Die Abschaffung des Aufklebers spart vor allem Kosten, im günstigsten Fall auch für Autofahrer.

Ab 1. Dezember geht in Tschechien das neue Jahr los. Zumindest was die Jahresvignette für die Autobahnen betrifft. Die gilt insgesamt 14 Monate von Dezember 2018 bis Ende Januar 2020 und ihr Verkauf startet am Samstag. Doch mit dem mühsamen Aufkleben der Plakette auf die Frontscheibe könnte es bald vorbei sein.

Das tschechische Verkehrsministerium plant die Einführung einer elektronischen Vignette für PKW-Fahrer auf Autobahnen. Das entsprechende Gesetz soll noch in diesem Jahr von der Regierung verabschiedet werden, sagt eine Sprecherin. Im kommenden Jahr soll eine Firma für die Umsetzung ausgewählt werden. Ein letztes Mal würde die Vignette zum Aufkleben dann 2020 verkauft werden. Ein Jahr später können Autofahrer die Plakette bereits bequem per App oder im Internet ordern. Das Autokennzeichen wird erfasst. Bei Kontrollen wird dann nur noch abgeglichen, ob eine Vignette bezahlt wurde. Eine ähnliche Lösung gibt es bereits in der Slowakei und in Ungarn.

Das Ministerium verspricht sich von dem Umstieg vor allem niedrigere Kosten. „Da Druck und Vertrieb entfallen, sparen wir jährlich mehr als 4 Millionen Euro“, rechnet Lenka Rezková vom Verkehrsministerium vor. Gleichzeitig erhöhen sich die Einnahmen durch eine bessere Kontrolle. „Wir planen Kontrollen an ausgewählten Standorten sowie mobile Kontrollen. Keinesfalls geht es aber um eine flächendeckende Überwachung an allen Auffahrten“, so Rezková weiter.

Gleichzeitig erhöht sich der Komfort für Autofahrer. Neben der Beschaffung über Smartphone oder per Mausklick fällt auch das obligatorische Aufbewahren des Kontrollabschnitts weg. Fehlt dieser drohen heute Autofahrern die gleichen Bußgelder wie für den Fall, wenn gar keine Vignette an der Frontscheibe klebt. Das sind bis zu 5000 Kronen (umgerechnet 200 Euro) bei Sofortkasse oder sogar 100000 Kronen im Verwaltungsverfahren. Die gleichen Strafen drohen heute auch, wenn noch eine ungültige Vignette an der Scheibe klebt. Auch das wird mit der elektronischen Vignette nicht mehr passieren.

Immer mehr Autobahnkilometer

Im besten Fall sorgt die elektronische Vignette sogar dafür, dass die Preise stabil bleiben. Bei sinkenden Kosten und gleichzeitig steigenden Umsätzen wäre eine Preiserhöhung nicht vermittelbar. Die Umsätze steigen bereits heute. Obwohl seit drei Jahren immer mehr Abschnitte vor allem in Ballungsräumen von der Vignettenpflicht befreit sind, steigen die Einnahmen aus dem Vignettenverkauf jedes Jahr. Gleichzeitig werden regelmäßig neue Autobahnabschnitte eröffnet. Insofern bekommen Autofahrer für den gleichen Preis immer mehr geboten.

Die Preise für die Plakette liegen seit 2012 unverändert bei 1500 Kronen (ca. 60 Euro) für die Jahresvignette, 440 Kronen (ca. 18 Euro) für die Monatsvignette und 310 Kronen für 10 Tage (ca. 13 Euro). Während die Jahresvignette schon ab 1. Dezember im Handel ist, werden die anderen beiden erst ab 1. Januar 2019 verkauft. Alle drei Vignetten haben für 2019 wieder ein neues Aussehen bekommen.