Die aktuelle Dürre, die seit 2015 andauert, ist laut einem Wissenschaftlerteam des Projekts „InterSucho“ die schlimmste seit 500 Jahren. Immer häufiger ereignen sich extreme Trockenperioden im ganzen Land. Besonders betroffen sind davon die Gebiete Südmähren und der Nordwesten Böhmens.

In diesen beiden Gebieten sei laut den Wissenschaftlern die Differenz zwischen Gesamtniederschlag und Verdunstung besonders prekär. Das Team verglich diesen Wert der letzten fünf Jahre mit dem langjährigen Durchschnitt zwischen den Jahren 1961 und 2000 und kam zu dem Schluss, dass in den vergangenen Jahren vor allem in den Berg- und Vorgebirgsregionen das Wasser fehlt. „Wir haben kürzlich eine umfassende Analyse durchgeführt. Wenn wir das Niederschlagsdefizit nehmen und die Verdunstungskapazität der Landschaft aufgrund höherer Temperaturen und sonnigen Wetters zunimmt, fehlen uns in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 870 Liter Wasser pro Quadratmeter im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt", sagt Miroslav Trnka vom Zentrum zur Erforschung des globalen Wandels an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik.

Das durchschnittliche Niederschlagsdefizit lag in den vergangenen fünf Jahren landesweit bei rund 400 Millimetern. Es würde jedoch doppelt so lange dauern, bis der Wasserhaushalt wieder auf dem Level von der Zeit zwischen 1961 und 2000 ist. Im Süden Südmährens, einem der trockensten Gebiete in Tschechien, fehlten in den fünf Jahren bis zu 1700 Liter pro Quadratmeter. In Nordwestböhmen und dem Rest Südmährens ist die Situation ähnlich. Um die Lage deutlich zu verbessern, müsste es mindestens 20 Tage am Stück regnen – langanhaltend aber mit geringer Intensität. In unserer Klimazone sei das aber ein eher unwahrscheinliches Szenario, sagt Trnka. Eher drohen bei heftigen Niederschlägen Überschwemmungen, weil die ausgetrockneten Böden das Wasser nicht gut aufnehmen können, erklärt er weiterhin.

Gefahr der Bodenaustrocknung in den Regionen Tschechiens - Foto: Český hydrometeorologický ústav

Gefahr der Austrocknung der Böden in der Tiefe von 0-40 cm in den Regionen Tschechiens - Foto: Český hydrometeorologický ústav

Schuld ist der Klimawandel

Laut Trnka sei die Dürre in vielen Teilen Europas verbreitet. Grund dafür sei der Klimawandel, der die Zirkulation in der Atmosphäre verändere. So würden häufiger Situationen auftreten, die das Eindringen von feuchter Meeresluft aus dem Westen verhindern. „Glücklicherweise sind die Dürreperioden in Mitteleuropa immer zu Ende gegangen, aber das sich ändernde Klima erklärt teilweise, warum sie nicht wie in der Vergangenheit nach drei oder vier Jahren enden“, sagt Trnka.

Vor kurzem kündigte das tschechische Umweltministerium an, Projekte zum Dürremanagement in diesem Jahr mit finanziellen Mitteln von umgerechnet 90 Millionen Euro zu fördern. Gefördert werden sollen damit u.a. die Anpflanzung von Bäumen, die Suche nach neuen Trinkwasserquellen und auch die Nutzung von Regenwasser zur Toilettenspülung im Haus.