Aktuelle Seite: StartseiteGesellschaftMinister besucht Gymnasium

Der Druck wächst

Der Kampf um den Erhalt des Kurbads Kyselka findet immer mehr Unterstützer.

Agáta Hanychová, Enfant terrible der tschechischen Modelszene, weiß genau, was sie machen wird: „Ich stelle mich nackt auf den Altstädter Ring und werde eine Flasche Mattoni über mich leeren“, verspricht die 27-jährige Brünette mit entschlossenem Ton. Schriftsteller Jaroslav Rudiš hingegen hat andere Pläne. Mit dem Zug will er einen Ausflug machen und dann eine neue Kurzgeschichte schreiben. Doch bevor sich das Model entblößt und der Schriftsteller den Schreibstift zückt, muss eine Bedingung erfüllt werden: Das Kurbad Kyselka (Giesshübl-Sauerbrunn) muss vor dem Verfall gerettet werden. Hanychová und Rudiš sind Teil einer Kampagne für die Rettung des Kurbads nahe Karlsbad (Karlovy Vary), das seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben ist. In einem Video erzählen hier Promis der tschechischen Kunst- und Kulturszene, was sie alles machen werden, sobald das Bad erhalten wird.

Der Druck der Öffentlichkeit auf die Besitzer Kyselkas, den Mineralwasserkonzern „Karlovarské mineralní vody“ (KMV) und die ihr nahestehende Gesellschaft RIS, wächst. Schon über 25 000 Menschen haben inzwischen eine Petition zur Rettung des Kurbads unterzeichnet, das Ende des 19. Jahrhunderts vom böhmischen Unternehmer Heinrich Mattoni erschaff en wurde. Aber auch mit einzelnen Aktionen versuchen viele nun den KMV-Vorstandsvorsitzenden Alessandro Pasquale, ein Italiener mit Schweizer Pass, zum Erhalt dieses böhmischen Kulturerbes zu bewegen. Während Studenten der Karlsuniversität mit einem Happening vor dem KMV-Firmensitz in der Prager Altstadt vor kurzem auf die  Causa Kyselka aufmerksam gemacht haben, hat die Stadt Franzensbad (Františkové Lázne) ganz andere Kaliber aufgefahren. Das kleinste Kurbad des berühmten böhmischen Bäderdreiecks hat  kurzerhand einen Boykott von Produkten der KMV ausgerufen, von denen das bekannteste das Mineralwasser Mattoni ist, das auch nach Deutschland exportiert wird.

Eigentumstransfer abgelehnt

Jetzt, noch rechtzeitig vor den anstehenden Kreiswahlen im Oktober, hat sich auch der Kreis Karlsbad eingeschaltet. „Wir haben die Besitzer von Kyselka gefragt, ob sie dazu bereit wären, das Bad kostenlos auf den Kreis Karlsbad zu überschreiben“, erklärt Kreishauptmann Josef Novotný. In dem Fall plant der Kreis, das Bad weiter an die Denkmalschützer der „Assoziation für Schutz und Entwicklung des Kulturerbes der CR“ (ASORKD) weiterzugeben. Die Assoziation hat sich bereit erklärt, für die Rekonstruktion und Erhaltung des Bades zu sorgen. Die Gelder hierfür planen sie im In- und Ausland zu sammeln. „Außerdem melden sich immer wieder Leute bei uns, die am Erhalt Kyselkas mitarbeiten würden. Eine Karlsbader Firma hat uns zum Beispiel angeboten, auf eigene Kosten die Dächer von zwei Objekten zu erneuern“, sagt ASORKD-Vizepräsident Martin Kadrman.

Das Angebot von Kreishauptmann und Denkmalschützern stößt bei der KMV allerdings auf taube Ohren. „Die KMV hat es nicht nötig,  irgendeines ihrer Eigentümer umsonst irgendwem zu übertragen“, reagierte die Mineralwasserfirma mittels ihrer Krisenmanager. Anstelle dessen verspricht die Firma, unter deren Regie ein ganzer Pavillon des Kurbades verloren ging, immer wieder, einzelne Gebäude zu erhalten. Um Kyselka jetzt ein wenig von den durchschnittlich 50 Lastwagen zu entlasten, die am Kurbad vorbei zur Mattoni-Abfüllanlage donnern, wurde vergangene Woche die traditionelle Bahnlinie wiedereröffnet, auf der schon zu Zeiten Heinrich Mattonis das Mineralwasser auf den  nächstgrößeren Bahnhof verfrachtet wurde. Was heute die Gemüter beschwichtigen soll, ist ein Zeugnis der mangelnden unternehmerischen Vision der KMV: die Bahnlinie, die die KMV jetzt mit großem Pomp wiedereröffnete, sie selbst vor 15 Jahren stilllegen.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

Otto von Bismarck
Otto von Bismarck: „Die Politik ist keine Wissenschaft, wie viele der Herren Professoren sich einbilden, sondern eine Kunst.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.