Die tschechische Regierung hat neue Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus aber auch zur Rettung von Unternehmen beschlossen. Erste Geschäfte dürfen wieder öffnen.

Schon seit über zwei Wochen befindet sich Tschechien aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus im nationalen Notstand, das öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen und die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Seit 16. März gilt eine landesweite Quarantäne, seit 19. März darf man sich draußen nur noch mit einem Mundschutz aufhalten. Seit 24. März darf man sich – ähnlich wie in Deutschland – auch nur noch zu zweit durch den öffentlichen Raum bewegen (mit Ausnahme von Familienmitgliedern oder Angehörigen des Hausstands, auch für Beerdigungen gilt die Regelung nicht).

Erste Geschäfte dürfen wieder öffnen

Nun kommen wieder einige neue Maßnahmen hinzu, andere werden etwas gelockert. Seit heute sind etwa Lebensmittelmärkte dazu verpflichtet, Kundinnen und Kunden am Eingang kostenlose Einweg-Handschuhe oder ähnliche Schutzmittel bereitzustellen, erlaubt sind z.B. auch Plastiktüten, die gewöhnlich zum Einpacken von Selbstbedienungs-Backwaren verwendet werden.

Im Einzelhandel und Dienstleistungsbereich gibt es seit dem heutigen Freitag einige Ausnahmen von den Notstandsregelungen. So dürfen u.a. Schlüsseldienste und Werkstätten für Hausgeräte wieder öffnen und ihre Reparatur-Dienstleistungen anbieten. Auch Auto-Waschanlagen haben wieder geöffnet.

Ausnahmen gibt es ebenfalls für Hotels und Pensionen: Ab sofort dürfen Unterkünfte angeboten werden, insofern diese aufgrund der Arbeit benötigt werden.

Maßnahmen zur Rettung für Unternehmen

Außerdem beschloss die tschechische Regierung eine Reihe von Maßnahmen, um Unternehmen zu unterstützen. Der Staat übernimmt bei Kurzarbeit 50 bis 80 Prozent des Gehalts. „Wir wollen nicht, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter entlassen“, erklärte Arbeits- und Sozialministerin Jana Maláčová. Das Programm tritt am 1. April in Kraft, gilt rückwirkend aber auch für März. Des Weiteren wurde ein Betreuungsgeld für Beschäftigte, die wegen ihrer Kinder zu Hause bleiben müssen, beschlossen. Dieses liegt bei maximal 13.144 Tschechischen Kronen (ca. 480 €). Auch Freiberufler erhalten staatliche Unterstützung so lange die Anti-Corona-Einschränkungen gelten: „Wir werden mit einem Betrag von 15.000 Kronen pro Monat [ca. 548 €, Anm. d. Red.] Selbstständige unterstützen, die ihre Räumlichkeiten de facto geschlossen haben, oder die wir aufgrund von Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus daran gehindert haben, Geschäfte zu tätigen. Für die Zeit der Geschäftsbeschränkungen sollten wir sie entschädigen“, sagte Finanziministerin Alena Schillerová (ANO) nach der Regierungssitzung am Donnerstag.

Wirtschaftliche Folgen des Coronavirus

Das genaue Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus ist zum momentanen Zeitpunkt noch schwer einzuschätzen. Jedoch ist schon absehbar, dass auch in Tschechien mit großen wirtschaftlichen Einschnitten gerechnet werden muss. Die tschechische Notenbank hat den Leitzins bereits um 0,75 Prozentpunkte auf nunmehr 1,00 Prozent gesenkt. Die Regierung rechnet mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf den doppelten Wert von heute, also zwischen 3 und 6 Prozent. Der größte tschechische Arbeitgeber, der Autobauer Škoda, hat seine Produktion am 18. März stillgelegt und wird sie nicht vor Mitte April wieder aufnehmen.

Durch das Regierungsprogramm zur Unterstützung von Unternehmen wird das staatliche Haushaltsdefizit auf 200 Milliarden Kronen (ca. 7,3 Milliarden €) steigen. Experten sehen diese Einschätzung der tschechischen Regieurung skeptisch. Der Ökonom Jan Bureš von Patria Finance, die zur ČSOB-Bankengruppe gehört, geht von einer viel höheren Staatsverschuldung aus: "Wir sind skeptischer. Wenn die Quarantänemaßnahmen am Ende des zweiten Quartals oder zu Beginn des dritten Quartals abgebaut werden und solange die Kurzarbeit vollständig läuft, wird das Defizit in der Größenordnung von Hunderten von Milliarden Kronen liegen", schätzte er auf einer Konferenz ein. Außerdem rechne er mit einem Rückgang der tschechischen und deutschen Wirtschaft um acht bis neun Prozent.

Bemerkbar machte sich die Corona-Krise bereits auf den Kronenkurs, dieser liegt inzwischen bei etwa 27,5 Kronen je Euro (vorher lag der Kurs relativ stabil bei 25 Kronen je Euro).

Tschechien meldete Freitagmorgen 2062 Infizierte. Allein am Donnerstag kamen 259 neue Fälle hinzu. Damit bleibt die Dynamik weiter hoch. Die Zeit, in der sich die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten verdoppelt, liegt aktuell bei fünf Tagen. Neun Menschen sind bisher an der Krankheit COVID-19 gestorben, zehn gelten als geheilt.