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Erdgasautos auf der Überholspur

Im europäischen Vergleich herrscht in Tschechien noch großer Nachholbedarf.

 

 

Die Anzahl der Fahrzeuge mit Erdgasantrieb in der Tschechischen Republik könnte sich in den kommenden acht Jahren verzehnfachen. Experten erwarten einen regelrechten Boom bei den Neuzulassungen. Darauf müssen sich die Gasversorger und die Automobilindustrie einstellen. Pläne der Regierung sehen den Bau von über 250 Gastankstellen vor. Neben preisbewussten Pkw-Fahrern setzen vor allem Unternehmen mit einem großen Fuhrpark auf komprimiertes Erdgas als Treibstoff .

 

Und die EU: Sie will den Anteil von Fahrzeugen mit Erdgas-Antrieb bis 2020 von derzeit rund zwei auf zehn Prozent erhöhen. Darum hat sich auch Prag gegenüber Brüssel verpflichtet, mehr Autos mit alternativen Brennstoffen auf die Straßen zu bringen. Innerhalb der nächsten acht Jahre sollen 300 000 Erdgasutos im Land registriert werden. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Aktuell sind erst rund 3 800 Erdgas-Fahrzeuge unterwegs. Darunter 370 Busse, 45 kommunale Fahrzeuge und über 3 300 Pkw.

 

Für eine schnellere Marktdurchdringung ist der Aufbau von Infrastruktur nötig. Die beiden deutschen Konzerne RWE und E.ON sind mit ihren tschechischen Tochtergesellschaften bereits aktiv auf diesem Gebiet. Sie hoff en auf einen steigenden Bedarf an komprimiertem Erdgas. Die Gasversorger im Land haben sich verpflichtet, 100 Erdgas-Tankstellen im Land zu errichten. Außerdem bieten sie Verkehrsbetrieben an, die ersten vier angeschafften Erdgas-Busse ein Jahr kostenfrei zu betanken.

 

Doch das kann nur ein erster Schritt sein. Nach Berechnungen der Tschechischen Gasunion (ČPU) ist ein Netz von mindestens 300 Gastankstellen nötig, um das EU-Ziel von zehn Prozent Erdgas-Fahrzeugen zu erreichen. Aktuell gibt es erst 50 Füllstationen, davon etwa 40 öffentliche.

 

Die Gaskonzerne beobachten deshalb aufmerksam das neue Geschäftsfeld. E.ON will bis 2020 fast 100 Millionen Kronen in Erdgasautos investieren. Das Geld ist für Planung, Bau und Betrieb von Füllstationen und für die Umstellung von Fahrzeugen auf Erdgas-Betankung vorgesehen. Noch 2012 plant E.ON laut Agenturmeldungen die Eröffnung von drei Tankstellen in Brno, Otrokovice und Humpolec.

 

Steigende Nachfrage

Konkurrent RWE betreibt indes schon zehn Tankstellen. Ab 2013 sollen jährlich zwei neue Stationen gebaut werden. Wie das Unternehmen der Agentur „Germany Trade and Invest“ mitteilte, kommt die Technologie für die Füllstationen aus Deutschland.

 

„Wir stellen einen neuen Nachfrage-Boom nach Erdgas fest“, erklärte ein Sprecher von RWE Transgas in Prag das starke Engagement. Das hinge, so RWE, eng mit den steigenden Benzin- und Dieselpreisen zusammen. Die machen Erdgas-Autos besonders attraktiv für kostenbewusste Unternehmen. So setzen der Postdienstleister DHL und das Prager Abfallunternehmen Pražské služby bereits Erdgasautos ein.

 

Denn diese locken nicht nur mit günstigem Verbrauch, sondern auch mit Steuervorteilen. Außerdem sind Busse und Lastwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von unter 12 Tonnen von der Straßensteuer befreit, wenn sie über einen Gasantrieb verfügen. Dadurch können die Besitzer zwischen 12 000 und 40 000 Kronen pro Jahr sparen. Bei Pkw beträgt die Steuerersparnis bis zu 4 200 Kronen pro Jahr.

 

Auch die Gasversorger unterstützen die Anschaffung von Erdgas-Nutzfahrzeugen. Laut Gasunion fördern sie den Kauf von Erdgas betriebenen Bussen mit bis zu 200 000 Kronen. Auf diese Weise konnten seit 2006 schon über 200 Autobusse finanziert werden. Die meisten davon sind in den Städten Česká Lipa (Böhmisch Leipa), Prostějov, Havířov und Ústí nad Labem (Aussig an der Elbe) unterwegs.

 

Die Regierung will die Fuhrparks der staatlichen Verwaltung schon 2014 zu einem Viertel auf umweltfreundliche Fahrzeuge umrüsten. Damit müsste sie pro Jahr 1 000 Elektro-, Hybrid- oder Erdgas-Fahrzeuge anschaffen.

 

Laut Marktexperten warten die Automobilhersteller aber noch die Entwicklung beim Ausbau des Tankstellennetzes für Erdgasautos ab. Ein weiterer Flaschenhals für eine schnellere Marktdurchdringung sind nach Einschätzung von RWE die Autohändler, die Erdgasfahrzeuge bislang nur sehr zurückhaltend offerieren. Wie der Pressesprecher der Import Volkswagen Group, Jan Klíma, erklärte, haben alle VW-Händler im Land die Möglichkeit, eigene Füllstationen aufzubauen. Dafür würden den Autohäusern Spezialangebote der drei Lieferanten E.ON, Bonett und Vitkovice Doprava unterbreitet.

 

Der Autor ist Prager Korrespondent der deutschen Bundesgesellschaft für Außenhandelsförderung GTAI.

 

 

 

 

 

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