach Besserung.

 

Deutschland ist traditionell der wichtigste Beschaffungsmarkt der Slowakei. Das deutsche Exportvolumen konnte über etliche Jahre hinweg kontinuierlich zulegen, bis der 2009 einsetzende Nachfrageschock einen jähen Rückgang um 30 Prozent bewirkte. Im Gegensatz zu den slowakischen Ausfuhren nach Deutschland konnten sich die Einfuhren nicht ganz so schnell erholen. Inzwischen jedoch belaufen sich diese auf ein jährliches Volumen von knapp neun Milliarden Euro, womit sie das Vorkrisenniveau wieder erreicht haben. Schwerpunkte des deutschen Ausfuhrgeschäfts in die Slowakei bilden Automobile und Automobilkomponenten, elektronische und elektrotechnische Güter, Maschinen und Anlagen sowie chemische Erzeugnisse. Deutschland ist zugleich der wichtigste Zielmarkt für die slowakischen Exporte und mit einem Fünftel an den Warenströmen beteiligt.

 

Eine jährliche Investorenumfrage, welche die AHK Slowakei mit weiteren europäischen Handelskammern vor Ort durchführt, weist regelmäßig auf bestehende Problemfelder hin. Die öffentliche Infrastruktur in der östlichen Landeshälfte bedarf dringend des Ausbaus und der Verbesserung. Ebenso sind Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung und der Durchsetzung von Rechtsansprüchen notwendig. Bemängelt werden zudem die fehlende Praxisnähe im Ausbildungssystem, insbesondere in der gewerblich-technischen Ausbildung. Nichtsdestotrotz würden 88 Prozent der befragten Unternehmen ihre Investition auch unter heutigen Bedingungen in der Slowakei wiederholen.

 

Der Autor ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer in Bratislava

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