Kateřina Tučkovás preisgekrönter Roman „Gerta, das deutsche Mädchen“ über die Lebensgeschichte eines deutsch-tschechischen Mädchens, das Todesmarsch, Entrechtung und Verbitterung erlebt, ist seit 2018 auch in einer Theaterfassung zu sehen. Jetzt holten die Landesversammlung und der Verband der Deutschen Region Prag und Mittelböhmen das Stück an die Moldau.

Am letzten Novemberwochenende feierte die Inszenierung von Martin Vokoun unter der Regie von Diana Šoltýsová vor ausverkauftem Haus ihre Premiere. Gespielt wird „Die Vertreibung der Gerta Schnirch“ im Jára Cimrman-Theater, das sonst deutlich leichtere Kost anbietet. Aber auch Gertas Schicksal, das die Geschichte der Deutschen in der Tschechoslowakei im zwanzigsten Jahrhundert nachzeichnet, sucht sich hier seinen Raum.

Mit einem Steg, der von der Bühne bis in die ersten Sitzreihen reicht, wird die Spielfläche sogar so erweitert, dass das Stück sehr direkt bis zu den Zuschauern gebracht werden kann. Genutzt wird dieses Element von gleich drei Gertas, die jeweils einen Lebensabschnitt vom Kind bis zur erwachsenen Frau darstellen. Jaroslava Košková spielt dabei mit starken Emotionen jene Gerta, die den Brünner Todesmarsch durchlebt und deren Leben von Fremdbestimmung und Gewalt gezeichnet ist. Ihre glaubwürdige Darstellung der Genese von Gertas Trauma und Verbitterung trägt zur düsteren Atmosphäre des Stücks bei.Am letzten Novemberwochenende feierte die Inszenierung von Martin Vokoun unter der Regie von Diana Šoltýsová vor ausverkauftem Haus ihre Premiere - Foto: Manuel Rommel

Diese Stimmung wird durch sarkastische Kommentare anderer Rollen und die unbedarfte Weltsicht von Gertas Tochter Barbora, gespielt von Magdalena Jirounková, gekonnt durchbrochen. Dem zwölfköpfigen Ensemble merkt man eine gewisse Vertrautheit an, die dem Stück sehr gut tut. Die Beschränkung auf einen einzigen männlichen Darsteller (im Wechsel Michal Kern und Dušan Kraus), der alle Männerrollen übernimmt, lässt die Unterschiede zwischen all den Gewalttätern verschwimmen, denen Gerta im Laufe ihres Lebens begegnet. Am Ende ist es für sie ganz egal, ob der Täter Nazi war, Soldat oder Stasi-Mann.

Mit großem Applaus würdigte das Premierenpublikum die Darsteller und das Team hinter dem Stück, dessen Aufführung das Bundesministerium des Innern im Rahmen der Förderung der deutschen Minderheit in Tschechien unterstützt. Den deutsch-tschechischen Aspekt unterstreicht die Produktion von 3D Company und des Kulturvereins Partida durch die deutschsprachige Übertitelung, die auch nach der Premiere zur Verfügung steht und gezeigt wird, wenn sich deutschsprachige Gäste zur Vorstellung anmelden.

Weitere Vorstellungen:

Fr, 17.01.2020
Fr, 07.02.2020
Mo, 16.03.2020
Fr, 24.04.2020
Sa, 30.05.2020